Schultz Herbert

Herbert Schultz auch Schulz

*4.3.1900 Grabow

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Vater unbekannt

Mutter unbekannt

Adressen Köln, Großer Griechenmarkt 134, Judenghettohaus

Heirat Anna Butter *10.9.1910 in Köln

Kinder

Josef Schulz *24.11.1936 in Köln; + 22.4.1944 bei der „Kinderaktion“ in Riga-Kaiserwald 

Max Mosche Schulz *9.9.1939 in Köln Buchheim; + 22.4.1944 bei der „Kinderaktion“

Weiterer Lebensweg

7.12.1941 Transport von Köln Bahnhof Deutz-Tief nach Skirotawa, Riga

10.12.1942 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga

Anfang Januar 1942 Leiter jüdische Zentralarbeitsstelle im Ghetto, für die Arbeitseinsätze von bis zu 18.000 Zwangsarbeitern zuständig; 16 Mitarbeiter im Büro; Büro später sogar außerhalb des Ghetto

7.1.1942 „Streik“ der Zentralarbeitsstelle, ein SS-Führer schlug die Mitarbeiter mit eine Peitsche

14.1.1941 Zentralarbeitsstelle öffnet wieder nach Entschuldigung des HSSPF

Ende Januar 1941stellt er die Liste mit 20 Polizisten für „Kommando Krause 1“ zusammen ( Gruben für die geplante Massenerschießungen ausheben)

März 1943 wurde die Zahl der »Arbeitsfähigen« in beiden Ghettos mit 11.726 angegeben

Sein Assistent war Josef Baum aus Köln, Vater von  Ernst

Mitte 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung

August 1943 Kommandant Scherwitz fordert bei ihm 400 Juden für Lenta an

2. November 1943 vollständige Räumung des Ghetto Riga

November 1943 nimmt Eduard Roschmann „seine“ jüdischen Funktionäre mit nach Lenta ( Dr. Hans Aufrecht, Max Leiser, Herbert Schultz, Josef Levy) und schickt die Leute von Schwerwitz ins KL Kaiserwald (Dr. Martin Caspary, Ordnungsdienst)

Für wenige Monate Gruppenältester im ABA 701 in Lenta

Wegen Überbelegung von Lenta zahlreiche Rückstellungen ins Stammlager Kaiserwald, auch Familie Schultz

22.4.1944 bei der „Kinderaktion“ in Riga-Kaiserwald werden beide Söhne umgebracht

Ende September 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga

Der letzte Transport aus Kaiserwald geht nach Libau

10.10.1944 Kaiserwaldtransport von Libau mit Ziel Gotenhafen (Danzig)

29.9.- 3.10.1944 140 Zwangsarbeiter ABA 701 mit dem Frachtschiff „Sanga“ nach Libau, Lettland

13.-14.10. 1944 Die letzten 50 Männer, 10 junge Frauen mit der „Drechtdijk“ auch „Drächtig“ nach Libau

SS-Sonderlager Libau in Lettland, Arbeit im Hafen, Be- und Entladen von Schiffen

22.10.1944 Fliegerangriff auf Liebau mit zwei Toten unter den Häftlingen

22.12.1944 schwerer russischer Bombenangriff auf die besetzte Stadt, 14 Lagerinhaftierte kommen um

19. 2. 1945 200 Häftlinge von Libau auf dem mit Granaten- und Patronenhülsen beladenen Kohlefrachter „Balkan“ über die Ostsee erst Richtung Lübeck, wegen Bombenangriffen umgeleitet nach Hamburg

27.2.1945 Ankunft in Hamburg, von der Gestapo in Gefängniswagen vom Hafen nach Fuhlsbüttel

27.2.1945 – 11.4.1945 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel „Kola-Fu“, Zuchthaus und Konzentrationslager

12.-15.4.1945 86 km Fußmarsch nach Kiel, ins „Arbeitserziehungslager“ (AEL) „Nordmark“ in Hassee, Außenlager des KL Neuengamme in Kiel.

Rettungsaktion „Graf Bernadotte“ durch das Schwedische Rote Kreuz

Nach Verhandlungen des schwedischen Graf Bernadotte und Norbert Masur vom World Jewish Congress, Stockholm mit Heinrich Himmler nahe Berlin werden 168 jüdische Häftlinge und ihre Kinder nach Schweden freigelassen.

1.5.1945 153 Juden mit weißen Bussen des Roten Kreuz nach Pattburg, Dänemark, Entlausung in der Quarantänestation; weiter mit dem Zug nach Kopenhagen

2.5.1945 mit der Fähre nach Malmö; erste Quarantäne ca. 10 Tage

4.5.1945 Befreiung des AEL Nordmark Hassee durch britische „Royal Army“

13.5.1945 in Smålandsstenar, Schweden in Quarantäne

8.6.1945 IRC-Recreation-Camp, Holsbybrunn Lidingo Schweden

Unterschriftensammlung in Holsbybrunn mit 72 Unterzeichnern, dass keine weiteren Untersuchungen gegen ihn in Schweden angestellt werden sollen

1947 in Landsvägsgatan34, II Göteborg; Auguste Levy „c/o Schultz“ wohnt bei ihm zur Untermiete

29.11.1948 Ehrengericht unter Leitung des Rabbiners Jacobson gegen Herbert Schultz:

„…sind dem Angeklagten Schultz brutale und eines Juden unwürdige Taten nachgewiesen.“

1971 Zeuge im Strafprozess gegen Oberwinder, Jahnke, Hemicker, Tuchel, Neumann & Draeger vor dem Landgericht Hamburg; ebenfalls als Zeugen Emma und Johanna Harf sowie Inge Rosenthal

1971 lebt in Minden

Quellen

Anita Kugler, Scherwitz: Der jüdische Offizier, Kiepenheuer & Witsch, 2017

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de969374

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de969390

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411207_38.jpg

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939  https://www.mappingthelives.org/

http://www.geschichtsverein-bordesholm.de/Veroeffentlichungen/Jahrbuecher/J06_7_Fentsahm_Evakuierungsmarsch.pdf

Käthe Fries, Schießen Sie mich nieder, Lukas Verlag 2017

Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008

Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984

Aufbau, Nach Schweden gerettet; Ausgabe vom 22.6.1945

Bernd Philipsen, Fred Zimmak, Hrsg., Wir sollten leben, Novalis 2020

Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick (Hrsg.), Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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