
Wolfgang Leubuscher
*22.8.1920 in Guben, Brandenburg; ✡11.10.1941 in Mauthausen
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch

Vater Adolf Leubuscher *31.3.1887 in Oppeln; ✡ 31.3.1943 in Auschwitz
Mutter Edith Czwiklitzer *18.12.1896 in Guben; ✡ März 1943 in Auschwitz
Geschwister keine
Beruf Landwirtschaftlicher Volontär; Schmied
Adressen Guben; Berlin; Luckenwalde; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1938 Wolfgang Leubuscher als Lehrling bei der Firma Kellermann in Ahrensdorf
Er wohnt im Haus der ehemaligen Synagoge in der Carlstraße 38, zusammen mit Malwine Rosenthal (1852-1942)
Novemberpogrom
10.11.1938 Verhaftung von Wolfgang Leubuscher, Kurt Lewy (*1.9.1909) und Werner Goldstein (*26.3.1920) sowie zehn weiteren jüdischen Männern in Luckenwalde


Inhaftierung im KL Sachsenhausen, Block 19; Häftlingsnummer 13154;

23.12.1938 Entlassung zusammen mit Kurt Lewy und Werner Goldstein (13146) aus dem KL Sachsenhausen

13.2.1939 Wolfgang Leubuscher zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen
Februar 1939 Werner Goldstein und Kurt Lewy nach England
17.5.1939 beide Eltern in Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 7 bei der Minderheitenzählung
Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Auflösung des Werkdorp
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
26.5.1941 Adresse in Amsterdam, Postjeskade 215 bei Pelz
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Zweite große Razzia in Amsterdam
14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle
Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.
11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“
11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl
Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:
„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten zur „Sonderbehandlung“ in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941
Berlin – Auschwitz
1.3.1943 Mutter Edith auf dem 31. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
6.3.1943 Vater Adolf auf dem 35. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
31.3.1943 Tod des Vaters in Auschwitz
Gedenken
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de524342
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1102252
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1102341
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4092118
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5150790
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212783
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212374
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Leubuscher%22%7D
https://www.joodsmonument.nl/en/page/226435/wolfgang-leubuscher
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer