Heymann Arnold

Aron Arnold Heymann

*22.1.1887 in Fürstenwalde; ✡18.7.1943 in Riga

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater unbekannt

Mutter unbekannt

Geschwister unbekannt

Beruf Kaufmann

Adressen Gelsenkirchen, Wanner Straße 131, Schalker Straße 36

Heirat Bianka Beila Schrimmer *7.8.1896 in Santomischel, Posen; ✡ 9.1.1945 KL Stutthof

Kinder

Ruth Chaye Guta Heymann *19.1.1925 in Gelsenkirchen; oo Henryk Fiergang (1919-1993)

Helga Hinde Heymann *26.1.1927 in Gelsenkirchen; ✡ in Stutthof

Helga Heymann neben Lehrer Abraham Weinstock in der vorderen Mädchen-Doppelreihe die erste links, Ruth Heymann die dritte von rechts

Weiterer Lebensweg

1929 Zuzug der Familie nach Gelsenkirchen, Wanner Straße 131

Aufbaulager Dumte, Steinfurt Laer und Altenberge

Wegen wiederholter Überflutung landwirtschaftlicher Flächen durch die Aa im Kreis Steinfurt wurden vom „Wasser- und Bodenverband Steinfurter Aa“ Maßnahmen zur Regulierung und Begradigung der Aa im Kreis Steinfurt beschlossen, für die das Landesarbeitsamt Dortmund Arbeitslose aus Westfalen zuteilen sollte.

Das erste Lager wurde 1936 in einer ehemaligen Ziegelei in Dumte bei Borghorst erbaut. Es war durch Drahtzaun, Busch- und Baumbestand vor neugierigen Blicken geschützt. Bewacht wurde es vom zivilen Lagerführer Otto Rautenberg. Die einzige Ausstattung bestand nach einem Bericht eines Überlebenden aus Strohsäcken.

1938 wurden auf der Grundlage des „Geschlossenen Arbeitseinsatzes“ für arbeitslose Juden, die zuvor zumeist als Kaufmann ihrer Existenzgrundlage beraubt worden waren, reichsweit entsprechende Zwangsarbeiterlager möglich.

In der Arbeits-Bestandsliste von 1939 werden 36 Juden genannt.

Minderheitenvolkszählung

17.5.1939 Arnold und Betty Heymann mit beiden Töchtern in Gelsenkirchen bei Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 im Aufbaulager Dumte bei Borghorst wurden 62 Zwangsarbeiter erfasst, überwiegend aus Westfalen, 16 aus Frankfurt

17.5.1939 Arnold Heymann im Aufbaulager Laer Steinfurt mit 46 Zwangsarbeitern erfasst (18 aus Frankfurt)

15.7.1940 In der erhaltenen Hausstandsliste von Laer, Altenburg 27 a findet sich sein Name unter den 35 jüdischen Zwangsarbeitern aber nicht mehr.

November 1939 Töchter Helga und Ruth nach Hamburg (Hachschara Wilhelminenhöhe?)

Mai 1941 Helga und Ruth zurück aus Hamburg nach Gelsenkirchen, Schalker Straße 36

Ghetto Riga

Jan. 1942 Deportationsbefehl der Gestapo,

24-26.1.1942 Verbringung der Juden aus dem Präsidialbezirk Recklinghausen in das Sammellager Ausstellungshallen am Wildenbruchplatz
27.1.1942 Chronik der Stadt Gelsenkirchen:

„In den städtischen Ausstellungshallen ist ein Judensammeltransport zusammengestellt worden. Es handelt sich um 506 Juden aus dem Präsidialbezirk Recklinghausen, die heute nach den Ostgebieten evakuiert werden. Unter ihnen befinden sich 350 Personen aus Gelsenkirchen. Vorerst verbleiben in unserer Stadt noch 132 meist alte und kränkliche Juden“.

27.1.1942 Transport von Gelsenkirchen über Dortmund nach Riga-Skirotawa

1.2.1942 Ankunft Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga

Juli bis 2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung; Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer

16.7.1943 Bianka Heymann auf der Frauenappell-Liste zum Antreten auf dem Blechplatz nach Auflösung der bisherigen Arbeitskommandos; die überwiegende Zahl der Außenlager des KL Kaiserwald wurden am 18.8.1943 eingerichtet.

18.7.1943 Tod von Arnold Heymann in Riga, im Arbeitslager Spilve, Außenlager des KL Kaiserwald, welches vom 5.7.1943 bis 6.8.1944 bestand; Zwangsarbeit auf dem Flugplatz Spilve, Fliegerhorst der Luftwaffe, 10 km von Riga

3.11.1943 Große Selektion bei Auflösung des Ghetto Riga

November 1943 im Armeebekleidungsamt ABA 701 in Mühlgraben, Kasernierung

Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga

19.7.1944 Beila mit den Töchtern Helga und Ruth in das KL Kauen (Kowno)

Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof

6.8.-9.8.1944 Erster Großer Transport mit der „Bremerhaven“ von Riga nach Danzig

28.9.-1.10.1944 3155 Häftlinge aus Riga Kaiserwald, 300 von der Lenta auf dem Frachtschiff „Kanonier“ von Riga->Danzig

9.1.1945 Tod von Bianka Heymann im Block L2 des KL Stutthof; Diagnose des SS-Standortarztes: „Herz- allgemeine Körperschwäche“

Ruth Heymann überlebte und kehrte im Oktober 1945 nach Gelsenkirchen zurück.

22.10.1946 Heirat von Ruth Heymann mit Henryk Fiergang in Hilpoltstein

Ruth Fiergang wiederholt zu Besuch in Gelsenkirchen

Gedenken

17.11.1887 Page of Testimony für Beila, Ruth und Helga von Cousine Rema Doron Fiergang

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4492622

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420127-Gelsenkirchen6.jpg

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de855281

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de855233

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de855336

https://objekte.jmberlin.de/object/jmb-obj-116602/Namenliste+von+Frauen+im+Rigaer+Ghetto?se=Suche&qps=q%3DGhetto%2BRiga

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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