Lichtenstern Margit

Margit Lichtenstern

*7.1.1911 in Witkowicz; ✡ 10.6.2004 in Haifa

Staatsangehörigkeit

Religion jüdisch

Vater Jakob Lichtenstern *25.10.1867 in Ostrau, CSR; 27.8.1943

Heirat der Eltern 16.1.1894

Mutter Laura Lindner *2.8.1876 in Troppau, CSR; ✡ 20.8.1961 in Haifa

Geschwister

Wilma Lichtenstern *6.2.1885 in Witkowicz; ✡ 2.5.1945 in Tröbitz; oo Rudolf Schorstein(1874-1938)

Leo Lichtenstern24.2.1905 in Velke Karlovice; ✡12.9.1979 in Den Haag

Margarethe Lichtenstern *29.9.1906 ; oo Spier; Überlebende von Theresienstadt

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Wien; Catharinahoeve in Gouda

Heirat 31.1.1940 Schließung einer Fernehe vor einem Vertreter „marriage by proxy“ in Den Haag mit Franz Karl Wolf *31.7.1906 in Wien; ✡10.8.1980 in Österreich

Kinder

Ruth Ida Wolf; oo Elkabets; ✡?

Miriam Irene Wolf; oo Prager

Weiterer Lebensweg

„Anschluss“ Österreichs 1938

Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Wehrmacht erfolgte am 13. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich

1.April 1938 Suizid des Schwagers Rudolf Schorstein in Wien

Flucht von Margit mit Schwester Wilma und deren Tochter Hedwig in die Niederlande

18.7.1938 Einreise von Fritz Wolf mit Kapitalistenzertifikat A(1) in Haifa

Hachschara-Jeugdfarm Catarinahoeve in Gouda

Das ab Oktober 1937 bestehende Hachscharalager Catharinahoeve in Gouda wurde möglich durch eine testamentarische Schenkung in Höhe von 80000 Gulden Hfl von Catharina van Zon. Die Jeugdfarm diente der Mittleren Hachschara für 14-17-Jährige zur Vorbereitung auf die Alija.

Robert Levisson übernahm die Funktion des Sekretär des Vorstandes, dem auch Frau A. Vroman angehörte, Mutter des Dichters und Biologen Leo Vroman.

Die Leitung der Gruppe lag bei dem Ehepaar Dr. Manfred Litten und Shoshana Jansje Litten-Serlui zuvor Danzig. Als Betriebsleiter eingestellt war zunächst Herrn Knol, dem Henk de Raaf und Franz Man zur Seite gestellt wurden. Nachbar Dirk van Schaik half als Vorarbeiter.

Ab 1940 lag die Verantwortung bei der Joodse Centrale voor Beroepsopleiding JCB.

1941 nach dem Rücktritt von Herr Knol übernahm Jan Middelburg die Betriebsleitung, unterstützt von Dirk van Schaik.

1.2.1941 Margit Wolf Lichtenstern eingestellt als Hauswirtschafterin für die Farm Catharinahoeve

1942 Schalom Weiss, Norbert Hellman, unbekannt, Esther Herzberg, Heinrich Friedmann, Bernhard Asscher, Bram Andriesse, Margit Lichtenstern, unbekannt, Alida Lissauer, unbekannt; vorn Gideon Litten, Roza Pinkhof, Hedy Kalmar; Fotoalbum Levisson


1942 Vorn von links: Claes Schönfeld, Heinrich Friedmann, Ehepaar Jan Middelburg mit Tochter, Shoshana und Manfred Litten; Jette Aalsvel, Isaac Goudsmit, Alida Lissauer
hinten von links Bram Andriesse, Roza Pinkhof, Wolfgang Weiss, Norbert Israel Hellman, Margit Lichtenstern, Abraham Hamburger, Esther Elisabeth Herzberg, Klaus Friedrich Wilhelm Schoenbeek, Abraham Michael Herzberg

Alija durch zivilen Gefangenaustausch

31.1.1940 Schließung einer Fernehe vor einem Vertreter „marriage by proxy“ in Den Haag

26.10.1942 Passausstellung/ID in der Botschaft der Schweiz, Amsterdam

17./24.11.1942 Ankunft von Margit Wolf in Haifa mit einem Familienzertifikat Kategorie D als Ehefrau

Die Kopfzeile des Dokuments enthält einen historisch äußerst bedeutsamen Vermerk: „הוחלפו בתנבים א“י – גרמניה“ (Ausgetauscht unter den Bedingungen Eretz Israel – Deutschland). Dies bezieht sich auf einen seltenen und komplexen zivilen Gefangenenaustausch während des Zweiten Weltkriegs. Die britische Mandatsregierung tauschte deutsche Staatsbürger (häufig Angehörige der Templergesellschaft, die in Palästina interniert waren) gegen Juden aus dem von Deutschland besetzten Europa aus, die palästinensische Staatsbürgerschaft, Einreisezertifikate oder familiäre Bindungen nach Palästina besaßen (sogenannte „Austauschjuden“).

Kamp Westerbork

26.5.1944 Schwester Wilma eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, Strafbaracke 67

Deportation von Schwester Wilma nach Bergen Belsen

Die drei Austausch-Transporte Ziel Theresienstadt

6.-11.4.1945 Die Lager- SS schickt 6800 Austauschgeiseln aus dem Sternlager

Bergen-Belsen auf drei Transportzügen mit dem Ziel Theresienstadt.

6.4.1945 Abfahrt des ersten Transport von 2500 Geiseln, davon aber nur 12 Französinnen

13.4.1945 der Zug kommt in Farsleben in der Nähe von Magdeburg zum Stehen und wird von der US Army befreit.

9.4 – 21.4.1945 der zweite Zug mit 1712 Juden erreicht als einziger das Ziel Theresienstadt

Der Verlorene Zug

9.4.1945 2400 Gefangene des Austauschlager Bergen-Belsen, darunter 300 kranke Ungarn werden an der Bahnstation Bergen in den bereitstehenden Zug eingewiesen. Eineinhalb Tage lang warten sie in den überfüllten Waggons.

10.-23.4.1945 Schwester Wilma auf dem dritten, dem „verlorenen Zug“; die Irrfahrt mit 2400 Menschen endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz, es wütet ein Fleckfieber-Ausbruch, während der Fahrt sterben 198 Menschen

Befreiung durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow

In den nächsten acht Wochen nach der Befreiung starben in Tröbitz weitere 300 Deportierte am grassierenden Fleckfieber.

Tod von Schwester Wilma am 2.5.1945 in Tröbitz

Nachkriegszeit

Bruder Leon Lichtenstern und Nichte Hedwig Schorstein überleben im Versteck

20.7.1945 Einbürgerung von Margit in Palästina

Gedenken

Quellen

https://www.myheritage.de/research

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5058528

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130402505

Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, Fries Film Archief Leeuwarden, 2020

Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020

Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002

Hannelore Grünberg-Klein, Zolang er nog tranen zijn, Nijgh & Van Ditmar, 2015

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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