
Erwin Julius Cohn
*9.6.1923 in Hamburg; ✡ 25.8.1941 Mauthausen
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch

Vater Max Cohn *14.2.1891 in Hamburg; ✡ Mai 1942 in Kulmhof
Mutter Selma Sonn *13.10.1891; ✡17.2.1927 in Hamburg

Stiefmutter Gretchen Magnus *5.7.1897 in Hamburg; ✡ Mai 1942 in Kulmhof

Onkel Alfred Cohn *24.5.1892 in Hamburg; ✡1978 Hamburg (überlebt in privilegierter Mischehe mit Claire Fahle)
Tante Minna Cohn *18.10.1889 in Hamburg; ✡ 22.5.1981 in ASD; oo Marcus Spijer (1890-1943)
Cousine Annelie Cohn *27.10.1932 in Frankfurt
Geschwister

Erika „Lotti“ Cohn *26.2.1922 in Hamburg; ✡ 5.6.1910
Beruf Klempner
Adressen Hamburg; Amsterdam,
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
17.5.1939 Vater Max mit Frau Gretchen in Hamburg, Klosterstern, Isestraße 85 bei der Minderheitenzählung
Februar 1938 Flucht von Hamburg nach Amsterdam zu seiner Tante Minna Spijer -Cohn,
Novemberpogrom
10.11.1938 Vater Max Cohn in Hamburg verhaftet
Einweisung als Aktionshäftling in das KL Sachsenhausen, Block 19, Häftlingsnummer 8421

6.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Sachsenhausen; er besucht noch seinen in Berlin in Mischehe lebenden Bruder Alfred, um ihm von den traumatischen Erlebnissen im KL zu berichten.

24.1.1939 Erwin Cohn wohnt bei Tante Minna in Amsterdam, Waalstraat 2;

Tante Minna arbeitet als vereidigte Übersetzerin, später als Sekrtärin für den Joodsche Raad; 1943 taucht sie unter; sie überlebt im Versteck.
13.6.1939 Schwester Lotti auf dem Bremer-Kindertransport mit der SS EUROPA II nach Southampton, England
10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande.
10.1.1941 Beginn der systematischen Registrierung der Juden in den Niederlanden
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam
14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle
Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.
11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“
11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.
Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl
Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:
„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

25.8.1941 Tod von Erwin Cohn Mauthausen, „auf der Flucht erschossen“
Ghetto Lodz – Kulmhof
25.10.1941 Max und Gretchen Cohn von Hamburg ins Ghetto Lodz; sie wohnen dort Kühle Gasse 14/38
10.5.1942 Vater Max und seine zweite Frau Gretchen aus dem Ghetto Lodz deportiert in das Vernichtungslager Kulmhof
Gedenken
Stolpersteine für Erwin und seinen Vater Max Cohn in Hamburg, Isestraße 85
Pages of Testimony
Grabstein für die Mutter Selma auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf, Hamburg
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131537507
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4093967
http://www.stolpersteine-hamburg.de/index.php?MAIN_ID=7&BIO_ID=1512
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Erwin%20Cohn%22%7D
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Minna%20Cohn%22%7D
Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999
https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer