Fränkel Alfred

Alfred Zippy Fraenkel

*13.9.1920 in Breslau; ✡ 20.1.2000 im Kibbuz Jakum

Religion jüdisch

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Max Fraenkel *24.1.1882 in Krotoschin; ✡12.10.1944 in Auschwitz

Mutter Betti Schachmann *14.10.1886 in Posen; ✡ 12.10.1944 in Auschwitz

Geschwister

Vera Fraenkel; oo Meier

Beruf Tischler

Adressen Breslau; Amsterdam; Werkdorp Wieringermeer

Heirat Ilsa Leonarda Nurit Kann *17.11.1925 in Amsterdam; ✡19.7.2005 Kibbuz Jakum

Kinder

Gad Fraenkel

Nitai Fraenkel; oo Davis

Weiterer Lebensweg

Volksschule und Mittelschule

Mitglied im Hashomer Hatzair

Minderheitenzählung

17.5.1939 Alfred Fraenkel bei den Eltern in Berlin, Kochhannstraße 38 II

Der Aufbau des

Werkdorp Nieuwe Sluis

2.6.1939 Alfred Zippy Fraenkel zur Hachschara von Berlin ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande.

Die Schlichim (Plural von Schaliach) aus Palästina mit ihrem Britischen Pässen wurden als „feindliche Ausländer“ verhaftet (Uri Koch, Mosche Katznelson, Zwi Kuttner).

10.1.1941 Beginn der systematischen Registrierung der Juden in den Niederlanden

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Au-Be 170

August 1942 Einsatz als Verbindungskurier des Joodse Raad in Amsterdam für Westerbork.

Er ist an verschiedenen Fluchtaktivitäten aus Westerbork, insbesondere an der spektakulären Flucht von Max Windmüller (Cor) beteiligt

Als Kurier des Joodse Raad steht Alfred Fraenkel auf der AuBe Liste, eine Abkürzung für ‚Ausnahmebescheinigung‘. Im Sommer 1943 wurde eine Liste aufgestellt, auf der ca. 170 Personen aufgeführt wurden. Sie wurden bis auf weiteres von der Deportation ausgeschlossen. Obwohl ein Großteil der Juden und Jüdinnen zu dem Zeitpunkt bereits deportiert wurde, wollte Aus den Fünten (Leiter der Zentralstelle) den Amsterdamer Judenrat nicht vollständig auflösen.

Jom Kippur 1943

8./9. Oktober 1943, an Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag Flucht nach Belgien und Frankreich mit Hilfe von Menachem Pinkhof und Ernst Hirsch; zur Gruppe gehörten Hans Chanan Flörsheim, Max Bonn, Jo Bars. An der belgisch-französischen Grenze werden sie festgenommen und nach Lille gebracht.

Die Widerstandsgruppe COR

Sie schließen sich dem jüdischen Widerstand in Frankreich an.

Kurt Reilinger („Nanno“) ist neben Max Windmüller („Cor“) ein führender Widerstandskämpfer der Gruppe des holländischen Hechaluz, die ab dem Frühjahr 1943 von Paris aus 150 untergetauchte Pioniere mit gefälschten Papieren aus Holland über Belgien nach Frankreich schleust. Von diesen können etwa 80 Chaluzim über die Pyrenäen nach Spanien gerettet werden.

Brief an die Chawera Leonore „Teuntje“ Sieskind

3.4.1944 in Toulouse, dem Hauptquartier des revisionistischen BETAR, der über die im Maquis kämpfend „Armee juive“ befehligte

Kurier in Italien

Alfred Fränkel wird beauftragt Kontakt zu versprengten Chawerim-Gruppen in Italien zu knüpfen, ist an Partisanen-Aktionen beteiligt, wird von der italienischen Polizei verhaftet, die ihn an die deutsche Kommandantur überstellt. Die lässt sich von seinen Luftwaffen-Papieren täuschen und lässt ihn frei.

9.4.1944 in Florenz; Reise über Bologna und Mailand

12.4.1944 wieder in Florenz

Verhaftung durch den SD/BDS Paris

25.4.1944 Rückkehr aus Italien nach Paris.

 „Wir saßen  bei einer Besprechung mit allen möglichen Papieren auf dem Tisch, einer füllte Papiere aus an der Schreibmaschine. Es klopfte, wir machten auf und vier Gestapobeamte in Zivil erschienen mit vorgehaltenen Revolvern. Sie durchsuchten das ganze Zimmmer, fanden alle Papiere“…

27.4.1944 Verhaftung von Alfred Fraenkel (Zippi), Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Lollie Eckhardt und Susi Hermann infolge eines Verrates im Zimmer von Loly Eckardt in Paris

18.7.1944 ein geheimes Treffen der jüdischen Résistance in Paris, Rue Erlanger zur Vorbereitung der Befreiung der fünf Inhaftierten wird von der Gestapo gestürmt, infolge des Verrats durch den Doppelagenten Karl Rebh; alle werden verhaftet:

Aus der Gruppe Cor   Ernst Ascher, Paul Wolff, Gerd Sperber, Max Windmüller und die Franzosen des „Juive Combat“: André Amar, Henri Pohoryles, Ernst Appenzeller, César Chamy und Maurice Loebenberg verhaftet.

 Max Windmüller wird zunächst als politischer Nichtjude unter seinem Decknamen arrestiert. Die Verhafteten wurden in das BDS-Hauptquartier in die Rue de la Pompe verbracht, verhört und auch gefoltert, Loebenberg starb in der Folge. Die Gruppe wird in das Gefängnis Fresnes gebracht. Von der Gruppe um Cor waren in Fresnes inhaftiert: Max Windmüller, Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Alfred Fraenkel (Zippi), Ernst Ascher, Paul Wolff, Paula Kaufmann, Gerd Sperber; aus der französischen Gruppe u.a. René Kapel, Jacquel-Lazarus.

Anfang August Verlegung der Gruppe in das Sammel-und Durchgangslager Drancy.

Alfred Fränkel und Ernst Hirsch kommen in den „Bunker“ (Lager-Gefängniszelle)

Vor der Aufgabe von Drancy werden vom Hauptsturmführer Alois Brunner, einer der engsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns, für den letzten Transport Nr 78 aus Drancy 51 Personen bestimmt. Neben jüdischen „Prominenten“, wie der Flugzeugkonstrukteur Marcel Bloch-Dassault, die illegale Leitung der Armée Juive in Paris und die Gruppe um Kurt Reilinger.

17.8.1944 die männlichen Gruppenmitglieder werden nach Buchenwald transportiert in einem Wagen mit der Aufschrift „Juden Terroristen“

25.8.1944 Wegen der durch alliierte Angriffe massiv beeinträchtigen französischen und belgische Bahnstrecken erreicht der Zug das Konzentrationslager Buchenwald erst nach neun Tagen

Nach der obligatorischen Quarantäne in Block 57 im kleinen Lager von Buchenwald wird die Gruppe Cor in verschiedene Außenlager überstellt

Buchenwald- Außenlager Witten-Annen

16.9.1944 Alfred Fränkel auf dem Transport mit 700 zumeist französischen, politischen Häftlingen aus Buchenwald nach Witten-Annen.

23.9.1944 Ankunft im noch im Aufbau befindlichen Außenlager am Spiekermannschen Platz; Zwangsarbeit in der isolierten Halle A7 der zur Ruhrstahl AG gehörigen „Annener Gußstahlwerk“ AGW in der Stockumer Straße, Produktion von Stahlgussteilen für Flugzeuge und Panzer.

Die Räumung

28./29. 3. 1945 das Außenlager Witten-Annen wird von der SS aufgelöst. Alfred Fraenkel mit über 600 Häftlingen auf einem Todesmarsch zu Fuß über Soest nach Lippstadt

31.3.1945 Alfred Fränkel flüchtet auf dem Marsch vor Lippstadt und versteckt sich im Wald

31. 3 Ankunft der Marschkolonne in Lippstadt, die Gefangenen werden über Nacht in einen Kinosaal gesperrt. Am nächsten Morgen, dem Ostersonntag, waren die SS-Wachen verschwunden. Volkssturmmänner führten die Häftlinge vor die Stadt und überließen sie sich selbst.

1.4.1945 (Ostersonntag) die SS-Begleitmannschaft ist geflohen; bewaffnete Männer des „Volkssturm bringen die Gefangenen aus der Stadt.

1.4.1945 Schließung des Ruhrkessels durch den Zangenschluss der 1. und 9. US-Armee in Lippstadt; Befreiung

Berlin-Theresienstadt-Auschwitz

12.1.1943 beide Eltern auf dem Alterstransport von Berlin nach Theresienstadt

9.10.1944 beide Eltern auf dem Transport von Theresienstadt-Auschwitz

Nachkriegszeit

1945 Rückkehr in die Niederlande; mit vielen Überlebenden interniert im Rückkehrer-Sammellager Abtei St. Benediktusberg in Mamelis Vaals, wo aber auch ehemalige NSBler eingesperrt sind

Alija Beth auf der SS Tel Hai

März 1946 großer Militär-LKW-Konvoi der Jewish Brigade von Antwerpen nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von „La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille. 

Alfred Fränkel in Viellesegure vor der Abreise

Die Hechaluz-Gruppe in Viellesegure bei Pau mit Alfred „Zippi“ Fraenkel, Kurt Schlesinger, Sophie und Gustel Nussbaum, Mirjam Wins
Die Herberge in La Ciotat; Alfred Zippy Fraenkel ganz rechts

Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.

17.3.1946 am Abend Abreise auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen.

Die Route der TEL HAI

Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen

28.3.1946 Ankunft in Haifa auf der SS TEL HAI

Nach wenigen Tagen werden die internierten Ma’apilim aus Athlit entlassen, nachdem sich die Britische Protektoratsbehörde ein letztes Mal überreden lässt, die Zahl der Ma’apilim auf die ausstehenden Zertifikatskontingente anzurechnen.

Quellen

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Fraenkel%201920%22%7D

https://infocenters.co.il/gfh

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5880197

https://aussenlager.buchenwald.de/witten-annen

Claude Pot, De Fresnes à Buchenwald. Mémoires de captivité et de déportation (1943-1945), Auxerre 2018 [1946]

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130286343


Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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