Heinz Will
*5.12.1911 in Neustettin; ✡ 20.4.1942 in Leeds
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Adolf Will *28.3.1876 in Schönlanke; ✡ Warschau
Mutter Laura Sommerfeld *8.6.1889 in Neustettin; ✡ ?
Onkel Isidor Will*28.3.1876 in Schönlanke; ✡ Warschau
Mutter Laura Sommerfeld *8.6.1889 in Neustettin; ✡ ?
Geschwister
Gerhard Will *27.11.1913 in Neustettin; 1993 in Melbourne; oo Ruth Neuhaus
Arno Will *26.5.1928 in Neustettin;
Beruf Gärtnerpraktikant;
Adressen Neustettin; Augsburg Armenhausgasse;
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Hachschara im Beth Chaluz Augsburg
Heinz Will zur Hachschara als Gärtnerpraktikant nach Augsburg in das Beth Chaluz in die Friedberger Straße 9, dann in der Armenhausgasse B 121 a (21), Träger war der Hechaluz; das Beth Chaluz befand sich bis 1937 in der Bernheimer-Villa in der Friedberger Straße 9; von Augsburg gingen viele Jugendliche auf das Hachschara Gut Bannacker in Augsburg-Bergheim, der Hechaluz betrieb dort in Haus drei eine landwirtschaftliche Ausbildung
Novemberpogrom
10.11.1938 33 Chaluzim verhaftet in Augsburg im Novemberpogrom, Heinz Will mit insgesamt 28 über 18- Jährigen Chaluzim aus dem Wohnheim für jüdische Auszubildende in der Armenhausgasse, „Schutzhaft“ in Dachau; Häftlingsnummer 21213

