Werner Julius Isaacson
*20.4.1913 in Dinslaken; 27.1.1942 nach Riga, ✡ 1942 in Riga
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Vater Julius Isaacson *11.7.1875 in Dinslaken; Installateur; oo 12.10.1903; ✡14.2.1944 Buenos Aires
Mutter Selma Luß *17.1.1878 in Sterbfritz; ✡7.3.1940 in Buenos Aires
Geschwister
Frieda Julius Isaacson *1904 in Dinslaken; ✡1916 in Dinslaken;
Otto Julius Isaacson *3.1.1915 in Dinslaken; ✡22.9.1998 in Mar del Plata, Buenos Aires
Paul Julius Isaacson *1906 in Dinslaken; ✡1933 in Dinslaken
Henriette Ilse Julius Isaacson *1908 in Dinslaken; ✡1988
Maximo Julius Isaacson *30.12.1909 in Dinslaken; ✡6.2.2000 in Buenos Aires
Kurt Julius Isaacson *3.5.1911 in Dinslaken; ✡3.6.2003 in Buenos Aires
Siegmar Günter Julius Isaacson *23.11.1917 in Dinslaken; ✡20.3.1945 Außenlager Rieben Stutthof
Hans Isacson/Harry Son *24.11.1920 in Dinslaken; ✡12.10.2011 in Boynton Beach, Palm Beach
Beruf –
Adressen Dinslaken; Gelsenkirchen; Laer
Heirat
Ingrid Weinberg *28.9.1924 in Essen; ✡6.10.2015 in Boca Raton, Palm Beach
sie heiratet als Witwe den Bruder Hans Isacson/Harry Son
Kinder
Weiterer Lebensweg
Aufbaulager Dumte, Steinfurt Laer und Altenberge
Wegen wiederholter Überflutung landwirtschaftlicher Flächen durch die Aa im Kreis Steinfurt wurden vom „Wasser- und Bodenverband Steinfurter Aa“ Maßnahmen zur Regulierung und Begradigung der Aa im Kreis Steinfurt beschlossen, für die das Landesarbeitsamt Dortmund Arbeitslose aus Westfalen zuteilen sollte.
Das erste Lager wurde 1936 in einer ehemaligen Ziegelei in Dumte bei Borghorst erbaut. Es war durch Drahtzaun, Busch- und Baumbestand vor neugierigen Blicken geschützt. Bewacht wurde es vom zivilen Lagerführer Otto Rautenberg. Die einzige Ausstattung bestand nach einem Bericht eines Überlebenden aus Strohsäcken.
1938 wurden auf der Grundlage des „Geschlossenen Arbeitseinsatzes“ für arbeitslose Juden, die zuvor zumeist als Kaufmann ihrer Existenzgrundlage beraubt worden waren, reichsweit entsprechende Zwangsarbeiterlager möglich.
In der Arbeits-Bestandsliste von 1939 werden 36 Juden genannt.
Minderheitenvolkszählung
17.5.1939 im Aufbaulager Dumte bei Borghorst wurden 62 Zwangsarbeiter erfasst, überwiegend aus Westfalen, 16 aus Frankfurt
17.5.1939 im Aufbaulager Laer Steinfurt wurden 46 Zwangsarbeiter erfasst (18 aus Frankfurt)

15.7.1940 In der erhaltenen Hausstandsliste von Laer, Altenburg 27 a finden sich Namen von Hans und Werner Isaacson unter 35jüdischen Zwangsarbeitern.
Am 16.10.1940 erfolgte dann die Weiterverlegung der Gruppe in das Lager Altenberge, Kümper 35 auf den Hof Geuker.
Gelsenkirchen
24.1.1942 Verbringung in die Wildenbruchhalle, Gelsenkirchen mit Bruder Werner
27.1.1942 Gelsenkirchen -> Dortmund
27.1.1942 Transport Dortmund nach Skirotawa, Riga
1.2.1942 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga
13.2.1942 mit Bruder Hans verlegt zum Aufbau des KL Salaspils, musste hier auch Massengräber graben

Tod von Werner Isaacson im Lager Salaspils
Bruder Hans Isaacson
Mai 1942
Bruder Hans zurück ins Ghetto
Juli-November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung
November 1943 im Armeebekleidungsamt ABA 701 in Mühlgraben, Kasernierung
Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga
Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof
29.9.- 3.10.1944 140 Zwangsarbeiter ABA 701 mit dem Frachtschiff „Sanga“ nach Libau, Lettland
13.-14.10. 1944 Die letzten 50 Männer, 10 junge Frauen mit der „Drechtdijk“ auch „Drächtig“ nach Libau
SS-Sonderlager Libau in Lettland, Bekleidungsamt,Arbeit im Hafen, Be- und Entladen von Schiffen
22.10.1944 Fliegerangriff auf Liebau mit zwei Toten unter den Häftlingen
22.12.1944 schwerer russischer Bombenangriff auf die besetzte Stadt, 14 Lagerinhaftierte kommen um
19. 2. 1945 200 Häftlinge von Libau auf dem mit Granaten- und Patronenhülsen beladenen Kohlefrachter „Balkan“ über die Ostsee erst Richtung Lübeck, wegen Bombenangriffen umgeleitet nach Hamburg
27.2.1945 Ankunft in Hamburg, von der Gestapo in Gefängniswagen vom Hafen nach Fuhlsbüttel
27.2.1945 – 11.4.1945 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel „Kola-Fu“, Zuchthaus und Konzentrationslager
15.3.1945 mit 54 Männern von Fuhlsbüttel nach Bergen-Belsen (alphabetisch A-H ausgesucht)
15.4.1945 Befreiung in Bergen-Belsen durch die 11. Panzer-Division der Royal Army
Stationär im Bergen-Belsen Hospital der Briten wegen Fleckfieber
17.7.1945 von Lübeck mit der Fähre „Rönnskär“ nach Malmö
Quarantäne in Malmö
3 Wochen Quarantäne in Lund
Vor dem 4.9.1945 Aufnahme in Holsbybrunn
November 1945 nach Ryds Brunn
20.-30.6. 1947 auf SS Gripsholm von Göteborg nach New York
Gedenken

Grabstein von Harry Son in Boynton Beach, Eternal Light Memorial Gardens
Quellen
Kartei der im Aufbaulager Laer gemeldeten Zwangsarbeiter, Hausstandsliste Altenburg 27 a; Gemeindearchiv Laer C 471
Sabine Jarnot, Vorübergehend gemeldet, Jüdische Zwangsarbeiter in Laer und Altenberge 1940/1941; Laer, 2021
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.mappingthelives.org
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420127_Muenster10.jpg
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de885475
https://collections.arolsen-archives.org/archive/67515262/?p=1&s=Isaacson%20Hans&doc_id=67515262
Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7405); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85
U.S. Behördendaten Verzeichnis
U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)
https://de.findagrave.com/memorial/187435293/harry-son
http://www.gelsenzentrum.de/gedenken_juden_gelsenkirchen.htm
Käthe Fries, Schießen Sie mich nieder, Lukas Verlag 2017
Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008
Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984
Aufbau, Nach Schweden gerettet; Ausgabe vom 22.6.1945
Bernd Philipsen, Fred Zimmak, Hrsg., Wir sollten leben, Novalis 2020
Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick (Hrsg.), Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020