Ida Judith Rülf
*21.5.1909 in Holzhausen, Marburg; ✡ 10.11.2007 Mikveh Israel, Holon
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Israel Gutmann Rülf *1877in Holzhausen; ✡ ? in Brasilien
Mutter Hanna Hannchen Kahn *8.8.1877 in Kleinbardorf, Königshofen, Bayern; ✡ 9. oder 10.11.1938 in Frankfurt
Großvater Salomon Rülf *23.4.1843 in Rauischholzhausen; 21.6.1914 in Marburg
Großmutter Sara Gansenheu
Tante Auguste Metzger geb. Rülf *22.3.1873 in Holzhausen; ✡ 9.7.1943 Sobibor; oo Sali Metzger
Bedeutende Mitglieder der Familie Rülf/ Verwandte aus (Rauisch-) Holzhausen
Großonkel Jomtov Gutmann Rülf *3.12.1851; ✡17.12.1915; Landesrabbiner von Braunschweig

Großcousin Rabbi Friedrich Schlomo Rülf *13.5.1896 in Braunschweig; ✡13.8.1976 in Vevey Schweiz
Isidor Rülf *11.7.1898 in Holzhausen; ✡ 17.7.1917 in Verdun
Selma Rülf *16.5.1900 in Holzhausen; ✡ 13.4.1950 in New York
Geschwister
Norbert Rülf *1907 in Holzhausen; ✡5.5.1908
Sara Rülf *6.2.1908 in Holzhausen; ✡21.3.1908
Georg Rülf *23.11.1910 in Holzhausen; ✡ 12.5.1982 in Malmö
Gertrud Rülf *3.6.1912 in Holzhausen; ✡?
Hilde Rülf *1.1.1914 in Holzhausen; ✡ ?
Beruf Verkäuferin; landwirtschaftliche Praktikantin; Köchin
Adressen Holzhausen Nr.137, Marburg; Bochum; Urfeld; Mikwe, Holon Israel
Heirat 28.3.1936 in Urfeld mit Josef Bleichfeld *1911 in Köln; ✡22.2.1985 in Mikveh Israel, Holon
Kinder zwei
Weiterer Lebensweg
Ostern 1915 Einschulung von Ida Rülf in die jüdische Volksschule in Bebra
1923 bis 1926 Lehre Putzmacherin bei Geschw. Neuhaus in Herzfeld
1926 Abschluss mit der Gesellenprüfung
1926 bis 1928 bei Geschw. Froelich in Lauterbach in Hessen als Putzmacherin
Das Kaufhaus Gebr. Alsberg in Bochum

1921 eröffneten die „Gebr. Alsberg“ das erste Warenhaus Bochums mit 31 Schaufenstern und 64 Verkaufsabteilungen.
1929 bis 30.9.1933 Ida Rülf Putzmacherin und Verkäuferin bei der Firma Gebr. Alsberg

1933 wurde die Familie Alsberg zum Verkauf/Arisierung des Hauses gedrängt. Das Haus wurde 1933 umbenannt nach dem Bochumer Arzt und Dichter Karl Arnold Kortum (1745-1824); es blieb aber bis 1938 insgeheim im Besitz der Familie Alsberg. Die Warenhaus-Eigentümer Emma, Martha und Alfred Alsberg kamen nach 1941 in Konzentrationslagern um. Drei Kinder überlebten im Ausland.
September 1933 Kündigung von Ida Rülf im Kaufhaus Gebr. Alsberg
Dann zwei Monate als Aushilfe im jüdischen Kaufhaus Hess in Wattenscheid
Vermutlich wohnt sie in dieser Zeit in Herne bei ihrer Tante Auguste Metzger
Hachschara in Urfeld
Ida Judith Rülf zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof -Wesseling, Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.
Von 1933 bis 1938/39 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für ca 60 Jugendliche über 18 Jahren. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg), finanziert von dem jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.
Anfang 1938 auch mittlere Hachschara für 15–17-Jährige Chaluzim.
Heirat ca.1936 mit Josef Bleichfeld, den sie vermutlich in Urfeld kennenlernte. Hier fanden häufiger größere Treffen der Hechaluz Gruppen des Rheinlandes statt.

28.3.1936 Heirat in Urfeld mit Josef Bleichfeld
Alija Palästina
Juli 1936 Emigration aus Urfeld


13.7.1936 Ankunft von Judith und Josef Bleichfeld auf der SS PALESTINA in Haifa
Mikveh-Yisrael Agricultural Boarding School, Holon
Novemberpogrom
9.11.1938 Tod der Mutter Hanna Rülf in Frankfurt in der „Kristallnacht“
1939 Emigration des Vaters als Witwer nach Rio de Janeiro
Flucht nach Schweden
Bruder Georg gelingt die Flucht nach Schweden
Onderduiker- Kamp Westerbork – Sobibor

3.1.1939 Tante Auguste Metzger geb. Rülf mit Mann Sali und Sohn Jakob aus Herne nach Arnheim
2.2.1940 Umzug nach Amsterdam
6.4.1943 Sali Metzger eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork
18.5.1943 Sali Metzger aus Westerbork nach Sobibor
4.6.1943 Sohn Jakob Metzger vermutlich im Versteck gefasst und als Strafgefangener nach Westerbork
8.6.1943 Jakob Metzger zur Strafe auf den nächsten nach Sobibor abgehenden Transport gestellt
29.6.1943 Tante Auguste Metzger eingewiesen nach Westerbork

6.7.1943 Auguste Metzger ebenfalls zur Strafe auf den nächsten nach Sobibor abgehenden Transport gestellt
„Wiedergutmachung“
1956-1960; Bescheid für Judith Bleichfeld über die Gewährung der Entschädigungsansprüche
Gedenken
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Quellen
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB) – 07611-23
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
Friedrich Schlomo Rülf
Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22R%C3%BClf%22%7D
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130341419
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
Hubert Schneider, Die Entjudung des Wohnraums: Judenhäuser in Bochum; Münster, 2010
U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)
New Jersey Todes Index, 1920-1929, 1949-2017
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316