May Hans

Hans May

*24.3.1921 in Frankfurt; ✡ 21.1.2008 Birkerød

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Berthold May *29.5.1879 in Darmstadt; ✡1942 Minsk

Mutter Karoline Lilly Wohlgemuth *7.11.1892 Bingerbrück; ✡ 1942 Minsk

Geschwister

Werner/Vernon May *6.9.1927 in Frankfurt; ✡ 11/1993 in Coventry; oo 1951 Janet Jeffrey

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Frankfurt, Bäckerweg 47 b; Neustadtgödens; Halbe; Kopenhagen

Heirat Solborg May *2.8.1922; ✡ 20.3.1996 in Birkerød

Kinder zwei

Evelyn May *27.8.1947 in Kopenhagen; ✡ 25.5.2016; oo Holm

Weiterer Lebensweg

Erster Weltkrieg

1916, 1917 und 1918 Vater Berthold May als Soldat der Feldartillerie 867  in den Preußischen Verlustlisten gemeldet als vermisst, in Gefangenschaft und zurückgekehrt

1927-1935 Volksschule in Frankfurt

Landwerk Halbe

20.6.1935 Hans May zur Hachschara ins Landwerk Halbe

Landwerk Halbe Jüdische Mustersiedlung und Landerziehungsheim Halbe (1919-1926) und Landwerk Halbe (1934-1938) für die Mittlere Hachschara (14-17 Jahre) in Trägerschaft des Makkabi; wie auch Ahrensdorf und Freienstein

Leiter Friedrich Perlstein

Das zweigeschossige Hauptgebäude verfügte im Erdgeschoss über einen Speisesaal für ca. 60 Personen, die Küche und den Schlafsaal der Mädchen, im Obergeschoss befanden sich Schlafräume und ein Waschraum. Das Haus auf der anderen Straßenseite beherbergte das Büro und Perlsteins Wohnung. In einer weiteren Baracke wohnten die „Umschichtler“ der „Älteren-Hachschara“. Die Felder mit den Ställen waren über einen Kilometer entfernt.

Horst Eick, berichtet:

„…Ich kann mich nicht an nennenswerte Probleme mit den Nachbarn in Halbe erinnern; im Allgemeinen tolerierten sie die Existenz der Schule. Ich erinnere mich jedoch an einen Vorfall, bei dem einheimische Jugendliche versuchten, die Schule ‚anzugreifen‘. Die älteren Kameraden – von denen einige Ringer waren – gingen hinunter und machten kurzen Prozess mit den Unruhestiftern, die sich übrigens nie wieder blicken ließen…“

Horst Eick mit Harmonika im Landwerk Halbe; ganz rechts Hans May

4.6.1937 Horst Eick zur Hachschara ins Landwerk Ahrensdorf

15.7.1937 Entlassungszeugnis für Hans May von Betriebsleiter Perlstein

Hans May berichtet:

„…1935 verließ ich die Schule und besuchte die Landwirtschaftsschule in Halbe… Ich war dort zwei Jahre lang; anschließend war geplant, dass ich über Hechaluz nach Palästina auswandern sollte. Da dies nicht sofort möglich war, wandte ich mich an das Arbeitsamt in meiner Heimatstadt Frankfurt, um Arbeit zu finden. Es war äußerst schwierig; niemand wollte einen Juden einstellen. Schließlich fand ich Arbeit bei einem Bauern im Taunus, doch schon nach wenigen Monaten erhielt ich die Nachricht, dass ich nun nach Palästina reisen könne. Ich reiste zurück nach Frankfurt, doch die Reise wurde abgesagt.“

Herbst 1937 bis März 1938 Einzelhachschara bei Viehhändlern in Ostfriesland

„Im Herbst 1937 erhielt ich eine Stelle auf einem Gut bei Leipzig, doch am Tag vor meiner geplanten Abreise bekam ich einen Brief, in dem es hieß, ich solle nun doch nicht kommen. Ich zerriss den Brief und machte mich trotzdem auf den Weg. Spät am Abend traf ich auf dem Gut ein, wo mich ein etwas überraschter Verwalter fragte, ob ich nicht einen Brief erhalten habe. Ich wusste nichts von irgendeinem Brief und sah so niedergeschlagen aus, dass der Verwalter die Gutsbesitzer – zwei jüdische Viehhändler in Ostfriesland – anrief; sie boten mir eine Stelle auf ihrem dortigen Gut an. Ich erhielt Geld für die Reise und fuhr nach Ostfriesland. Im Frühjahr traf ein weiterer Brief ein, in dem es hieß, ich könne nach Palästina reisen, doch es ergab sich ein Problem: Meine Arbeitgeber wollten mich nicht gehen lassen. Am nächsten Abend lief ich davon; ein Kollege fuhr mich zum Bahnhof, und am nächsten Morgen kam ich in Osnabrück an, wo ich erfuhr, dass Deutschland Österreich annektiert hatte.“

Hachschara nach Dänemark

„Die Reise nach Palästina wurde erneut abgesagt, aber ich war nun alt genug, um als unbezahlter landwirtschaftlicher Lehrling ins Ausland zu gehen, und es wurde beschlossen, dass ich nach Dänemark gehen sollte. Ich ging nach Berlin und beschaffte die notwendigen Papiere; am 2. August 1938 reiste ich von Frankfurt nach Dänemark.“

2.8.1938 Hans May aus Berlin zur Hachschara nach Dänemark; viele trafen zunächst auf Bauernhöfen bei Holbæk ein, bevor sie schließlich zum Hachschara Zentrum Roskilde weiterzogen, Hans May arbeitet auf Roskildegården.

9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

auf einer Fahrradtour durch Seeland, von links: Erwin Lipowski, Norbert Kammermann, Horst Eick und Hans May

Novemberpogrom

10.11.1938 Vater Berthold in Frankfurt verhaftet

11.11.1938 Transport der Frankfurt Juden ins KL Buchenwald; Häftlingsnummer 24.816

30.11.1938 frühe Entlassung des Vaters aus dem KL Buchenwald, bedingt durch den Frontkämpferstatus

2.12.1938 Ehefrau Lilly überweist 10 RM Reisegeld; Berthold May bereits entlassen

Kindertransport

März 1939 Bruder Werner May mit Kindertransport nach England

Minderheitenzählung

17.5.1939 beide Eltern in Frankfurt, Bäckerweg 47 b

Frankfurt Minsk

11./12.11.1941 beide Eltern auf dem Transport von Frankfurt nach Minsk

Bruder Werner/Vernon May irrtümlich auf der Transportliste, seit 1939 in England

Dänischer Zensus

5.11.1940 Hans May in Holbæk Old, Holbæk, Randers bei Fam. Olsen

Ausnahmezustand in Dänemark 1943

29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen

17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark

September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark

„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.

28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.

Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

6.10.1943 Hans May auf einem Fischerboot von Gilleleje in Dänemark nach Höganas in Schweden

6.10.1943 Rapport nach der Ankunft in Lund

Nachkriegszeit

1945 Rückkehr nach Dänemark

Gedenken

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Quellen

https://slaegtsbibliotek.dk/2024/946173.pdf

Preußische Verlustlisten

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278176

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de922083

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de922132

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411111-27.jpg

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://de.wikipedia.org/wiki/Landwerk_Halbe

https://objekte.jmberlin.de/gperson/jmb-pers-42895

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Lund-rapport_May__Hans.jpg

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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