Lotte Kaiser
Ein Fragment
Jugend Alija Berlin
30.1.1933 Gründung des „Hilfskomitees für die Jüdische Jugend“ durch Recha Freier
30.5.1933 „Kinder- und Jugend-Alija“ nach Zusammenschluss mit weiteren Organisationen 1933 Recha Freier gründet die Jugend Alija mit dem Ziel 13-17 Jährige nach Palästina zu einer von Henrietta Szold als Leiterin des dortigen Jugend-Alijah-Büros organisierten Ausbildung vor Ort
Sitz der Organisation war in Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158; ein weiteres Büro gab es in London
Lotte Kaiser wird Recha Freiers Sekretärin
1936 Edgar Freund Sekretär der „Jüdischen Jugendhilfe“ Berlin mit Recha Freier
Die Kinder- und Jugend-Alija rettete 7600 Kinder aus Nazideutschland
Lotte Kaiser in Schniebinchen
1939 Lotte Kaiser als Madricha in Schniebinchen

Hartwig Langenbach, Benny Stein, Chaim Pinkus, Hans Wendel , Ludwig und Hilde Kuttner
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“
31.7.1941 Auflösung Schniebinchen, Ludwig Kuttner und seine Familie und eine Gruppe von Jugendlichen gehen ins Lager Paderborn, Fanny Bergas und andere ins Landwerk Neuendorf.
Berlin
1941 bestanden nur noch zwei jüdische Organisation in Berlin die Reichsvertretun der Juden und die Jugendalija
Oktober 1941 – Februar 1943 Arthur Posnanski Zwangsarbeit als Kohlenträger und in einer Lackfabrik in Berlin Weissensee;
Arthur Posnanski schreibt:
„In Berlin bemühten sich Lotte Kaiser und ich noch immer darum, weitere Verbindungen aufzubauen. … doch leider ohne viel Erfolg.“
1942 Lotte Kaiser Madricha einer jüdischen Jugendgruppe zusammen mit Arthur Posnanski
Jitzchak Schwersenz, auch Leiter einer Gruppe jüdischer Jugendlicher schreibt:
„Mit unserer Führerin Lotte Kaiser war ich in dem Büro der Gemeinde gewesen, um mich — wie so häufig — nach dem Stand unserer Dinge zu erkundigen. In den letzten Tagen hatte das Gerücht die Runde gemacht, daß _ nach anderen Gebieten des Reiches — nun auch in Berlin damit begonnen werden sollte-mit Deportationen… Und tatsächlich hatte man uns nun im Büro erklärt, dass in wenigen Tagen dieser Schrecken auch in Berlin seinen Einzug halten würde. Wir sprachen daraufhin mit Dr. Pick vom Palästinaamt alle Möglichkeiten durch, wie wir unsere Kinder retten könnten, und faßten einige vielleicht gangbare Wege dazu ins Auge.“
Arthur Posnanski schreibt dazu:
In der zweiten Hälfte des Jahres 1942 haben Lotte und ich einige Mitglieder dieser (Schwersenz) Gruppe kennengelernt. Ich muss sagen, dass zu diesem Zeitpunkt keiner von ihnen fähig gewesen wäre, sich in unsere Alija- Jugendgruppen einzufügen.“
1941 das letzte Treffen der Jugendalija

(v.l.n.r.) Lotte Kaiser, Arthur Posnanski, Hans-Wolfgang Cohn, Sonja Okun, Alfred Selbiger, Ludwig Kuttner, Kurt Silberpfennig, Jizchak Schwersenz, Herbert Growald; © Bildmaterial: Yoav Gad
Das weitere Schicksal von Lotte Kaiser ist unbekannt.
Quellen
Jitzchak Schwersenz, Jüdische Jugend im Untergrund. Eine zionistische Gruppe in Berlin während des Zweiten Weltkrieges
Arthur Posnanski, Im Untergrund bleiben oder „auf Transport“ gehen