Brinker Siegfried

Siegfried Brinker

*22.2.1921 in Geinsheim, Weinstraße; ✡ 1942 in Maly Trostinec/Minsk oder Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Ernst Brinker*23.8.1891 in Werdohl, Nichtjude; ✡7.11.1962 in Berlin

Mutter Babette Röthler *21.8.1894 in Ortenberg, Büdingen; ✡14.11.1970 in Berlin

Großvater Leopold Röthler *13.10.1861 in Ermershausen bei Königshofen

Großmutter Berta Röthler geb. Strauß *1.7.1868 in Kaiserslautern; ✡ 5.7.1943 in Camp Noe

Tante Helene Röthler *15.10.1907 in Kaiserslautern

1938 heiratete sie Jacob Roelen und zog nach Rockenhausen. Dort wurde im Mai 1939 ihr Sohn geboren.

Bruder Wolfgang Brinker *5.1.1926 in Lüdenscheid; ✡

Beruf Schlosser, Landarbeiter

Dachau Aufnahmeregister vom 12.11.1938 mit der aktuellen Adresse

Adressen Geinsheim, Hauptstraße 218; Lüdenscheid; Mannheim, R6 5a; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Großvater Leopold war ab 1909 Religionslehrer in Geinsheim

Die Eltern Betty und Ernst Brinker ziehen nach Berlin

Siegfried wohnt in Geinsheim im Haushalt seiner Großmutter Berta Röthler.

5.4.1924 Umzug der Eltern von Berlin nach Lüdenscheid

5.1.1926 Geburt des Bruders Wolfgang in Lüdenscheid

Ostern 1927 Einschulung von Siegfried Brinker in Geinsheim

Klassenfoto von 1931 in Geinsheim mit Siegfried Brinker

1935 Abschluss der Volksschule

27.1.1936 Siegfried Brinker in Lüdenscheid

9.11.1936 zurück in Geinsheim

21.11.1936 Abmeldung des Vaters aus Lüdenscheid nach Lübeck, Stelle als Dreher

14.1.1937 folgen Babette und Wolfgang Brinker nach Lübeck

Entlassung des Vaters als Dreher in Lübeck wegen der jüdischen Ehefrau. Er wird an das Arbeitsamt Berlin verwiesen, weshalb die Familie dorthin umzieht

1938 Siegfried Brinker zur Schlosserlehre in Mannheim

Novemberpogrom

10.11.1938 Siegfried Brinker verhaftet in Mannheim

12.11.1938 eingewiesen in das KL Dachau; Häftlingsnummer 25057

13.12.1938 Entlassung von Siegfried Brinker aus dem KL Dachau

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Siegfried Brinker Geinsheim, Hauptstraße 218

17.5.1939 Wolfgang Brinker mit den Eltern Ernst und Babette in Berlin, Ackerstraße 6/7

Kindertransport 20./21. Englandtransport

13.8.1939 Bruder Wolfgang war eigentlich für den 20. Englandtransport am 4.7.1939 ab Berlin vorgesehen, ist dann aber erst am 13.7.1939 über Bentheim, Hoek van Holland nach Harwich gefahren.

Bürckel-Wagner-Aktion

22.10.1940 Großmutter Röthler wird in Geinsheim verhaftet und in ein Sammellager verbracht, ebenso Tante Helen in Rockenhausen  mit Mann Jakob und Sohn Denny Roelen. In der „Bürckel-Wagner-Aktion“ werden mit sieben Transporten 6500 Juden des Saarlandes, der Pfalz und Baden, davon 1972 allein aus Mannheim in das Internierungslager Gurs ins nicht besetzte Südfrankreich transportiert.

Februar/März 1941 Verlegung verschiedener Gruppen aus Gurs in andere Lager: Betagte Menschen kamen nach Noé, Schwerbehinderte nach Récébédou, Familien in das sogenannte ‚Familienlager‘ Rivesaltes. Zwischen dem 17. und 28. Februar 1941 wurden etwa 600 deutsche Juden und Jüdinnen aus Gurs ins Internierungslager für Alte und Kranke in Noé transportiert.

1.9.1942 Tante Helen und Ehemann Jakob ins Durchgangslager Drancy

4.9.1942 Deportation von Tante Helen und Ehemann ab Drancy nach Auschwitz

7.9.1942 Tod von Tante Helen in Auschwitz

Sohn Denny wurde bis zur Befreiung von einer christlichen Familie versteckt.

Gut Winkel

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“ Mai bis September 1941 Auflösung der Hachscharalager Ahrensdorf, Jessen, Havelberg; Verlegung vieler Chaluzim in das Lehrgut Neuendorf im Sande; nur ein kleiner Teil darf noch im Landwerk selbst arbeiten, die meisten werden zur Zwangsarbeit bei Unternehmen in Fürstenwalde verpflichtet

Von 1941 bis 1942 war Gut Winkel Arbeitseinsatzlager.

16. oder 17. Osttransport

Juni 1942 Siegfried Brinker verhaftet im Polizeigefängnis Potsdam

24.6.1942 Siegfried Brinker geführt auf dem 16. Osttransport von Berlin Bahnhof Grunewald nach Maly Trostinec/Minsk

11.7.1942 Siegfried Brinker auf den Gestapo-Enteignungslisten für den 17. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

Fabrikaktion – Rosenstraßenprotest

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert.

Am 28.2. wurden – entgegen den Anweisungen des RSHA – die in Mischehen lebenden jüdischen Partner verhaftet und in der Rosenstraße 2-4, einem ehemaligen Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde eingesperrt. Zu den Verhafteten gehörte auch Babette Brinker.

Dies führte zu den tagelangen Protestdemonstrationen der nichtjüdischen Partner. Betty Brinker wurde am 5. März wieder freigelassen.

Mischlingsaktion 1944

Im Herbst 1944 wurden die bisher von Deportationen verschonten Ehepartner aus „Mischehen“ verhaftet und in Zwangsarbeitslager verbracht.

Für Babette Brinker ist eine Internierung vom 3.November bis zum 24. Dezember 1944 in der Schulstraße 78 in Berlin belegt.

Gedenken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1032074

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/11225150

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/127188757

Hans-Ulrich Dillmann, Schicksale der Jüdinnen und Juden aus Lüdenscheid, 2021

https://www.scherben-der-ns-zeit.de/die-ermordeten

https://www.heimatverein-geinsheim-nw.de/bildergalerien

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html#B

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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