Ernst Friede
*11.4.1923 in Dortmund; ✡21.8.1993 in Eskilstuna
deutsch
Religion jüdisch
Vater Walter Friede *21.1.1885 Bocholt; ✡1942/43 in Riga
Mutter Martha Schickler * 29.12.1895 Elberfeld; ✡18.12.1944 Stutthof
Onkel Julius Nussbaum *5.9.1886 in Neukirchen; ✡nach dem 28.4.1942 in Zamosc
Tante Meta Friede *24.3.1889 in Dortmund; ✡nach dem 28.4.1942 in Zamosc
Geschwister
Cläre Friede *7.4.1924 in Dortmund; ✡1944 KL Stutthof
Cousin/en
Ilse Nussbaum * 10.6.1915 in Dortmund; ✡17.8.2013 Moshav Moledet, Israel
Margot Nussbaum*1.8.1920 in Dortmund; 30.12.2016 in Kirjat Yam, OO Heinz Freund
Günter Nussbaum *11.12.1924 in Dortmund; ✡ Oktober 1943 Öresund,Dänemark
Adressen Dortmund, Ostenhellweg 41; Groß Breesen; Stockholm
Heirat Ulla Torssander *16.11.1929 in Stora Malma; 6.5.2008
Kinder drei
Weiterer Lebensweg
Novemberpogrom
10.11.1938 Vater Walter verhaftet in Dortmund, Gefängnis Steinwache
12.11.1938 Bahntransport in das KL Sachsenhausen
22.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Sachsenhausen
Überseegruppenwanderer Lehrgut Groß Breesen
1938 Ernst Friede zur Umschulung ins Überseeauswanderer Lager Groß Breesen
Mai 1936 Eröffnung des nichtzionistischen Übersee-Gruppenwanderer Lehrgutes Groß Breesen; im Gegensatz zu anderen Lagern ist Groß Breesen nicht an jüdische Organisationen gebunden, war jedoch stark geprägt vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V., assimiliert, liberal, national)
1936-1939 Curt „Bo“ Bondy Lagerleiter und pädagogischer Leiter, auf Bitten von Leo Baeck; von vielen ‚Groß-Breesenern‘ wurde er als charismatische Persönlichkeit, der sie viel zu verdanken haben, verehrt. Unterstützt wurde er von Ernst Cramer, einem älteren Praktikanten.
Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildung war Oberinspektor Erwin Scheier, dessen Frau Ruth oblag die Hauswirtschaft, Tischlermeister Max Kiwi die Schreinerei.
10.11.1938Überfall der SA auf den Hof in Groß Breesen, alle über 18-Jährigen Männer werden mit einem Bus abgeführt und ins KL Buchenwald gebracht, auch Curt Bondy, der als Homosexueller besonders gefährdet war; die Frauen und Ernst Friede mit den Jungen bleiben auf dem Hof zurück.
Scheier wird als Verwalter abgelöst von Dingethal, der wiederum wegen Fronteinsatz von Inspektor Hildebrandt: Nachfolger von Bondy wird Walter Bernstein.
17.5.1939 bei Minderheitenzählung
1939 Ernst Friede emigriert nach Schweden
20.9.1939 Ernst Friede mit Hans Helmut van Rheinberg in Utländska Undersåtar, Västerhaninge
1940 bei schwedischem Census mit einer Gruppe von Chaluzim in Fogelstad, Julita, Södermanlands
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1939 Cousin Günter Nussbaum zur Hachschara auf Schniebinchen
Minderheitenzählung
17.5.1939 CousinGünter Nussbaum registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen
17.5.1939 der Eltern und Schwester Kläre Friede in Dortmund, Ostenhellweg 41
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
Dänemark
1939 Emigration nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen
Ausnahmezustand in Dänemark 1943
9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943
5.11.1940 Fritz Günter Nussbaum bei Familie Sahlholdt in Gjellerup, Hammerum, Ringkøbing bei dänischem Census
29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen
17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark
September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark
„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.
28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.
Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.
Oktober 1943 Günter Nussbaum ertrunken bei der Überfahrt über den Öresund
Ghetto Riga
Mitte Jan. 1942 Deportationsbefehl der Gestapo, sich am 25.1.1942 im Sammellager Saal der Gaststätte Zur Börse am HBF Dortmund einzufinden
27.1.1942 Transport der Eltern und Schwester Kläre Friede von Dortmund nach Riga
1.2.1942 Ankunft am Güterbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga
21.6.1943 Befehl des Reichsführers SS Heinrich Himmler, alle jüdischen Ghettos im Reichskommissariat Ostland, Estland, Lettland, Litauen und Teile Weißrusslands, aufzulösen und die Juden zu Arbeitseinsätzen heranzuziehen.
Juli bis 2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung; Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer
3. November 1943 Auflösung des Ghetto Riga
Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga
Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof, darunter noch 14 Juden aus Moers
6.8.-9.8.1944 1. Großer Transport mit der „Bremerhaven“ von Riga nach Danzig
9.8.1944 Ankunft der Mutter Martha und Schwester Kläre im KL Stutthof
Zamosc
27.4.1942 Onkel Julius und Meta Nussbaum von der Gestapo aus der Wohnung geholt
28.4.1942 Deportation in die Turnhalle des Sportvereins „Eintracht“ in Dortmund
30.4.1942 Deportation von 791 Juden vom Sammellager zum Dortmunder Südbahnhof am Heiligen Weg deportiert nach Zamosc; ebenfalls die Verwandten Siegmund und Johanne Nussbaum
3.5.1942 Ankunft in Zamosc
16.10.1942 Auflösung des Ghetto Zamosc; alle Bewohner ins Ghetto Izbica; von dort in die Vernichtungslager Sobibor und Belzec
Tod nach dem 3.5.1942, Ort und Datum des Todes unbekannt
Gedenken
19.10.2005 Acht Stolpersteine für Walter Friede, dessen Frau Martha und Kinder Ernst und Kläre sowie für Günter Nussbaum, seine Eltern und Schwester Margot in Dortmund, Ostenhellweg 41
Pages of Testimony für die Familie Nussbaum von Schwester Margot Freund
Pages of Testimony für die Familie Nussbaum von Cousine Marianne Löllbach
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de870025
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de870093
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de869965
Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008
Ralf Piorr, Peter Witte (Hg.) Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942; Klartext, Essen 2012
Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Uppgift_Nussbaum__David.pdf
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage