Hans Walther Chanan Flörsheim
*2.4.1923 in Rotenburg; ✡ 23.12.2017 in Israel
Staatsangehörigkeit –
Religion jüdisch
Vater Julius Josef Flörsheim *7.12.1883 in Rotenburg; ✡11.12.1941 KL Sachenhausen
Heirat der Eltern 6.1.1920
Mutter Paula Katzenstein *9.11.1889 in Rotenburg; ✡ Juli 1944 Riga Kaiserwald
Großeltern Baruch Flörsheim und Karoline Neuhaus
Geschwister
Edith Dita Flörsheim *7.1.1925 in Kassel; oo Williams
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant
Adressen Rotenburg, Fulda; Leipzig, Weinligstraße 11; Amsterdam Dongestraat 1; Gouda
Heirat Miriam Halpern *8.1.1932; ✡19.3.2012
Kinder vier
Weiterer Lebensweg
Umzug der Familie nach Leipzig, Weinligstraße 11

9.5.1937 Hans Flörsheim von Leipzig abgemeldet nach Amsterdam; er wohnt bei Verwandten in der Dongestraat 1
Drei Jahre HBS in Amsterdam
Novemberpogrom
10.11.1938 Vater in Leipzig verhaftet
12.11.1938 Einweisung in das KL Buchenwald
Dezember 1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Buchenwald
Minderheitenzählung
17.5.1939 beide Eltern und Schwester Edith in Leipzig, Weinligstraße 11
Kindertransport
24.7.1939 Schwester Edith auf Kindertransport über Berlin, Bentheim Hoek van Holland nach Harwich
Werkdorp Nieuwe Sluis
1940 Hans Flörsheim zur Hachschara ins Werkdorp
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Centraal Tehuis Gouda
Juni 1941 Hans Flörsheim als Laufbursche/Hausknecht angestellt im Centraal Tehuis v. Israelieten in Gouda (Alten- und Pflegeheim)
Onderduiker
Durch eine vom Krankenhaus Gouda angeordnete Quarantäne wegen einzelner stationär behandelter Durchfallerkrankungen als Ausdruck einer Dysenterieendemie im Lager können die für April vorgesehenen Deportationen noch für acht Wochen aufgehalten werden. Shoshana Litten sucht entgegen der Anweisung der Vorstandsvorsitzenden für die Chaluzim Versteckplätze. Daraufhin tauchen viele unter.
Kurt Hannemann und Norbert Klein verschaffen ihm gefälschte ID-Papiere, er arbeitet aber im Altenheim weiter
9.4.1943 Razzia in Gouda; Räumung des Centraal Tehuis; Hans Flörsheim entgeht den Verhaftungen
April.43 Anordnung für alle verbliebenen Juden in Gouda, sich bis zum 23.4.1943 in das KL Vught zu begeben.
(Über die Illegalität in Gouda und Frankreich hat Hans Flörsheim einen ausführlichen Bericht geschrieben; online im GFH-Archive)
Pyrenäen-Passage
25.7.1944 Der Übergang über die Pyrenäen gelingt erst im vierten Anlauf. Zur Gruppe gehören neben 25 Franzosen 13 Chawerim aus den Niederlanden: Fiet Andriessen, Betty Britz, Lodi Cohen und Lilo Spiegel (-Cohen), Heinz Durlacher und Ruth Durlacher, Emil Glücker, Ludi Goldwein, Benjamin Jürgen Hermann, Rivka Roos, Lore Süsskind, Betteke Tal und Flora de Vries.
Nach dem Übergang nach Barcelona
28.9.1944 Ausstellung eines ID-Zertifikates in Barcelona mit gefälschtem Geburtsjahrgang, da die Erwachsenen im Camp Lerida interniert wurden
Alija auf der SS GUINEE
Oktober 1944 erhielten die Palästina-Pioniere in Spanien von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina.
55 Hechaluz Mitglieder gingen am 27. Oktober 1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.
Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina
27.10.-4.11.1944 Hans Flörsheim mit Arbeiter-Zertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS von Cadiz nach Haifa; Internierung im britischen Camp Athlit
14.11.1944 Entlassung der Chaluzim aus dem britischen Camp Athlit
14.11.1944 Ankunft in Haifa
KL Sachsenhausen
1940 Vater Julius im Gefängnis Waldheim
10.6.1941-29.7.1941 Vater Julius im Polizeigefängnis Leipzig
29.7.1941 Vater in „Schutzhaft“ im KL Sachsenhausen
25.10.1941 Vater Julius als Zugang im Krankenbau registriert
10.12.1941 Tod des Vaters Julius Flörsheim in Sachsenhausen
Ghetto Riga

21.1.1942 Mutter Paula auf dem Transport von Leipzig nach Riga
Juli 1944 Tod der Mutter Paula im KL Kaiserwald
Nachkriegszeit
3.7.1947 Einbürgerung in Palästina
16.8.1964 Rede bei der Konferenz „Dutch Pioneers in Underground“ in Jakum
Kibbuz Jakum
Gedenken
–
Quellen
https://www.myheritage.de/research
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420121-Leipzig4a.jpg
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5058528
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129819330
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129822285
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130286064
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4089581
Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, Fries Film Archief Leeuwarden, 2020
Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020
Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002
Hannelore Grünberg-Klein, Zolang er nog tranen zijn, Nijgh & Van Ditmar, 2015
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.gfh.org.il/eng/Archive
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947