Puschkanzer Mary

Miriam Maria Frieda „Mary“ Puschkanzer

*21.8.1910 in Düsseldorf; ✡ 19.9.1944 in Klooga, Estland

Staatsangehörigkeit littauisch; deutsch

Religion jüdisch

Vater Jesajus „Sally“ Puschkanzer*30.12.1875 in Kaunas; ✡ 26.2.1914 Heiligenhaus

Heirat der Eltern Mai 1909 vor dem Standesamt Bochum

Mutter Elly Marie Watermann *6.10.1889 in Bochum; ✡ 19.9.1944 in Klooga, Estland

Großeltern Gersh Wolf und Freida Mera Puschkantzer

Großvater August Watermann *5.7.1854 in Bochum; ✡18.5.1922 Bochum; jüd. Friedhof Wiemelhausen

Großmutter Minna Benjamin *22.8.1852 in Bochum; ✡7.5.1937 Bochum; jüdischer Friedhof Wiemelhausen

Tante Salomon Elfriede geb. Watermann verw. Bonn* 16.12.1883 in Bochum; ✡ Oktober 1944 Stutthof; oo Georg Salomon (*29.10.1883 in Altona; ✡15.2.1942)

Geschwister

Rolf Pascha Puschkanzer *12.7.1914 in Bochum; ✡ 1937/38 in Albacete

Beruf Verkäuferin, Haushilfe, Bürokraft

Adressen Düsseldorf, Bochum, Königstraße 21 (heute Annastraße) Märkische Straße; Augsburg; Kaunas

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Königstraße, Nr. 21, links mit Erker

Die Großeltern August und Minna Watermann führten in Bochum in der Königstraße eine Metzgerei mit Restaurant.

Vater Sally Puschkanzer nach 1897 von Kaunas nach Deutschland; er betrieb in Düsseldorf einen Verlag und Druckerei, in dem u. a. die Apollo-Theater Revue (1905-1906) und die 14-tägig erscheinende Düsseldorfer „Theater-Rundschau“ (1913-1914) erschien

Mai 1909 Heirat von.Elly Marie Watermann und Sally Puschkanzer im Standesamt Bochum

Anfang Juli 1909 Umzug der Eltern nach Düsseldorf, Friedrichstraße 44

26.2.1914 Tod des Vaters Sally Puschkanzer bei einem Autounfall in Heiligenhaus; Mutter Elly war bereits schwanger  

12.7.1914 Geburt von Bruder Rolf in Bochum

3.8.1915 Ummeldung der Witwe Elly nach Bochum zu den Eltern

Arbeiterjugend, Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, 23, 1931

Bruder Rolf war Aktivist in der SAJ, der trotzkistisch beeinflussten Sozialistischen Arbeiterjugend

Amsterdam

Maria Puschkanzer von Bochum zur Emigration in die Niederlande

29.9.1933 -12.3.1935 in Amsterdam, zunächst Baerlestraat 136 bei Anna Frankenberg

27.9.1934 Umzug in die Lomanstraat 87 bei de Groot

12.3-15.3.1935 nach Bielefeld

4.11.1935 nach Lüdenscheid; bis März 1936 ist hier Verkäuferin im Textilwarengeschäft „D. Lebenberg“ von Irmgard und Oskar Cahn. Mary Puschkanzer wohnt in der zweiten Etage über dem großzügig über zwei Stockwerke angelegten Ladenlokal an der Knapper Straße 7 (heute Rathausplatz). Das Inhaberehepaar war immer froh, jüdische Angestellte zu finden, da es jüdischen Unternehmern zu diesem Zeitpunkt bereits verboten war, nichtjüdische Mitarbeiter zu beschäftigen

1.4.1936 abgemeldet nach Augsburg

Hachschara im Beth Chaluz Augsburg

Bernheimer-Villa in der Friedberger Straße

Mary Puschkanzer vermutlich zur Hachschara nach Augsburg in das Beth Chaluz in die Friedberger Straße 9, dann in der Armenhausgasse B 121 a, Träger war der Hechaluz; das Beth Chaluz befand sich bis 1937 in der Bernheimer-Villa in der Friedberger Straße 9; von Augsburg gingen viele Jugendliche auf das Hachschara Gut Bannacker in Augsburg-Bergheim, der Hechaluz betrieb dort in Haus drei eine landwirtschaftliche Ausbildung

Novemberpogrom

10.11.1938 33 Chaluzim verhaftet in Augsburg im Novemberpogrom, insgesamt 28 über 18- Jährigen Chaluzim aus dem Wohnheim für jüdische Auszubildende in der Armenhausgasse, „Schutzhaft“ in Dachau;

8.12.1938 Entlassung aller 28 Chawerim aus dem KL Dachau mit der Auflage, Deutschland zu verlassen

Frühjahr 1939 Emigration von Mary Puschkanzer mit der Mutter Elly nach Litauen, vermutlich nach Kaunas

17.5.1939 Mutter Elly und Mary wurden bei der Minderheitenzählung nicht mehr erfasst

Massenerschießung in Klooga

Mutter und Schwester Mary nach Lettland emigriert, vermutlich zuerst zu der Familie Puschkanzer in Kaunas

21.6.1943 Befehl des Reichsführers SS Heinrich Himmler, alle jüdischen Ghettos im Reichskommissariat Ostland, zu dem damals Estland, Lettland, Litauen und Teile Weißrusslands gehörten, aufzulösen und die Juden zu Arbeitseinsätzen heranzuziehen.

September 1943 Errichtung des Außenlager Klooga an der Nordküste Estlands als eines von 20 Außenlagern des KL Vaivara; hier arbeiteten um die 2000 zumeist jüdische Gefangene für die deutsche Marine.

September 1943 Verschleppung von Ghettoinsassen aus Kaunas und Vilnius; in Klooga wurden die beiden Frauen unter der Häftlingsnummer 0254, „Puschkanzer, Elli, Bochum“ und „Puschkanzer, Meri, Düsseldorf“ mit der Nummer 0255 registriert.

Elli Puschkanzer arbeitete in der Lagerschneiderei, ihre Tochter Mary als Bürokraft

17.9.1944 Befehl zur Auflösung der estnischen Lager bei Heranrücken der „Roten Armee“

19.9.1944 Auflösung des Außenlager Klooga; Massenerschießung von über 2000 Juden durech deutsche SS-Einheiten und das estnische Wachbataillon 287; die Opfer mussten sich auf Stapel aus Holzscheiten legen und wurden durch Genickschuss getötet. Die SS schaffte es nicht mehr, alle aufgeschichteten Leichen in Brand zu setzen. 108 Häftlingen konnten sich noch verstecken.
Vermutlich sind auch die Mutter Elly und Schwester Mary auf diese brutale Weise ermordet worden.

Gedenken

Grabstein für die Großeltern Watermann auf dem jüdischen Friedhof Wiemelhausen mit einer Gedenkplatte für die Tante Elfriede Watermann und Mann Georg Salomon

Quellen

Arbeiterjugend, Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands, 23, 1931

https://www.stadtakademie.de/fileadmin/speciality_distribution/public/images/Stelenweg/Stele_5_Juden_am_Moltkemarkt.pdf

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de390063

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de286608

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/484379

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/484382

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Hans-Ulrich Dillmann, Schicksale der Jüdinnen und Juden aus Lüdenscheid, 2021

https://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Au%C3%9Fenlager_Klooga

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My