8.12.1938 Entlassung aus dem KL Dachau mit der Auflage, Deutschland zu verlassen
Vater Adolf verhaftet in Neustett9in
29.11.1928 Entlassung des Vaters aus dem KL Sachsenhausen
5.4.1939 die fünf Chaluzim Hans Bandmann, Fritz Laufer, Heinrich Kampf, Albert Neuner und Hans Wessely aus dem Beit Chaluz Augsburg zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis
Flucht nach England
Frühjahr 1939 eine große Gruppe der in Augsburg verhafteten Chawerim kann mit den von Alex Moch in London besorgten 150 Visa nach England reisen
Eintritt als Private in das Ordnance Corps (Artillerie) der Royal Army
Minderheitenzählung
17.5.1939 beide Eltern und Onkel Isidor in Neustettin, Bismarckstraße 69
Deportation der Juden aus Stettin am 13.2.1940
Am 12. Februar 1940 erhielten die Stettiner Juden den Befehl, sich binnen nur sieben Stunden für den Abtransport bereitzuhalten. Anschließend wurden sie in das Ghetto Lublin deportiert. Die Umstände, unter denen diese erste Massenverschleppung von Juden aus dem »Altreich« erfolgte, waren furchtbar. Elsa Meyring selbst berichtete später von der Deportationsaktion, die die Juden Stettins völlig unvorbereitet traf. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt wurden etwa 1100 Juden, darunter viele Kinder und ältere Menschen, in einer mehrere Tage dauernden Fahrt in ungeheizten Waggons in den Bezirk Lublin gebracht, wo sie vom Ankunftsbahnhof aus auf Gewaltmärsche in die ihnen zugewiesenen Aufenthaltsorte getrieben wurden. Bereits auf der Zugfahrt und den Märschen starben die ersten Menschen, während andere Erfrierungen und Verletzungen erlitten, die später zum Tode führen sollten.
13.2.1940 Deportation von 1107 Stettiner Juden nach Lublin. Die dänische Zeitung „Politiken“ berichtet am 17.2.1940:
„In den Nachtstunden des 12. zum 13. Februar wurden in Stettin sämtliche Juden abtransportiert… Zwischen 3 und 4 Uhr am Morgen des 13. Februar wurden die Juden mit Frauen und Kindern ohne Rücksicht auf ihr Alter und ihren Gesundheitszustand durch je zwei Posten der SS und der SA aus ihren Wohnungen geholt und zum Güterbahnhof Stettin gebracht, von wo aus der Abtransport nach Ostpolen in den frühen Morgenstunden des Dienstag erfolgte. Auch die Insassen der beiden jüdischen Altersheime in Stettin, ca. 82 Personen, darunter Frauen und Männer über 90 Jahre, wurden deportiert. Soweit sie nicht mehr zu gehen imstande waren, wurden sie auf Tragbahren zum Güterbahnhof gebracht… Bereits auf der Durchfahrt durch Schneidemühl – etwa 24 Stunden nach dem Abtransport – mussten die ersten Leichen aus dem Deportationszug entfernt werden. Es handelte sich zunächst um eine Frauenleiche, der später die Leichen von zwei Kindern folgten. Einige andere Personen lagen im Sterben, wie Zurufe aus den Wagenfenstern des Zuges an den Stationsvorsteher des Bahnhofs besagten.“
Die Deportation der Juden aus Schneidemühl am 21.2.1940
Februar 1940 viele Juden aus Schönlanke in das provisorische Gefängnis in Schneidemühl
21.2.1940 Verbringung von 544 Juden aus Schneidemühl in die Sammellager Leichenhalle des Friedhofs, das Haus der jüdischen Gemeinde sowie in das Bürgergarten Restaurant „Straubel’s Tivoli“ wo sie einige Wochen festgehalten wurden
Deportation in das am 1.4.1940 neu eröffnete „Jüdische Arbeitsheim“ Radinkendorf bei Beeskow, das viele der 1940 aus dem Regierungsbezirk Schneidemühl ausgewiesenen Juden aufnehmen musste.
Eine für das RSHA erstellte Liste vom 9.4.1940 beschreibt die Räumung des Bezirks Schneidemühl:
„Am 21. Februar 1940 wurden die im Regierungsbezirk Schneidemühl wohnhaften Juden im Ort Schneidemühl gesammelt und im Gemeindehaus sowie in der jüdischen Leichenhalle notdürftig untergebracht. Es handelte sich um insgesamt 544 Personen. Am 22. Februar wurden 104 Personen nach Neuendorf überführt. Von diesen kamen zum Forsteinsatz 25 Personen, in Heime und Pflegeanstalten 16 Kinder, ins Krankenhaus 3 Kinder, ins Altersheim Friedenstr. 15 Personen, ins Siechenheim Lichterfelde (Jungfernstieg 15) 2 Personen, in die Sammelpflegestelle Elsässerstrasse (Nr. 85) 3 Personen; in Neuendorf befinden sich 40 Personen. Am 27. Februar wurden mit einem Krankentransport 17 Personen in das Siechenheim Lichterfelde verbracht. Es sind davon 4 Personen verstorben. Am 11. März wurden 165 Personen in das Durchgangslager Glowno b/Posen abtransportiert. Diese wurden am 2.4. und 6.4. aus Glowno entlassen, und zwar nach Neuendorf 65 Personen, nach Radinkendorf 45 Personen, in ein Heim in Bielefeld 38 Personen, in das Altersheim Friedenstrasse 7 Personen, in das Siechenheim Berlin-Lichterfelde 4 Personen, in Pflegestellen Berlin 2 Kinder, in Glowno verstorben 3 Personen, im Krankenhaus Posen verblieben 1 Person. Aus Schneidemühl sind am 4. April 49 Personen verbracht worden, und zwar sind 22 Kinder in Heime und Pflegestellen in Berlin, 27 Erwachsene nach Radinkendorf gekommen. Zur Einzelentlassung kamen (vor allem ins Krankenhaus) 6 Personen, in Schneidemühl verstorben sind 4 Personen. Es befinden sich noch in Schneidemühl 199 Personen.“
21.2.1940 beide Eltern mit Sohn Arno in das provisorisches Gefängnis´ Schneidemühl,
Im Transport vom 3.4. aus Frankfurt/Oder befand sich ebenfalls eine große Zahl von Schneidemühler Juden, die im Landwerk Neuendorf oder weiteren Forst- und Ernteeinsatzlagern untergebracht gewesen waren

1942 Bruder Arno in das Baruch Auerbach’sche Jüdische Waisenhaus in Berlin
4.4.1942 beide Eltern nach Radinkendorf, Arbeitslager
13.4.1942 die zur Deportation eingeteilten Menschen aus 60 Orten des Regierungsbezirks Potsdam über den Bahnhof Moabit in das Sammellager der Berliner Synagoge Levetzowstraße. Fast ein Drittel von ihnen war zuvor im „Jüdischen Arbeitsheim“ Radinkendorf untergebracht

13./4.4.1942 Transport der Eltern mit Sohn Arno aus Radinkendorf ab Potsdam ins Ghetto Warschau
Gedenken

Grabstein für Heinz Will auf dem Hebrew Cemetery in Leeds an der Geldard Road
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10781674
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1180236
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1180078
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1180305
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10748388
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429448