Wolff Paul

Paul „Paulchen“ Karl Wolff/ Zeev Elchanan/ Deckname Jan Verlagen

*22.9.1923 in Kobern; ✡ ?

Religion jüdisch

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Ferdinand Wolff *1886 in Kobern

Mutter Sophie Levy *1892 in Konz bei Trier; ✡ ?

Onkel Simon Wolff *9.3.1885 in Kobern; oo Lina Feiner * 6.6.1887 in Lehmen

Schwester Herta Wolff *14.8.1922 in Kobern; Luxemburg; ✡ Mai 1944 Auschwitz

Beruf Praktikant

Adressen Kobern; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat Rachel

Kinder drei

Ben Zion

Ofra

Warda

Weiterer Lebensweg

Vater Ferdinand ist gut situierter Viehhändler in Kobern, die Mutter führt ein kleines Lebensmittelgeschäft

27.1.1937Vater Ferdinand in „Schutzhaft“ in Koblenz, Anklage wegen „rechtswidrigem Handel mit Schlachtvieh.

Häufige Beschimpfungen der Familie, Fenster wiederholt eingeschlagen.

1937 -1938 Handelsschule in Koblenz

1938 Beginn einer Schlosserlehre in Düsseldorf

Novemberpogrom

10. 11. 1938Seine Unterkunft wird demoliert, sein Vermieter wird inhaftiert.  Paul Wolff muss die Lehre abbrechen

Das Elternhaus in Kobern wird verwüstet, Vater Ferdinand verhaftet im Gefängnis

Der Aufbau des

Werkdorp Nieuwe Sluis

21.4.1939 Paul Wolff zur Hachschara von Kobern ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande.

Die Schlichim (Plural von Schaliach) aus Palästina mit ihrem Britischen Pässen wurden als „feindliche Ausländer“ verhaftet (Uri Koch, Mosche Katznelson, Zwi Kuttner).

10.1.1941 Beginn der systematischen Registrierung der Juden in den Niederlanden

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Hollandsche Schouwburg

1943 Mitarbeiter beim Joodse Raad in der Betreuung der im Sammellager „Hollandsche Schouwburg“ für den Abtransport in das Kamp Westerbork Inhaftierten: In der Schouwburg kann er verschiedenen zur Flucht verhelfen, u.a. Heinz Goldschmitt aus Essen.

Mit Hilfe des Fluchthelfer-Netzwerks von Joop Westerweel mit gefälschten Papieren als holländischer Fremdarbeiter für die Bauorganisation Todt nach Frankreich.

Er schließt sich dem Jüdischen Widerstand an; Eintritt in die Organisation Juive de Combat

Lagor (Pyrénées-Atlantiques

Die Widerstandsgruppe COR

Kurt Reilinger („Nanno“) ist neben Max Windmüller („Cor“) ein führender Widerstandskämpfer der Gruppe des holländischen Hechaluz, die ab dem Frühjahr 1943 von Paris aus 150 untergetauchte Pioniere mit gefälschten Papieren aus Holland über Belgien nach Frankreich schleust. Von diesen können etwa 80 Chaluzim über die Pyrenäen nach Spanien gerettet werden.

Verhaftung durch den SD/BDS Paris

27.4.1944 Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Alfred Fraenkel (Zippi) und Susi Hermann infolge eines Verrates verhaftet in Paris.

18.7.1944 ein geheimes Treffen der jüdischen Résistance in Paris, Rue Erlanger zur Vorbereitung der Befreiung der vier Inhaftierten wird von der Gestapo gestürmt, infolge des Verrats durch den Doppelagenten Karl Rebh. Ernst Ascher, Ernst Hirsch, Paul Wolff, Gerd Sperber, Max Windmüller Maurice Loebenberg verhaftet. Max Windmüller wird zunächst als politischer Nichtjude unter seinem Decknamen arrestiert. Die Verhafteten wurden in das BDS-Hauptquartier in die Rue de la Pompe verbracht, verhört und auch gefoltert, Loebenberg starb in der Folge. Die Gruppe wird in das das Gefängnis Fresnes gebracht. Von der Gruppe um Cor waren in Fresnes inhaftiert: Max Windmüller, Kurt Reilinger, Ernst Hirsch (Willy), Alfred Fraenkel (Zippi), Ernst Ascher, Paul Wolff, Paula Kaufmann, Gerd Sperber; aus der französischen Gruppe u.a. René Kapel, Jacquel-Lazarus.

Anfang August Verlegung der Gruppe in das Sammel-und Durchgangslager Drancy. Vor der Aufgabe von Drancy werden vom Hauptsturmführer Alois Brunner, einer der engsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns, für den letzten Transport Nr 78 aus Drancy 51 Personen bestimmt. Neben jüdischen „Prominenten“, wie der Flugzeugkonstrukteur Marcel Bloch-Dassault, die illegale Leitung der Armée Juive in Paris und die Gruppe um Kurt Reilinger.

