Franken Erna

Erna Franken

*17.2.1924 in Friesheim, Köln; (Tod 1991 in Leeds ungesichert)

Staatsangehörigkeit

Religion jüdisch

Vater Salomon Franken *16.3.1890 in Friesheim; ✡ 9.10.1944 in Auschwitz

Mutter Else Weisbecker *16.1.1898 in Fischborn, Hessen; ✡ 9.10.1944 in Auschwitz

Großmutter Lina Weisbecker geb. Stühler  *4.2.1865 Untererthal, Bayern; ✡31.3.1944 Theresienstadt

Großvater Jakob Franken *27.10.1857 Friesheim; ✡26.7.1931 Friesheim; oo Henriette Keller (1854-1942)

Großtante Johanna Franken *22.5.1852 in Friesheim; ✡9.2.1917 in Recklinghausen; oo Moses Fröhlich (1857-1884)

Geschwister

Jenny Franken *29.5.1922 in Friesheim; ✡Januar 2025 in Israel; oo Bernhard Finkelstein

Zwilling Simon Franken *17.2.1924 in Friesheim, Köln; ✡?

Jakob Franken *10.2.1938 in Köln Buchheim; ✡ 9.10.1944 in Auschwitz

Beruf Landarbeiterin

Adressen Friesheim; Schniebinchen, Sorau

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

Das jüdische Umschulungslager Steckelsdorf-Ausbau

Schwester Fanny zur Hachschara in das jüdische Umschulungslager Landwerk Steckelsdorf-Ausbau bei Rathenow im Landkreis Jerichow II; Träger ist der Bachad, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch ‚Bund religiöser Pioniere‘;  Träger war zuletzt die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland RVJD. Das Anwesen gehörte als Jagdvilla einem Berliner Industriellen, der es einschließlich der dazugehörigen Gärtnerei 1936/37 seiner Jüdischen Gemeinde zur Einrichtung eines Erholungsheims schenkte.

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.

Seine geschiedene EhefrauMartha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:

Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Erna Franken mit 122 Personen, 1939 waren 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen

13.10. 1939 fuhren etwa 20 Chawerim, ab Schniebinchen über Sommerfeld und Breslau nach Wien, wo sie der Sonderhachschara (SH2) über die Schwarzmeerroute angeschlossen werden und auf der SS HILDA vor der Drei-Meilen-Zone von der Royal Navy vor Haifa geentert werden.

16.11.1939 eine Gruppe Chaluzim verlässt Schniebinchen zur der Sonderhachschara (SH5) über die Schwarzmeerroute, der Kladovtransport. Fast alle werden am 12./13.1941 in Zasavica durch Massenerschießungen der Wehrmacht ermordet.

29.1.1940 Erlaubnis der Briten im Hafen von Haifa zu landen, von wo sie mit Bussen in das britische Internierungslager nach Athlith verbracht werden

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Um­be­nen­nung „Jü­di­sches Ar­beits­ein­satz­lager“

31.7.1941 Auflösung Schniebinchen, Ludwig Kuttner und seine Familie und eine Gruppe von Jugendlichen gehen ins Lager Paderborn, Fanny Bergas und andere ins Landwerk Neuendorf.

Sammellager Bonn-Endenich – Theresienstadt – Auschwitz

Zwangseinweisung und Verbringung der Eltern, Bruder Jakob und Großmutter Lina Weissbecker in das Sammellager Bonn-Endenich

30. 4.1941 Beschlagnahme das Kloster „Maria Hilf“ in Endenich, Bonn, Kapellenstraße 6 durch die Bonner Gestapo in der Aktion „Klostersturm“; 140 Benediktinerinnen des Ordens „Zur ewigen Abetung“ müssen innerhalb von einer Stunde das Kloster räumen.

18.6.1941 erste Zwangseinweisungen der Juden aus der Region, Kloster „Maria Hilf“ wird zum Arbeits- und Wohnlager

20.1.1942 Wannsee-Konferenz zur „Endlösung“

April 1942 von 378 Internierten in der „Kapellenstraße 6“ müssen 93 Männer und 57 Frauen Zwangsarbeit leisten

14.6.1942 Verbringung der Juden aus dem Arbeits- und Wohnlager „Much“ in die „Kapellenstraße 6“

15.6.1942 Eltern, Bruder Jakob und Großmutter Lina Weissbecker auf dem Transport III/1 von Köln Deutz nach Theresienstadt

21.3.1944 Tod der Großmutter Lina Weissbecker in Theresienstadt

6.10.1944 Eltern und Bruder Jakob auf dem Transport E o von Theresienstadt nach Auschwitz

Gedenken

Pages of Testimony für die Eltern, Bruder Jakob und die Großmutter von Simon Franken

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de867898

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de867853

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de867868

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4982435

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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