
Elisabeth Liesel Baerlein
*23.3.1917 in München; ✡ 9.10.1944 in Auschwitz
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch
Vater Friedrich Baerlein 31.12.1872 in Bamberg; ✡2.4.1949 in München
Mutter Katharina Huber *30.11.1885 in Erding; ✡26.10.1958
Geschwister keine
Beruf Geigerin, Kontrabassistin,Landarbeiter
Adressen München, Wasserburger Landstraße 209; Gut Winkel, Spreenhagen;
Heirat nach jüdischem Ritus in Theresienstadt mit Josef Lederer (siehe unten)
Kinder keine
Weiterer Lebensweg
Die Mutter war mit der Heirat zum Judentum konvertiert.
1933 Aufnahme in die Akademie für Tonkunst in München in die Violinklasse
1936 als „Geltungsjüdin“ Ausschluß aus der Akademie; weiteres Studium an einer privaten Schule
Novemberpogrom
10.11.1938 Fritz Baerlein in München verhaftet
11.11.1938 eingewiesen in das KL Dachau; Häftlingsnummer 21158;

am 11.11.1938 wurde diese Nummer vergeben
25.11.1938 Entlassung von Vater Fritz aus dem KL Dachau
Gut Winkel
5.4.1939 Elisabeth Baerlein zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen
Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.
1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.
Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Elisabeth Baerlein in Gut Winkel, Spreenhagen
19. Juni 1941 Auflösung Gut Winkel wird vom Hachschara- zum Arbeitseinsatzlager
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
September 1939 Namenlisten verschiedener Gemeinden im Landkreis Beeskow-Storkow
München

18.4.1941 Elisabeth Baerlein beim Arbeitsamt als arbeitssuchend gemeldet

20.7.1941 Rückkehr von Elisabeth Baerlein nach München nach Auflösung der Hachschara
Zwangsarbeitslager Flachsröste Lohhof
Ab dem Sommer 1941 müssen rund 200 Jüdinnen und Juden aus München sowie 68 jüdische Frauen aus dem Ghetto Litzmannstadt in der Flachsröste arbeiten, bevor die Gestapo sie ab Herbst 1941 deportiert
1941 wird Elisabeth Baerlein, Zwangsarbeitslager Flachsröste in Lohhof, Unterschleißheim eingewiesen
1.-18.6.1942 Internierungslager Berg am Leim, Clemens-August-Straße 9-11

Ab dem 1.6.1942 sind hier auch beide Eltern in der „Heimanlage für Juden“ interniert.
(Äußerst fraglich ist die Angabe, dass am 4.6.1942 Vater Fritz erneut ins KL Dachau, Außenlager Heidenheim eingewiesen wurde; das Außenlager befand sich auf dem Heidenheimer Schlossberg. Es könnte sich um eine Verwechslung mit Berg am Leim handeln.)
Theresienstadt
18.6.1942 Elisabeth Baerlein auf dem Transport II/7 von München nach Theresienstadt.

Sie spielt in Theresienstadt in diversen Orchestern, ev. ist sie auch in dem im Junie 1944 zur Täuschung der Öffentlichkeit gedrehten Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ zu sehen.

6.10.1944 auf dem Transport E o von Theresienstadt nach Auschwitz; möglicherweise nach „freiwilliger“ Meldung; mehr dazu unten bei Josef Lederer.

11.8.1944 Klage des Vaters vor dem Streitgericht München
Die Eltern überleben infolge ihres „Mischehe-Status“.
Josef Lederer
In Theresienstadt sind zahlreiche Gefangene mit dem Namen Josef Lederer inhaftiert gewesen.
Möglicherweise handelt es sich bei ihren Mann um Josef Lederer geb.20.5.1913 in Sezava-Velke.
Die Ehe dürfte nach jüdischem Ritus geschlossen worden sein. Josef Lederer ist am 28.9.1944 auf dem Transport E k von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert worden. In diesen Wochen haben sich viele Angehörige zum „freiwilligen“ Transport einschreiben lassen, da in Theresienstadt die Illusion des längst aufgehobenen Familienlagers im Auschwitz bewusst genährt wurde!
Josef Lederer hatte in Auschwitz die Häftlingsnummer B 12491 in den linken Unterarm tätowiert bekommen. Diese Nummer wurde Ende September vergeben. Bei der Auflösung von Auschwitz am 18.1.1945 war er auf einem der vielen Todesmärsche in das Buchenwald-Außenlager DORA-Mittelbau gekommen. Viele Häftlinge sind dort durch die Bombardierung der Boelke-Kaserne in Nordhausen umgekommen.
Gedenken
Elisabeth-Baerlein-Straße in München, Trudering-Riem
Quellen
https://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=gedenkbuch_link&gid=778
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5015237
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70121489
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70118315
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de836979
https://victims.auschwitz.org/victims
Danuta Czech, Auschwitz Chronicle 1949-1945, Henry Holt and Company, Inc., New York 1990
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.mappingthelives.org
Genealogie Webseite My Heritage
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316