Steinhardt Horst

Horst Steinhardt

*27.7.1924 in Berlin; ✡ vor Oktober 1942 in Auschwitz

Religion jüdisch

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Albert Steinhardt *22.10.1885 in Bonn; ✡ 8.9.1941 im KL Buchenwald

Mutter Hilda Rosenberg *19.2.1887 in Hersfeld; ✡ 1943 in Auschwitz

Die Ehe der Eltern wurde geschieden

Onkel

Josef Steinhardt *19.9.1918 in Rogowo; ✡ ?

Berthold Rosenberg *30.5.1894 in Hannover; Sept. 1942 Auschwitz

Geschwister

Hans Günter Steinhardt *10.6.1920 in Berlin; ✡ 1943 in Auschwitz

Beruf Schmied;

Adressen Berlin, Goßlerstraße 30; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat ledig

Kinder –

Weiterer Lebensweg

Vater in Amsterdam

1909 Vater Alfred mit 23 in Amsterdam angemeldet

14.8.1918 wird der Vater behördlich nach Deutschland abgeschoben

Ostern 1930 Einschulung von Horst Steinhardt in Berlin

10.5.1938 Schulabgang

Verurteilung wegen Homosexualität

1.9.1935 Erste Verurteilung des Vaters Albert nach §175 wegen homosexueller Handlungen zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten

September 1939 weitere Verurteilung des Vaters zu 2 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus, Zahlung von 1000 Reichsmark und drei Jahren Ehrverlust

10.1.1940 bis 28.7.1941 Vater im Zuchthaus Brandenburg/Havel

4.9.1941 Einweisung des Vaters in das KL Buchenwald als BV (Befristete Vorbeugehaft, im Lager-Jargon fälschlich „Berufverbrecher“)

8.9.1941 Tod des Vaters im KL Buchenwald

Novemberpogrom

13.12.1938 mit Kindertransport nach Rhede, Revierenhuis

19.4.1939 Verlegung in das Dommelhuis in Eindhoven

31.10.1939 Anfrage seines Onkel Josef Steinhardt, seinen Neffen Horst für eine Woche zu sich nach Amsterdam, Biesboschstraat 17 nehmen zu können. Der Bitte wird am 3. 11.1939 vom Ministerium entsprochen.

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 beide Großeltern mit ihren Kindern Siegfried und Rita Steinhardt sowie Großonkel Adolf Steinhardt in Winzig Wohlau, Wohlauer-Vorstadt 191

17.5.1939 Mutter Hilda und Bruder Hans in Berlin, Prinzenstraße 52

Werkdorp Nieuwe Sluis

26.2.1940 Horst Steinhardt zur Hachschara von Eindhoven ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ war die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Im Werkdorp lässt er sich zum Schmied ausbilden.

15.3.1940 Onkel Josef Steinhardt auch zur Hachschara ins Werkdorp

10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande.

Die Schlichim (Plural von Schaliach) aus Palästina mit ihrem Britischen Pässen wurden als „feindliche Ausländer“ verhaftet (Uri Koch, Mosche Katznelson, Zwi Kuttner).

10.1.1941 Beginn der systematischen Registrierung der Juden in den Niederlanden

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Horst Steinhardt wird von seinem Onkel Rosenberg, Amsterdam, Meerhuizenplein 2-hs aufgenommen

Dritte große Razzia in Amsterdam

Erster großer Massentransport aus den Niederlanden

5.7.1942 die ersten Aufrufe Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden. Damals bestand beim Hechaluz noch die Auffassung, man solle sich deportieren lassen, in der irrigen Annahme, es handele sich um Arbeitseinsätze

14.7.1942 Verbringung und Registrierung in Westerbork

15.7.1942 Horst Steinhardt auf dem ersten großen Massentransport von Hooghalen nach Auschwitz.

Das von den niederländischen Behörden für die ersten Transporte festgelegte Todesdatum vom 30.9.1942 ist fiktiv

4.9.1942 Deportation des Onkel Berthold Rosenberg nach Auschwitz

Berlin – Auschwitz

19.2.1942 Mutter Hilda und Bruder Hans auf dem 29. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

Nachkriegszeit

Onkel Josef Steinhardt überlebt als „Onderduiker“ im Versteck in Almelo-

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7188448

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/13038032

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130365264

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Rosenberg%201894%22%7D

www.werkdorpwieringermeer.nl/

http://www.werkdorpwieringermeer.nl/de/horst-steinhardt-3/

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

http://www.dokin.nl/deceased_children/horst-steinhardt-born-27-jul-1924/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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