Bollegraf Max

Max Moses Morris Mordechai Harry Bollegraf

*31.12.1921 in Winsachoten; ✡ 30.9.2017 Moschav HaYogev

Staatsangehörigkeit Niederlande

Religion jüdisch

Vater Jacob Bollegraf *14.2.1879 in Winschoten; ✡26.1.1931 in Groningen

Erste Ehe des Vaters 20.9.1905 in Enschede mit Geertruida de Leeuw (12.3.1877-23.3.1917)

Geertruida de Leeuw wurde leblos aus dem Kanal Winschoterdiep geholt

Halbgeschwister aus der ersten Ehe des Vaters

Alida Bollegraf *22.6.1906 in Winschoten; ✡ 17.1.1997 in Amsterdam; oo Louis de Wilde

Roza Bollegraf *7.12.1910 in Winschoten; ✡ 3.1.2003 in Haifa; oo Sally Cohen (1913-1990)

Mutter Magdalena Philips *17.11.1883 in Groenlo; ✡ 1940

Schwester

Silva Bollegraf *28.11.1920 in Winschoten; ✡ 23.7.1943 in Sobibor; oo Simon De Vries (1919-1943)

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Winschoten; Franeker; Amsterdam; Groningen

Heirat 24.3.1950 mit Lea Sander *3.3.1925 in Isselburg, Rees; ✡ 20.4.2007

Kinder vier

Jael Bollegraf; ✡?

Juval Bollegraf

Weiterer Lebensweg

26.1.1931 Tod des Vaters bei einem Zugunglück in Groningen

Kibbuz Franeker

Der 1935 vom Arzt Dr. Jacob und seiner Frau Lina Bramson aus Franeker gegründete Kibbuz der religiösen Zionisten des Misrachi „Dath we Eretz“ bestand bis zu seiner Auflösung durch eine Razzia am 3. November 1941.

Träger Misrachi/ Dath Waäretz; Bachad, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch ‚Bund religiöser Pioniere‘. Die Hachschara Organisation hieß „Dath we Eretz“

Das alte Bahnhofsgebäude des Kibbuz Franeker am Harlinger Weg 45 konnte etwa 25 Bewohner aufnehmen, anfangs waren es 10, zuletzt bis zu 30 Chalutzim.

Jacob Bramson kümmerte sich persönlich um die sorgfältige Auswahl die Bauernhof-Stellen.

Die geistliche Betreuung übernahm Oberrabbi Lewinson aus Leeuwarden

Dezember 1939 Max Bollegraf angemeldet im Kibbuz Franeker

Max Bollegraf erzählt von seinem ersten Arbeitstag, dem 2.1.1940 bei den Brüdern Fennema, Pferdehändlern in Sexbierum:

„Natürlich hatte ich keine Ahnung vom Umgang mit Pferden und bekam bald meine erste Lektion. Ich nahm Rüben, um sie in den Trog zu legen, ohne die Tiere zu warnen, dass ich vorbei wollte. Ein Pferd scheute, und ich bekam einen kräftigen Tritt, glücklicherweise auf meinen Holzschuh, der natürlich zerbrach. Der Bauer kam erschrocken zu mir und rief: ‚Jetzt sollst du dir ein für alle Mal merken: Pferden und Frauen ist niemals zu trauen.‘ “

Kibbuz Franeker; von links, vorn hockend: Artur Rath, Max Bollegraf, Erich Levy, Helmut Wolf; stehend: Regina Drescher, Benno Freimann, Chana de Leeuw, Bernard Hammelburg; Mimi Brandweiner, Esther Blok, Moritz Heller, Hannah Levy, Hans Martin Cohn

10.5.1940 Überfall der Wehrmacht auf die Niederlande; die deutsche Verwaltung ändert die Rahmenbedingungen für die Chaluzim. Max Bollegraf muss den Bauern wechseln; fast ein Jahr arbeitet er zusammen mit Hans Martin Cohn für den Großbauern Dominicus Hiemstra in Herbaijum, der über 40 Hektar bewirtschaftet und seine Knechte streng kontrolliert.

Da er sich Hiemstra nicht wohlfühlt, wechselt auf den kleineren Hof des ledigen Romke van der Wal in Dongjum, bei dem er nach anfänglichen Schwierigkeiten gut zurecht kommt.

