Edith Weil

*21.12.1924 in Augsburg; ✡28.1.1944 in Auschwitz
Religion jüdisch
Staatsangehörigkeit deutsch
Vater Hermann Weil *9.6.1883 in Buchau; ✡28.1.1944 in Auschwitz
Heirat der Eltern 11.9.1921 in Augsburg
Mutter Selma Oberdorfer *23.8.1893 in Hainsfarth; ✡ 1943 in Auschwitz
Großeltern Abraham Heil aus Kappel *11.3.1848 und Julie Dreyfuss *16.12.1855
Großmutter Karoline Oberdorfer, geb. Steiner *1864; 13.8.1942 in Theresienstadt
Onkel Siegfried Weil; Julius Weil (*1887); Herbert Oberdorfer
Tante Amalie Weil geb. Lamm *27.2.1895; ✡ 1943 in Auschwitz
Cousine Marianne Weil *8.1.1922 in Augsburg;✡ 1943 in Auschwitz
Geschwister
Leo Arie Weil *17.6.1922 in Augsburg; ✡ 2019
Beruf Kantinenbedienung
Adressen Augsburg Pfersee, Halterstraße 6; Amsterdam;
Heirat ledig
Weiterer Lebensweg
1935 bis 1938 Besuch der Maria-Theresia-Schule von in den Klassen 1–4.
14.11.1938 gemäß Ministerialerlass der Schule verwiesen
Emigration nach Amsterdam
28.8.1936 Reise von Leo Weil mit der Mutter zu Onkel Herbert Oberdorfer nach Amsterdam
Besuch der Ingenieurschule in Amsterdam; eine Anstellung als Elektrotechniker bei Philips wird ihm nach Mai 1940 verweigert
12.2.1939 Emigration von Vater Hermann und Edith nach Zevenaar;
Vater Hermann in Flüchtlingsunterkünften in Rotterdam und Amsterdam

Edith bis Oktober 1940 in diversen Flüchtlingskinderheimen

12.2.1939 KL Smitoord, Losser; Aufnahmebuch

25.8.1939 Huize Kraaybeek, Hoofdstraat 63, Driebergen
21.5.1940 Oostelijke Handelskade, Amsterdam
12.6.1940 Mädchen-Waisenhaus, Rapenburgerstraat 171, Amsterdam
Werkdorp Nieuwe Sluis

10.10.1940 Edith Weil zur Hachschara von Amsterdam ins Werkdorp Nieuwe Sluis, Wieringen, Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
3.9.1941Edith Weil angemeldet Amsterdam, Dongestr. 1-a bei Cohen
Deutsche Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Mutter Selma in Augsburg, Halderstraße 6
Kamp Westerbork
Schwester Edith als Bedienung in der Kantine des Jods Raad in Amsterdam auf der AuBe-Liste (Ausnahmebescheinigung des JR)

Vater Hermann und Schwester Edith lehnten ab, von dem bereits in der Illegalität lebenden Bruder Leo nach Frankreich geschleust zu werden.
Verhaftet als „Onderduiker“ im Versteck; eingewiesen als Strafgefangene in das KL Vught
25.1.1944 auf dem Transport von Westerbork nach Auschwitz
Mutter Selma
Mutter Selma blieb zur Betreuung ihrer Mutter Karoline in Augsburg zurück.
31.7.1942 Großmutter Karoline auf dem Transport von München nach Theresienstadt
1.9.1941-3.3.1943 Cousine Marianne als Zwangsarbeiterin in der Augsburger Ballonfabrik

4.8.1942 -3.3.1943 Mutter Selma als Zwangsarbeiterin in der Augsburger Ballonfabrik
Fabrikaktion
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert


13.3.1943 Mutter Selma zusammen mit Schwägerin Mali Weil und Nichte Marianne auf dem Transport von 97 Juden aus Augsburg über München nach Auschwitz
Quellen
http://www.dokin.nl/deceased_children/edith-weil-born-21-dec-1924/
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Weil%20leo%22%7D
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Hermann%20Weil%201883%22%7D
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Weil%20Edith%22%7D
Passagierlisten, United Kingdom and Ireland 1890-1960
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de986941
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de987135
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de987646
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430313-11a.jpg
https://www.joodsmonument.nl/en/page/681538/leopold-weil
https://www.amsterdam.nl/stadsarchief/themasites/razzia
https://hdbg.eu/zeitzeugen/detail/holocaust-shoah/leo-weil/280
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Leo Weil, 28.7.1995 in München.
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316