17.8.1944 die männlichen Gruppenmitglieder werden in einem Wagen mit der Aufschrift „Juden Terroristen“ nach Buchenwald transportiert

25.8.1944 Wegen der durch alliierte Angriffe massivbeeinträchtigten französischen und belgische Bahnstrecken erreicht der Zug das Konzentrationslager Buchenwald erst nach neun Tagen

Gruppe COR in Buchenwald: Ernst Ascher, Ernst Hirsch, Paul Wolff, Gerd Sperber, Max Windmüller, Kurt Reilinger

Buchenwald-Außenlager „Martha“ in Mülhausen

11.9.1944 nach der obligatorischen Quarantäne in Block 57 im kleinen Lager von Buchenwald Überstellung von Paul Wolff in das Buchenwald-Außenlager „Martha“

Nach Verlagerung der Schönebecker Junkers Flugzeug- und Motorenwerke Mühlhausen in die Fabrikhalle der Thuringia – Kammgarnspinnerei GmbH (Tarnbezeichnung Martha) entstand dort im April 1944 ein Arbeitslager. Etwa 660 männliche Häftlinge wurden aus dem Außenlager Schönebeck und aus dem KL Buchenwald nach Mühlhausen verlegt. Paul Wolff musste in Mülhausen zwölf Stunden täglich in der Produktion von Untergestelle für Junkers Flugzeuge arbeiten.

2.4.1945 Räumung des Außenlagers Martha; Rückkehr in das KL Buchenwald unter Begleitung von SS-Wachmannschaften ohne Todesopfer.

Todesmarsch

4.4. Ankunft von Paul Wolff mit den Häftlingen aus dem Lager Martha im KL Buchenwald; Unterbringung im „Kleinen Lager“

5.4.1945 Himmlers Befehl zur Evakuierung von Buchenwald (47500 Häftlinge)

6.-10.4.1945 Die SS beginnt mit der Evakuierung des Konzentrationslagers; etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager werden auf insgesamt 60 Marschrouten – meist zu Fuß – auf die Todesmärsche getrieben, 12000 (Schätzung) kommen auf diesen Märschen um.

6.4. 1945 von den ca. 6000 Juden im Lager, können etwa 3000 versteckt werden; 3105 Juden werden im Lager zusammengetrieben, in den Werkshallen der DAW (Deutsche Ausrüstungswerke) eingesperrt und Richtung Flossenburg in Marsch gesetzt

3105 Juden in offenen und geschlossenen Güterwagen nach Flossenbürg abtransportiert, darunter auch Paul Wolff und Max Windmüller; ab Flossenbürg Todesmarsch zu Fuß Richtung Dachau

Die Ermordung von Max Windmüller

21.4.1945 Paul Wolff, Augenzeuge der Ermordung von Max Windmüller bei Winklarn in der Oberpfalz, berichtet:

„Max hockte sich auf die Knie, um aus einer Pfütze zu trinken. Er hatte keine Kraft mehr, um aufzustehen. Der Schuss der SS-Wache traf ihn von hinten. Er war sofort tot.“

Befreiung in Cham

Koblenz-Izbica

22.3.1942 Vater Ferdinand mit seinem Bruder Simon und dessen Frau Lina sowie deren Sohn Fritz (*31.5.1924)

Luxemburg-Theresienstadt-Auschwitz

6.4.1943 Schwester Herta aus dem Sammellager Fünfbrunnen in Luxemburg ins Ghetto Theresienstadt

15.5.1944 Schwester Herta aus dem Ghetto Theresienstadt auf dem Transport nach Auschwitz

Weiter nach Stutthof?

Nachkriegszeit

Nach der Befreiung zunächst wegen Typhus (Fleckfieber(?) ins Lazarett.

1945 Aufenthalte in Holland und Frankreich, dann Rückkehr  nach Kobern

1953 Verkauf des Elternhauses nach Restitution

Alija beth

10.12.1946, seine Entlassung aus Atlith ist mit dem 10.12.1946 notiert; am 1.11.1946 war die SS LATRUN von Frankreich gekommen.

Kibbuz Yakum

Wie auch Chaluz Alfred Fränkel geht er in den Kibbuz Yakum

Gedenken

21.10.2019 Stolpersteine für Paul, seine Eltern und Schwester in Kobern, Marktstraße 40 im Beisein der Tochter Warda und Familie

Quellen

https://gfh-archive.org

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de834262

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Danuta Czech, Lagerbuch von Auschwitz

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110

August 1946 Hechaluz Liste Überlebende in den Niederlanden

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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