Otto Schwarz
*1.3.1921 in Binswangen ; ✡ 17.3.2007 in Stockholm
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Rudolf Schwarz *3.5.1887 in Binswangen; Juni 1942 Region Lublin
Mutter Helene Birnzweig *1.4.1883 in Wiesbaden; ✡ Juni 1942 Sobibor
Geschwister
Manfred Schwarz *23.2.1922 in Binswangen; ✡2.10.2012 in Schweden
Beruf
Adressen Binswangen; Wiesbaden, Friedrichstraße 33; Urfeld; Malmö; Stockholm
Heirat 4.6.1944 Eva Tuteur *3.2.1924 in Kaiserslautern; ✡ 20.8.2005 in Stockholm
Schwägerin Hannah Tuteur*23.3.1922 in Kaiserslautern; ✡ 22.11.2002 Kibbutznik, Neot Mordechai, Israel; oo Ernst Loscinsky
Kinder
Stefan Ilan Schwarz *20.10.1946
Helen Schwarz *14.1.1949
Mikael Schwarz *3.1.1962
Weiterer Lebensweg
Umzug der Familie nach Wiesbaden

Novemberpogrom
10.11.1938 Vater Rudolf Schwarz in Wiesbaden festgenommen
Einweisung von etwa 100 jüdischen Männern in das KL Buchenwald


10.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Buchenwald, Nr. 24803
November 1938 Entlassung von Otto und Manfred als Mechaniker
Minderheitenzählung
17.5.1939 Eva Tuteur mit den Eltern Eduard und Mathilde sowie Großmutter Ernestine in Mannheim L13/15
Hachschara in Urfeld

20.2.1939 Otto und Manfred zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.
Von 1933 bis 1938/39 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für ca 60 Jugendliche über 18 Jahren. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg), finanziert von dem jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.
Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

Im August 1939 wurden die Mitglieder der Hachschara nach Schweden überführt, mit ihnen Otto und Manfred
Emigration nach Schweden
1938 Nach dem Novemberpogrom hatte Schweden eine Kinderquote von zunächst 60 Kindern zugesagt. Diese wurde aber später auf 500 erhöht unter der Bedingung, dass jüdische Spender und die jüdische Gemeinde Stockholm die Bürgschaft für die nächsten 1 ½ bis 3 Jahre übernahmen. Dazu zählten auch die etwa 100 mit der Kinder- und Jugendalija nach Schweden Gelangten.
Frühjahr 1939 das Londoner Büro der „Youth Aliyah“ überträgt Eva Warburg die Leitung der Jugend Alijah i Sverige mit Sitz in Stockholm. Auf ihr Betreiben wurde der alte Gutshof Hälsinggården in Korsnäs in Nordschweden bei Falun als Jugendalijah-Hof für die mittlere Hachschara (15-17 Jahre) eingerichtet.
Juni 1939 wird der Jugendalijah-Hof Hälsinggården – auch „Kibbuz Falun“- von der »Stiftung für Landwirtschaftsausbildung« als Träger eröffnet. Die Jugendlichen arbeiten zumeist auf Bauernhöfen in der Umgebung.
Nach den Plänen des britischen Büros der Kinder- und Jugendalija sollten insgesamt 120 junge Leute aus Schweden ausreisen, davon 85 mit einem Jugendalija Zertifikat und 35 als 14–16-Jährige mit einem Kinder-Zertifikat.
Nachdem der Skagerrak im November 1939 sowohl von der deutschen Kriegsmarine wie von der Royal Navy gesperrt worden war, blieb aber nur der beschwerliche Landweg über Russland die Türkei, Syrien nach Palästina übrig; nur zwei kleine Gruppen konnten diese Route nutzen.
26.7.1939 Eva Tuteur emigriert nach Schweden; zeitweilig ist sie in dem schwedischen Hachscharalager Jugendalija Hof Hälsinggarden in der Nähe der Stadt Falun; dieses wurde von Eva Warburg aus der Hamburger Bankiersdynastie organisiert; dort arbeiteten die meisten Chaluzim als Landarbeiter bei den Bauern der Umgebung.
August 1939 Otto und Manfred Schwarz mit weiteren Chaluzim der Urfeld-Hachschara nach Schweden
Nach ihrer glücklichen Ankunft schreibt die Mutter Helene voller Freude:
„Liebe Kinder!
Mit großer Freude haben wir heute eure Ankunftskarte erhalten. „G. s. D.“ (Gott sei Dank) seid ihr wohlbehalten an eurem Ziel angekommen. Wir würden dies lieber Melli schreiben – die ständig danach fragt –, doch wenn ihr das (auch) übernehmen würdet, wäre das besser. Tante Bertas Adresse lautet: Maximilianstraße 14, 2. Stock. „G. s. D.“ kann ich Gutes von uns berichten; lasst uns zu Gott hoffen, dass stets „Scholaim“ (Wohlergehen) herrscht. Helmut hat uns nun wegen seiner Papiere geschrieben; es geht bei ihm also jetzt voran.
Nun, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich und lasst euch tausendmal küssen von eurer Mama.“


1942 sind beide Brüder in Raus, Malmöhus, Skåne registriert
4.6.1944 Heirat mit Eva Tuteur in Schweden
Deportation

Juni 1942 Mutter Helene und Vater Rudolf aus Wiesbaden ins Sammellager nach Frankfurt
11.6.1942 beide Eltern aus dem Sammellager Frankfurt ins KL Sobibor
Nachkriegszeit

Otto und Eva Schwarz auf der Liste der „Alten“ Hechaluz-Mitglieder in Schweden
Gedenken
30.12.1979 Pages of Testimony für die Eltern und 21 weitere PoT von Otto Schwarz
Quellen
https://wwv.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/deportations/wiesbaden_related_document.asp
https://stolpersteine-kl.de/stolpersteine-in-kaiserslautern/biografie-familie-eduard-tuteur-2
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)
Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12301793
https://www1.wdr.de/urfeld100.html
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de970190
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de970683
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Schwarz-Rudolf.pdf.
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://collections.arolsen-archives.org/de
Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume
Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History