Eick Horst

Horst Eick

*28.12.1918 in Berlin; ✡?

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Louis Eick * 26.11. 1877 in Krojanke, Westpreußen; ✡1.3.1943 in Auschwitz

Mutter Minna Seelig*20.7.1888 in Hirschberg, Riesengebirge; ✡1.3.1943 in Auschwitz

Großmutter Martha Seelig geb. Feistel *27.12.1866 in Rawitsch; ✡ 25.4.1944 Theresienstadt

Geschwister

Annette Eick *13.10.1909 in Berlin; ✡ 25.2.2010

Beruf landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Berlin, Kantstraße 128 b; Halbe; Roskilde;

Lebenspartnerschaft über 40 Jahremit Gertrude Klingel; + 1.4.1989 in Brixham

Weiterer Lebensweg

Landwerk Halbe

Ca 1935-1937 Horst Eick zur Hachschara ins Landwerk Halbe

Landwerk Halbe Jüdische Mustersiedlung und Landerziehungsheim Halbe (1919-1926) und Landwerk Halbe (1934-1938) für die Mittlere Hachschara (14-17 Jahre) in Trägerschaft des Makkabi; wie auch Ahrensdorf und Freienstein

Leiter Friedrich Perlstein

Das zweigeschossige Hauptgebäude verfügte im Erdgeschoss über einen Speisesaal für ca. 60 Personen, die Küche und den Schlafsaal der Mädchen, im Obergeschoss befanden sich Schlafräume und ein Waschraum. Das Haus auf der anderen Straßenseite beherbergte das Büro und Perlsteins Wohnung. In einer weiteren Baracke wohnten die „Umschichtler“ der „Älteren-Hachschara“. Die Felder mit den Ställen waren über einen Kilometer entfernt.

Horst Eick mit Harmonika im Landwerk Halbe; ganz rechts Hans May

Horst Eick, berichtet:

„…Ich kann mich nicht an nennenswerte Probleme mit den Nachbarn in Halbe erinnern; im Allgemeinen tolerierten sie die Existenz der Schule. Ich erinnere mich jedoch an einen Vorfall, bei dem einheimische Jugendliche versuchten, die Schule ‚anzugreifen‘. Die älteren Kameraden – von denen einige Ringer waren – gingen hinunter und machten kurzen Prozess mit den Unruhestiftern, die sich übrigens nie wieder blicken ließen…“

Bei der Polenaktion am 28.10.1938 ist das Landwerk Halbe verschont geblieben

10.11.1938 Novemberpogrom in Halbe; Diplomlandwirt Friedrich Perlstein ist Leiter des Landwerks

Perlstein dazu in einem Brief an das Ausgleichsamt des Kreises Bergstraße vom 7. 2. 1973:

„Am 9. November 1938 erschienen Lastautos, gefüllt mit schwarz uniformierten Sturmtruppen. Sie stürmten in die Gebäude und befahlen uns hinter dem Gebäude anzutreten. Es war stock dunkel und wir wurden mit starken Scheinwerfern geblendet. Untermischt mit Schimpfwörtern wurde uns erklärt, dass wir erschossen würden, aber vor der Hinrichtung sollten wir zusehen, wie sie das ‚Judennest‘ vollständig zerstören würden. Sie stohlen, was sie für sich haben wollten und zertrümmerten alles was in bestialischer Weise zerstört werden konnte.
Zum Schluss gaben sie den Befehl das Landwerk Halbe zu verlassen und erklärten mit grausamen Drohungen, dass sie morgen zurückkommen würden, um sich zu versichern, dass ihr Befehl ausgeführt wurde. Dann bestiegen sie ihre Lastwagen und verschwanden in der Nacht. Das war das Ende des Landwerk Halbe.“

Landwerk Ahrensdorf

4.6.1937 Horst Eick zur Hachschara ins Landwerk Ahrensdorf

Schwester Annette Eick

Annette Eickbesuchte eine Privatschule am Savignyplatz.

In den 1920er Jahren ist sie als Lesbierin häufig Gast der „Damenclubs“ von Berlin:

„Wir waren frei in Berlin. Wir konnten tun, was wir wollten.“

Sie schreibt Gedichte, Kurzgeschichten und Artikel unter anderem für die lesbische Wochenzeitschrift „Frauenliebe“, aber auch Filmkritiken für die Berliner Zeitung.

Seine Schwester schlug sich in England zunächst als Hausmädchen, Nanny und Krankenpflegerin durch.

1984 Gedichtband „Immortal Muse“, wegen seiner lesbischen Inhalte verbannt aus der Stadtbücherei von Brixham

1.4.1933 Boykott des Möbelgeschäft des Vaters in der Mommsenstraße im „Aprilboykott“

Novemberpogrom

10.11.1938 das Möbelgeschäft des Vaters wird vom SA-Mob völlig zerstört. 

