Sieskind Lore

Leonore „Teuntje“ Sieskind

*9.11.1920 in Berlin; ✡ ?

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Eduard Herz Sieskind *17.7.1886 in Berlin; ✡ 1977 in Israel

Mutter Hanna Lindemann *85.1886 in Konitz; ✡ 1958 in Israel

Geschwister keine

Beruf Landarbeiterin; Kinderpflegerin

Adressen Berlin; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam, Tolstraat 128 a, Afrikanerplein 28

Heirat 1946 Max Zimels *1911 in Königsberg

Kinder

Chanah Zimels *24.10.1951

Michal Zimels *29.8.1953

Weiterer Lebensweg

Besuch der Volksschule und der Oberrealschule in Berlin, vermutlich die Kleistschule in Berlin NW 57, Levetzowstraße 3-5 (Im Treppenhaus ist eine Gedenktafel angebracht mit der Inschrift: „Zur Erinnerung an die 269 jüdischen Schülerinnen der Kleistschule und die 421 jüdischen Schüler der Kirschner-Oberrealschule.)

1932 Mitglied in der zionistischen Jugendgruppe „Werkleute“/Hashomer Hatzair

Das „Wolff-Seminar“ für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen

April 1937 Umzug des Seminars in eine große Villa Wangenheimstraße 36

Juli 1938 Gründerin Lina Wolff gibt die Seminarleitung an die in „Mischehe“ lebende Nichtjüdin Margarethe Fraenkel ab.

Lore Sieskind zur Ausbildung als Kindergärtnerin in „Dr. Fraenkels Internat für jüdische Mädchen“ in der Wangenheimstraße 36, die einzige noch offene derartige Einrichtung zur Kindergärtnerinnen-Ausbildung in Berlin

Besuch des Kindergärtnerinnenseminars bis zur Emigration

17.5.1939 Lore mit den Eltern in Berlin, Tile Wardenbergstraße 6 bei der Minderheitenzählung

16.6.1939 abgemeldet zur Emigration

Werkdorp Nieuwe Sluis

21.6.1939 Lore Sieskind zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande.

Die Schlichim (Plural von Schaliach) aus Palästina mit ihrem Britischen Pässen wurden als „feindliche Ausländer“ verhaftet (Uri Koch, Mosche Katznelson, Zwi Kuttner).

Im Werkdorg gehört sie zu einer Gruppe internationalistischer, sozialistischer Zionisten (Kurt Hannemann, Schuschu Simon, Hans Bandmann, Susi Hermann)

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Lore Sieskind wohnt im Beth Chaluz in der Oosterparstraat.

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Lore Sieskind abgemeldet nach Amsterdam, Minervalaan

Juli 1941-August 1942 Kinderpflegeschülerin in der „Creche“, Waisenheim gegenüber der „Hollandsche Schouwburg“ (Sammellager), ursprünglich nur zur Tagespflege

September 1941 in die Tolstraat 128, dort befand sich die Hechaluz-Zentrale /Beth Chaluz

Dritte Große Amsterdam Razzia – Erster großer Massentransport aus den Niederlanden

5.7.1942 die ersten Aufrufe Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden. Damals bestand beim Hechaluz noch die Auffassung man solle sich deportieren lassen, in der irrigen Annahme, es handele sich um Arbeitseinsätze

15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia  werden viele Chaluzim verhaftet und nach Hooghalen deportiert; 7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen

Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.

15.7.-17.7.1942 erster großer Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz

2.9.1942 Verhaftung aller Chaluzim im Beth Chaluz in der Tolstraat 128 bis auf Lore Sieskind wegen Gelbsucht und Gideon Drach, der sich verstecken konnte.

3.9.1942 Alle nur registriert im Durchgangslager Westerbork

4.9.1942 Deportation nach Auschwitz

August 1942 bis März 1943 Hauswirtschafterin im Beth Chaluz

Merkas des Hechaluz (Horst Hauptmann, Abram Pijer, Kurt Hannemann, Schuschu Simon, Sekretärin Adina von Coevorden)

März 1943 Nach Auflösung des Beth Chaluz zum Ehepaar Durlacher am Afrikanerplein 28

Ihre erste Versteckadresse ist das Ehepaar Frans und Henny Gerritsen in Haarlem.

Oktober 1943 Verhaftung bei einem fehlgeschlagenem Treffen mit Dirk Kroon-Maja in Haarlem

Verbringung in das Sammellager „Hollandsche Schouwburg“, aus dem sie befreit werden kann.

Oktober 1943 nach Brüssel, Belgien geschleust von Joop Westerweel

9.11.1943 ab Brüssel mit Max Windmüller und Ernst Hirsch nach Paris; in Biville führt sie für 8 illegale Chawerim auf Baustellen der OT den Haushalt (u.a. Walter Dreyfuss, Ernst Röttgen)

Pyrenäen-Passage

Mai 1944 nachdem in Paris verschiedene Chaluzim des Netzwerk Westerweel verhaftet worden waren, geht er auf Anraten der Gruppe Cor nach Bordeaux. Dort trifft den ebenfalls auf den Transfer über die Pyrenäen wartenden Benjamin Hermann. Sie müssen sich dem militärischen Arm des „revisionischen“ Untergrunds mit hochdramatischem Aufnahmeritual und Schwur anschließen.

25.7.1944 Der Übergang über die Pyrenäen gelingt erst im vierten Anlauf. Zur Gruppe gehören neben 25 Franzosen 13 Chawerim aus den Niederlanden: Fiet AndriessenBetty Britz, Lodi Cohen und Lilo Spiegel (-Cohen), Heinz Durlacher und Ruth Durlacher, Emil Glücker, Ludi Goldwein, Benjamin Jürgen Hermann, Rivka Roos, Lore Süsskind, Betteke Tal und Flora de Vries.

Nach dem Übergang in Internierung in Lerida und noch im Juli nach Barcelona

27.9.1944 Ausstellung des Identity Certificate in der britischen Botschaft in Barcelona

Alija auf der SS GUINEE

Oktober 1944 erhielten die Palästina-Pioniere in Spanien von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina. 

55 Hechaluz Mitglieder gingen am 27. Oktober 1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

27.10.-4.11.1944 Lore Süsskind mit Arbeiter-Zertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS von Cadiz nach Haifa; Internierung im britischen Camp Athlit

14.11.1944 Entlassung der Chaluzim aus dem britischen Camp Athlit

Gedenken

Quellen

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Testimonies of Lore Sieskind

http://www.kfarszold.co.il/viewpage.asp?

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Sieskind%22%7D

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/ad

ttps://collections.arolsen-archives.org/de/document/130373429

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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