Kalkstein Luisa

Liesel Luisa Kalkstein, auch Tepich

*31.3.1917 in Barmen

Staatsangehörigkeit  polnisch

Religion jüdisch

Vater Abraham Kalkstein *10/1881; ✡22.2.1935

Mutter Klara Laufer; ✡ ?

Geschwister

Jacob Kalkstein *11.10.1913 in Elberfeld; ✡26.12.1998 in La Jolla San Diego

Regina Kalkstein

Nichte

Ruth Kalkstein *2.10.1929 in Barmen

Beruf Hausangestellte; Praktikantin

Adressen Barmen; Wuppertal Elberfeld, Kaiser-Wilhelm-Allee;

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Die Familie Kalkstein stammt aus Mehlsack, Marienburg Westpreußen

Führerkursus 15.-26.4.1936 in Gut Winkel

Luise Kalkstein auf der Gestapoliste des vom Makkabi Hazair im Gut Winkel ausgerichteten Führerkursus mit 64 Teilnehmern aus Deutschland

Luise Tepich im ostjüdisch geprägten Waldstraßenviertel Leipzig in der Funkenburgstraße 10 als Hausangestellte

Landwerk Halbe

30.8.1938 Luise Kalkstein zur Hachschara ins Landwerk Halbe

Landwerk Halbe Jüdische Mustersiedlung und Landerziehungsheim Halbe (1919-1926) und Landwerk Halbe (1934-1938) für die Mittlere Hachschara (14-17 Jahre), Träger Makkabi; wie auch Ahrensdorf und Freienstein; Leiter Friedrich Perlstein

Das zweigeschossige Hauptgebäude verfügte im Erdgeschoss über einen Speisesaal für ca. 60 Personen, die Küche und den Schlafsaal der Mädchen, im Obergeschoss befanden sich Schlafräume und ein Waschraum. Das Haus auf der anderen Straßenseite beherbergte das Büro und Perlsteins Wohnung. In einer weiteren Baracke wohnten die „Umschichtler“ der „Älteren-Hachschara“. Die Felder mit den Ställen waren über einen Kilometer entfernt.

1938 wirkte Alex Moch an der ersten Abschlussprüfung im jüdischen Landwerk Halbe (Brandenburg) mit, gemeinsam mit dessen Leiter Friedrich Perlstein sowie Martin Gerson, dem Leiter der Hachschara Ausbildungsstätte Gut Winkel in Brandenburg, die beide Diplom-Landwirte waren. Die neun Lehrlinge aus dem Jugendbund Makkabi Hazair hatten nach ihrer zweijährigen Ausbildung in Halbe eine schriftliche Klausurarbeit zu verfassen, ein Fachtagebuch vorzulegen, ihre praktischen Fertigkeiten in Acker- und Pflanzenbau, Viehhaltung, Obst- und Gemüsebau nachzuweisen, und wurden mündlich in Bodenkunde, Düngung, Botanik, Pflanzenschutz sowie betriebswirtschaftlichen Kenntnissen geprüft.

21.10.1938 Bearbeitung der Aufenthaltserlaubnis

Bei der Polenaktion am 28.10.1938 scheint Halbe ausgespart worden zu sein

Novemberpogrom in Halbe

Zu den überfallenen Ausbildungsorten gehörten Ellguth/Schlesien, Freienstein/Pommern, der Gehringshof bei Fulda, Groß-Breesen/Schlesien, Grüsen bei Frankenberg, Neuendorf bei Fürstenwalde, das Landwerk Halbe/ Brandenburg, „Jom Tow“ Silingthal/Schlesien, Halberstadt, Jägerslust bei Flensburg, Bomsdorf/Krs.Bitterfeld und Sennfeld/Baden. Hachschara-Stätten wie Urfeld bei Köln, Polenzwerder, der Brüderhof bei Hamburg, der Kibbuz Westerbeck in Westfalen und Einrichtungen wie das Jüdische Jugendheim Essen, das auch für Ausbildungszwecke genutzt werden musste, waren ebenfalls betroffen.

10.11.1938 Novemberpogrom in Halbe; Diplomlandwirt Friedrich Perlstein ist Leiter des Landwerks

Perlstein dazu in einem Brief an das Ausgleichsamt des Kreises Bergstraße vom 7. 2. 1973:

„Am 9. November 1938 erschienen Lastautos, gefüllt mit schwarz uniformierten Sturmtruppen. Sie stürmten in die Gebäude und befahlen uns hinter dem Gebäude anzutreten. Es war stock dunkel und wir wurden mit starken Scheinwerfern geblendet. Untermischt mit Schimpfwörtern wurde uns erklärt, dass wir erschossen würden, aber vor der Hinrichtung sollten wir zusehen, wie sie das ‚Judennest‘ vollständig zerstören würden. Sie stahlen, was sie für sich haben wollten und zertrümmerten alles was in bestialischer Weise zerstört werden konnte.
Zum Schluss gaben sie den Befehl das Landwerk Halbe zu verlassen und erklärten mit grausamen Drohungen, dass sie morgen zurückkommen würden, um sich zu versichern, dass ihr Befehl ausgeführt wurde. Dann bestiegen sie ihre Lastwagen und verschwanden in der Nacht. Das war das Ende des Landwerk Halbe.“

14.11.1938 Bearbeitung der Aufenthaltserlaubnis

Nach 1938 keine weiteren Daten zu Luisa Tepich-Kalkstein

Ruth Kalkstein in Neu-Isenburg

15.10.1931 Ruth Kalkstein mit zwei Jahren in das Jüdische Frauen und Waisenheim in Neu-Isenburg

30.9.1938 Verlegung nach Braunfels (Waisenheim St. Georger Hof?

Verlegung in das jüdische Waisenheim in Köln, St. Apernstraße 29.-1931

Die Massenerschießung des Kölner Transportes im Wald von Blagowtschina

„Wir kehren wieder“, sangen die Kleinen aus dem jüdischen Kinderheim

20.7.1942 Abfahrt vom Nebenbahnhof Deutz in 3. Klasse-Personenwagen; auf dem Transport befanden sich 1164 Juden, darunter 118 Kinder im Alter unter zehn Jahren.

Die Opfer wurden zumeist im nahegelegenen Wald von Blagowschtschina und ab 1943 im Wald von Schaschkowka erschossen oder vergast, ohne zuvor im Lager selbst gewesen zu sein.

24.7.1942 Nach Ankunft wurde der gesamte Transport auf LKW zu einer, zuvor von russischen Kriegsgefangenen und Minsker Juden ausgehobenen, 40x5x4 Meter großen Grube im Wald von Blagowschtschina gefahren. SS-Leute und Polizisten erschossen alle direkt am Grubenrand.

24.7.1942 Tod der Nichte Ruth Kalkstein im Wald von Blagowschtschina

„Morgens bestiegen sie Abteilwagen der Reichsbahn, „Holzklasse“ mit beidseitig 5 Einsteigetüren, begleitet und bewacht von einem Polizeioffizier mit 15 Mann. Um 15 Uhr verließ der Zug Köln. Das Ziel hieß „Osten -Arbeitseinsatz“. Die Stimmung war geteilt. Gegenüber den, nichts Gutes ahnenden Älteren ab 50, glaubten die Jungen, bald wieder arbeiten zu können. „Endlich raus aus dem Bomben-Köln“. „Wir kehren wieder“, sangen die Kleinen aus dem jüdischen Kinderheim. Die Reise aber wurde immer beschwerlicher, insbesondere für die 11, noch nicht einjährigen Kinder und die 21 Alten über 70. Neben der fehlenden Nahrung, dann noch der Umstieg in Güterwagen und das 19-stündige Warten auf dem Abstellgleis vor Minsk in der Sommerhitze. Endlich, frühmorgens 6.15 h die Ankunft und das Verlassen des Zuges in Maly Trostinez. Danach, alles ohne barsche Befehle und Geschrei, folgte eine fast freundliche Begrüßung durch einen SS-Offizier. Er fragte nach Spezialisten und teilte etwa 20 zur Arbeit ab. Die Übrigen sollten das Gepäck abgestellt lassen, um zunächst mit den bereitstehenden Fahrzeugen zu den, hinter dem Wald liegenden Unterkunft- und Arbeitsbaracken gefahren zu werden.
Doch deren Fahrt ging in das Wäldchen, an eine, zuvor von russischen Kriegsgefangenen und Minsker Juden ausgehobene 40x5x4 Meter große Grube. Dort lauerte der Tod in Gestalt bewaffneter SS-Leute und Polizisten. Sie erschossen alle, die auf normalen Lastwagen eintrafen direkt am Grubenrand, während die anderen in den als Wohnwagen getarnten LKw’s qualvoll in eingeleiteten Motorabgasen sterben mussten.

Gedenken

24.6.1999 Page of Testimony für Ruth Kalkstein von Alex Salm,Köln

Grabstein für Abraham Kalkstein Jüd. Friedhof Am Weinberg, Wuppertal

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1398422

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11208402

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129830797

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://gedenkbuch.neu-isenburg.de/namen/kalkstein-ruth

http://www.tenhumbergreinhard.de/transportliste-der-deportierten/bericht-transport/transport-20071942-koeln.html

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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