Minderheitenvolkszählung

17.5.1939 beide Eltern in Berlin, Leibnizstraße 20

17.5.1939 Großmutter Olga in Berlin, Stallschreiberstraße 37

Waldgehöft Havelberg

16.5.1938 Schwester Annette Eick mit einer Gruppe von fünf durch die Berliner Zionistische Vereinigung BZV finanzierten Chaluzim von Berlin zur landwirtschaftlichen Hachschara ins Waldgehöft nördlich von Havelberg (1934-1941), Träger bis zum Pogrom November 1938 war der Hechaluz, dann die RVJD.

30.6.1938 Auf der Belegschaftsliste von Havelberg finden sich neben den Angestellten Horn und Werner Waitzfelder 12 Chaluzim und fünf Chaluzoth.

Im Novemberpogrom 1938 wird das Gehöft verwüstet. Die jungen Männer über 17 Jahre ins örtliche Polizeigefängnis gebracht. Annette Eick berichtet:

»Die Frau unseres Leiters (Johanna Horn) war auf der Farm geblieben und stand vor der Entbindung. Das Kind blieb im Bauch, sie hat furchtbar gelitten und ist daran gestorben.«

Johanna Horn ist auf dem jüdischen Friedhof unweit vom Waldgehöft begraben.

Annette kann in dem Chaos der Verwüstung des Waldgehöftes fliehen, dank der Frau eines Polizisten, die mit Absicht eine Tür nicht abgeschlossen hatte. Nachdem sie ihren Pass gefunden hatte, fuhr sie mit einem Fahrrad nach Berlin. Irgendwann überholte sie der Postbote und gab ihr einen Brief mit ihrem Visum für Großbritannien. Eine Bekannte aus den Tagen der lesbischen Clubs von Berlin beschaffte ihr ein „Domestic Permit“:

 „Hätte ich den Brief verpasst, ich wäre mit meinen Eltern in Auschwitz gelandet.“

Die Eltern lehnten eine Auswanderung ab:

„Die Leute, die schon etwas älter waren, dachten immer: So schlimm wird es schon nicht werden. Da nahm ich also meine paar Sachen und fuhr ab, vom Bahnhof Zoo. Am schlimmsten war, dass ich meine Eltern vom Bahnsteig winken sah und genau wusste, ich sehe sie nie wieder.“

Annettes kleinen Bruder Horst konnte das Ehepaar Eick noch in Sicherheit bringen: Er gelangte in einem der Kindertransporte nach Dänemark und lebte später in Schweden.

Als erste der Familie Eick wurde Minnas verwitwete Mutter Martha Olga Seelig deportiert. Am 4. Oktober 1942 verschleppte man die alte Frau nach Theresienstadt, wo sie noch anderthalb Jahre lang die Schikanen und Strapazen ertragen musste. Am 23. April 1944

Hachschara nach Dänemark

1938 Horst Eick aus Halbe zur Hachschara nach Dänemark; viele trafen zunächst auf Bauernhöfen bei Holbæk ein, bevor sie schließlich nach Roskilde weiterzogen

Hachschara Zentrum Roskilde; Horst Eick später in der Nähe von Holbæk arbeitete

Wohnt in Aasum, Odense

1939 Emigration von 500 garantierten Jugendlichen nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen

9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

auf einer Fahrradtour durch Seeland, von links: Erwin Lipowski, Norbert Kammermann, Horst Eick und Hans May

1943 Horst Eick zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt wegen Diebstahls

Ausnahmezustand in Dänemark 1943

29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen

17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark

September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark

„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.

28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.

Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

14.2.1944 Horst Eick erst nach seiner Gefängnisentlassung mit einem Boot von Kopenhagen über den Öresund nach Helsingborg, Schweden

22.11.1944 in Malmöhus, Helsingborg; zusammen mit Hanni Sroka, Edit Kraus, Willy Cohn

24.5.1945 Rückkehr von Horst Eick nach Dänemark

Deportationen

Minna und Louis Eick zur Untermiete in die Grolmannstraße 27 eingewiesen

14.10.1942 Großmutter Martha Seelig aus dem ehemaligen Jüdischen Krankenhaus in der Auguststraße 14-16 in Berlin-Mitte auf dem 3. Großen Alterstransport von Berlin nach Theresienstadt

26.2 1943 beide Eltern am Vorabend der Fabrikaktion auf dem 30. Osttransport vom Güterbahnhof Moabit nach Auschwitz

23.4.1944 Tod der Großmutter in Theresienstadt

Gedenken

Pages of Testimony

13.10.2010 Stolpersteine für die Eltern in Berlin, Sybelstraße 5

Quellen

https://slaegtsbibliotek.dk/2024/946173.pdf

Memories of Kenneth Renberg, Tulsa 2006, p. 15 (Archiv Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2006/1/116)

http://mjhnyc.org/exhibitions/courage-to-act-rescue-in-denmark/

https://safe-haven.dk

https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/stolpersteine/artikel.179530.php

https://www.stolpersteine-berlin.de/de/sybelstr/5/minna-eick

https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/P.M._Eick__Horst.pdf

Schweden, Haushalte-Untersuchungsbücher, 1840-1947

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11257767

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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