Alfred Walter Grünebaum
*28.5.1920 in Görlitz; ✡ ?
Religion jüdisch
Staatsangehörigkeit deutsch
Vater Max Moses Grünebaum in Spielberg; ✡ 3.10.1944 in Auschwitz
Mutter Frieda Zerkowski *11.5.1895 in Posen; ✡ 3.10.1944 in Auschwitz
Geschwister
Ernst Grünebaum *9.9.1926 in Görlitz; 28.2.1945 Tod auf dem Todesmarsch ab Auschwitz
Beruf Praktikant
Adressen Görlitz; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Überseegruppenwanderer Lehrgut Groß Breesen
Mai 1936 Eröffnung des nichtzionistischen Übersee-Gruppenwanderer Lehrgutes Groß Breesen; im Gegensatz zu anderen Lagern ist Groß Breesen nicht an jüdische Organisationen gebunden, war jedoch stark geprägt vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V., assimiliert, liberal, national)
1936-1939 Curt „Bo“ Bondy Lagerleiter und pädagogischer Leiter, auf Bitten von Leo Baeck; von vielen ‚Groß-Breesenern‘ wurde er als charismatische Persönlichkeit, der sie viel zu verdanken haben, verehrt. Unterstützt wurde er von Ernst Cramer, einem älteren Praktikanten.
Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildung war Oberinspektor Erwin Scheier, dessen Frau Ruth oblag die Hauswirtschaft, Tischlermeister Max Kiwi die Schreinerei.
Alfred Grünebaum zur Hachschara in Groß Breesen
10.11.1938 Überfall der SA auf den Hof in Groß Breesen, alle über 18-Jährigen Männer werden mit einem Bus abgeführt und ins KL Buchenwald gebracht, auch Curt Bondy, der als Homosexueller besonders gefährdet war; die Frauen und Jungen bleiben auf dem Hof zurück.
1939 – zur Umschulung ins Überseeauswanderer Lager Groß Breesen
Flucht in die Niederlande
Alfred mit den Eltern und Bruder Ernst nach Hilversum
Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
Alfred Grünebaum geht zurück nach Hilversum
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Kamp Westerbork
29.1.1942 Alfred mit Vater Max, Mutter Frieda und Bruder Ernst von Hilversum ins Kamp Westerbork, somit „oude kampbewoners“
Mai 1942 Verpflichtung den „Judenstern“ zu tragen
15.7.1942 Der erste Massentransport Westerbork-Auschwitz
15.7.1942 Alfred Grünebaum, Simon Reifen, Leo Verständig, Richard Greif, Leo und Tobias Feigenblatt zusammen mit Cousin Max Rack im ersten Transport ab Westerbork nach Auschwitz; aus dem Lager waren hierfür 100 „Oude kampbewoner“ selektiert worden. In Verkennung der Gefahr vertrat der Hechaluz die Ansicht, die Chaluzim sollten sich für diesen ersten Transport freiwillig melden, da sie den „Arbeitseinsatz im Osten“ am besten durchstehen würden.
30.9.1942 fiktives Todesdatum der niederländischen Behörden für die Deportierten des ersten großen Transports
18.1.1944 Vater Max und Bruder Ernst auf Transport XXIV/2 von Westerbork nach Theresienstadt
28.9.1944 Bruder Ernst auf Transport E k von Theresienstadt nach Auschwitz
1.10.1944 beide Eltern auf Transport E m von Theresienstadt nach Auschwitz
Gedenken
Quellen
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History