3.11.1941 Verhaftung der Bewohner bei einer Razzia des SD auf Grund einer Verleumdung; laut SS Hauptsturmführer Ferdinand aus der Fünten, Leiter der Zentralstelle für Jüdische Auswanderung in Amsterdam, wurde ihnen unterstellt: „Wirtschaftssabotage (Hamstern), unerlaubtes Verlassen des Kibbuz und Abhören von Feindsendern (BBC)“

Verbringung von 13 Chaluzim ins Gefängnis Blokhuispoort in Leeuwarden; sie sollten zur „Sonderbehandlung“ nach Mauthausen; Levinson, Oberrabbi in Leeuwarden kann aber erreichen, dass die Niederländer Lea Frank, Max Bollegraf und Eli Ascher entlassen werden und die anderen „nur“ in das Kamp Westerbork müssen; Eli Eliazar Dasberg, Jan Luykenstraat 86 in Amsterdam, Dasberg hatte die drei Niederländer aus Franeker in seiner Funktion als Vorsitzender von Dath ve’Eretz aus dem Polizeigewahrsam im Gefängnis Blokhuispoort herausgeholt.

8.1.1942 Max Bollegraf umgemeldet von Franeker nach Amsterdam zusammen mit Lea Frank und Eli Ascher; er kommt für zwei Monate bei seiner Halbschwester Alida und dessen Mann Louis de Wilde in Amsterdam unter

12.3.1942 Umzug nach Groningen, Heerestraat 96 zu Halbschwester Roza und Sally Cohen; hier wohnen auch seine Schwester Silva und deren Mann Simon Philip de Vries

Joodse Werkkampen – jüdische Arbeitslager

Im September 1940 wurden im Zuge der Arbeitsbereitstellung durch das Reichsamt für Arbeitserweiterung „Werkkampen“ errichtet.

Ab Sommer1942 dienten diese Lager als jüdische Arbeitslager und Puffer für das Lager Westerbork.

Werkkamp Twilhaar

Sommer 1942 Max Bollegraf auf der Einberufungsliste für das Werkkamp Twilhaar, bei Nijverdal in Overijssel; er ist aber nie dort gewesen; er entging einer Verhaftung, in dem er sich auf der Bahnhofstoilette von Groningen versteckte;

Im Werkkamp Twilhaar Izak Bollegraaf (*12.5.1918 Winschoten –  28.2.1943); außerdem aus Groningen Maurits, Simon, Jacob und Ruben Bollegraaf

August 1942 Einweisung von Schwager Sally Cohen in ein Werkkamp, vermutlich auch Twilhaa/Nijverdal

Nach dem Aufruf ist Max Bollegraf in ein Versteck gegangen

Überleben im Versteck

Max übersteht den Krieg als Onderduiker in verschiedenen Verstecken in Noordholland, u.a. in Aduard bei der Familie van Meekeren

Der Verlorene Zug

15.2.1944 Schwester Roza und Ehemann Sally Cohen von Westerbork nach Bergen-Belsen

10.4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt

23.4.1945 Irrfahrt des verlorenen Zuges endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz,

Befreiung von Schwester Roza und Ehemann Sally Cohen durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow

Alija beth nach Palästina

April einige Chaluzim machen sich aus den Niederlanden auf den Weg nach Marseille

22. 6.1946 Abreise aus Port de Sete, einem kleinen Hafen 200 km westlich von Marseille mit 1086 Ma’apilim auf dem von der Haganah gechartertem Schiff SS BIRIA, zuvor SS AKBEL. Ebenfalls an Bord die Onderduiker Ruth Tischler (Loosdrecht), Miekje de Groot (Kibbuz Elden) und ihr Verlobter Hans David Seemann (Loosdrecht und Elden)

1.7.1946 Ankunft auf der SS BIRIA in Haifa

Die meisten Ma‘apilim werden in die britischen Internierungslager auf Zypern gebracht

1977 ist Max Bollegraaf als Reiseleiter in Franeker zu Besuch und trifft dort 1941 acht Jahre alte Hille Hiemstra, Tochter des Bauern

Gedenken

Quellen

www.joodsmonument.nl/nl/page/396746/re-bollegraaf

https://www.myheritage.de/research

Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020

Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002

Hannelore Grünberg-Klein, Zolang er nog tranen zijn, Nijgh & Van Ditmar, 2015

https://www.werkkamptwilhaar.nl/mogelijkenamen.html

https://danielabraham.net/tree/related/dora

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Bollegraf%22%7D&page=2

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939https://www.myheritage.de/research

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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