Stern Gottfried

Gottfried Artur Stern

*5.10.1920 in Frankfurt; ✡20.6.2011 in Omer, Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Willy Stern *27.2.1890 in Frankfurt; ✡September 1942 in Raasiku

Heirat der Eltern 9.11.1914 in Frankfurt

Mutter Hermine Wagenknecht *23.6.1891 in Frankfurt; ✡1926 Frankfurt

Stiefmutter Hildegard Tarrasch *1.11.1896 in Weyersheim; ✡September 1942 in Raasiku

Geschwister

Walter Stern *15.2.1923; ✡18.2.1997 USA

Beruf Schreiner

Adressen Frankfurt; Malmö; Lund, Schweden; Israel

Heirat 24.12.1940 in Malmö Lotte Lieselotte Brigitte Prager *9.7.1922 in Köln; ✡13.1.1997 in Omer, Israel

Kinder

Noemi Else Stern *10.6.1945 in Lund; oo Ivri-Ani

Weiterer Lebensweg

21.8.1928 zweite Ehe des Vaters mitHilde Tarrasch

Novemberpogrom in Frankfurt

10.11.1938 Verhaftung von Gottfried Stern in Frankfurt

11.11.1938 Anordnung der „Schutzhaft“

13.11.1938 Einweisung in das KL Buchenwald; Häftlingsnummer 29375

4.1.1939 Entlassung aus dem KL Buchenwald

Landwerk Halbe

Lotte Prager und Gottfried Stern zur Hachschara im Landwerk Halbe

Landwerk Halbe Jüdische Mustersiedlung und Landerziehungsheim Halbe (1919-1926) und Landwerk Halbe (1934-1938) für die Mittlere Hachschara (14-17 Jahre); Träger Makkabi; wie auch Ahrensdorf und Freienstein; Leiter Friedrich Perlstein

Das zweigeschossige Hauptgebäude verfügte im Erdgeschoss über einen Speisesaal für ca. 60 Personen, die Küche und den Schlafsaal der Mädchen, im Obergeschoss befanden sich Schlafräume und ein Waschraum. Das Haus auf der anderen Straßenseite beherbergte das Büro und Perlsteins Wohnung. In einer weiteren Baracke wohnten die „Umschichtler“ der „Älteren-Hachschara“. Die Felder mit den Ställen waren über einen Kilometer entfernt.

1938 wirkte Alex Moch an der ersten Abschlussprüfung im jüdischen Landwerk Halbe (Brandenburg) mit, gemeinsam mit dessen Leiter Friedrich Perlstein sowie Martin Gerson, dem Leiter der Hachschara Ausbildungsstätte Gut Winkel in Brandenburg, die beide Diplom-Landwirte waren. Die neun Lehrlinge aus dem Jugendbund Makkabi Hazair hatten nach ihrer zweijährigen Ausbildung in Halbe eine schriftliche Klausurarbeit zu verfassen, ein Fachtagebuch vorzulegen, ihre praktischen Fertigkeiten in Acker- und Pflanzenbau, Viehhaltung, Obst- und Gemüsebau nachzuweisen, und wurden mündlich in Bodenkunde, Düngung, Botanik, Pflanzenschutz sowie betriebswirtschaftlichen Kenntnissen geprüft.

Novemberpogrom in Halbe

Zu den überfallenen Ausbildungsorten gehörten Ellguth/Schlesien, Freienstein/Pommern, der Gehringshof bei Fulda, Groß-Breesen/Schlesien, Grüsen bei Frankenberg, Neuendorf bei Fürstenwalde, das Landwerk Halbe/ Brandenburg, „Jom Tow“ Silingthal/Schlesien, Halberstadt, Jägerslust bei Flensburg, Bomsdorf/Krs.Bitterfeld und Sennfeld/Baden. Hachschara-Stätten wie Urfeld bei Köln, Polenzwerder, der Brüderhof bei Hamburg, der Kibbuz Westerbeck in Westfalen und Einrichtungen wie das Jüdische Jugendheim Essen, das auch für Ausbildungszwecke genutzt werden musste, waren ebenfalls betroffen.

10.11.1938 Novemberpogrom in Halbe; Diplomlandwirt Friedrich Perlstein ist Leiter des Landwerks

Perlstein dazu in einem Brief an das Ausgleichsamt des Kreises Bergstraße vom 7. 2. 1973:

„Am 9. November 1938 erschienen Lastautos, gefüllt mit schwarz uniformierten Sturmtruppen. Sie stürmten in die Gebäude und befahlen uns hinter dem Gebäude anzutreten. Es war stock dunkel und wir wurden mit starken Scheinwerfern geblendet. Untermischt mit Schimpfwörtern wurde uns erklärt, dass wir erschossen würden, aber vor der Hinrichtung sollten wir zusehen, wie sie das ‚Judennest‘ vollständig zerstören würden. Sie stahlen, was sie für sich haben wollten und zertrümmerten alles was in bestialischer Weise zerstört werden konnte.
Zum Schluss gaben sie den Befehl das Landwerk Halbe zu verlassen und erklärten mit grausamen Drohungen, dass sie morgen zurückkommen würden, um sich zu versichern, dass ihr Befehl ausgeführt wurde. Dann bestiegen sie ihre Lastwagen und verschwanden in der Nacht. Das war das Ende des Landwerk Halbe.“

Alija

24.3.1940 Ankunft von Bruder Walter Stern in Haifa mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

Raasiku

24.9.1942 Vater Willy und Stiefmutter Hildegard auf dem Transport ab Frankfurt nach Raasiku

26.9.1942 Anschluß an den vom Verladebahnhof Moabit abgehenden 20. Berliner Osttransport nach Raasiku in Estland

Emigration nach Schweden

Frühjahr 1939 das Londoner Büro der „Youth Aliyah“ überträgt Eva Warburg die Leitung der Jugend Alijah i Sverige mit Sitz in Stockholm

Juni 1939 wurde der alte Gutshof Hälsinggården in Korsnäs in Nordschweden bei Falun als Jugendalijah-Hof für die mittlere Hachschara (15-17 Jahre) in Trägerschaft der »Stiftung für Landwirtschaftsausbildung« eröffnet

1939/40 Flucht von Lotte Prager und Gottfried Stern nach Schweden

24.12.1940 Heirat von Lotte Prager und Gottfried Stern in Malmö

28.11.1941-12.5.1942 Gottfried Stern in Svalöf, Malmöhus, Skåne

25.7.1946-22.8.1946 Lotte, Gottfried und Noemi Stern in Filborna, Malmöhus

Nachkriegszeit

Oktober 1945 Lotte, Gottfried und Noemi Stern auf der Mitgliederliste des Hechaluz Schweden, „Alte Chaluzim“

1960 Einwanderung nach Israel

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/3-1-1-3_1211000?s=1211000

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/78777793

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420924-12.jpg

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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