Wolffs Benno

Benno Wolffs

*23.10.1910 in Aurich, ✡5.10.1995 in Atlanta

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Abraham „Pinseler“ Wolffs *18.1.1872 in Aurich; ✡ September 1942 in Kulmhof

Mutter Betty Wallheimer *19.11.1877 in Aurich; ✡ 7.9.1942 in Kulmhof

Geschwister

Wolf Wolffs *1904; ✡1986 in Beit Yitzhak-Sha’ar Hefer, HaSharon

Erna Wolffs *11.11.1905 in Aurich; 20.10.1942 in Auschwitz; oo Isaac Salomons (1901-1942)

Cousin Berni Wallheimer *22.5.1925 in Aurich; ✡ 5.2.2006 in Karkur Israel

Tanten in Recklinghausen

Fanny Hirschberg geb. Wallheimer *11.11.1890 in Aurich, ✡1.10.1944 Stutthoff

Erna Wallheimer *23.3.1896 oo 1923 Moses Wolff (*20.1.1898 Aurich), bis 2.9.1940 Bismarkstr.3

Beruf Maler und Anstreicher; Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Aurich; Hamburg Blankenese ; Berlin, Rosenstraße

Heirat Juli 1939 in Aurich mit Irma Frank *21.12.1914 in Vlotho; ✡ 16.7.2001 Atlanta;

Kinder

Michael Wolffs *1944; ✡ 20.8.1990

Die Hachschara-Bewegung

In den ersten acht Jahren der Nazi-Diktatur bis zum Beginn des Russland-Feldzuges 1941 wurden Auswanderungsaktivitäten jüdischer Organisationen nicht nur geduldet, sondern sogar gefordert.

Am 25. August 1933 wurde nach dreimonatigen Verhandlungen zwischen der Jewish Agency, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und dem deutschen Reichsministerium für Wirtschaft zur Erleichterung der Emigration und Förderung des deutschen Exports eine entsprechende Vereinbarung geschlossen.

Im gesamten „Deutschen Reich“ entstanden überwiegend landwirtschaftliche Ausbildungsstätten für jüdische Mädchen und Jungen, sogenannte Hachschara-Stätten (Hachschara hebräisch für Ertüchtigung).

So bestanden 1935 31 Hachschara-Lehrbetriebe für Landwirtschaft und Gärtnerei in Deutschland, in denen sich die „Chaluzim“ (hebräisch für Pioniere) durch Erlernen eines landwirtschaftlichen Berufs für ihre Auswanderung nach Palästina (Alija) vorbereiteten.

Der entsprechende Nachweis durch die jüdische Dachorganisation Hechaluz bildete die Voraussetzung für die Ausstellung eines Einreisevisums durch die britischen Behörden auf der Basis eines sogenannten „Arbeiterzertifikats der Kategorie C“. Von den ab 1933 nach Palästina auswandernden deutschen Juden gehörten „etwa 36 % zur »Mittelstandseinwanderung«, über das Kapitalisten-Zertifikat (Kategorie A), die 1000 Palästina Pfund mitbringen mussten. Etwa 32 % der Einwanderer waren Arbeiter der Kategorie C.

Zwischen 1933 und 1938 konnten mehr als 18.000 jüdische Jugendliche aus Deutschland emigrieren, überwiegend zur Alija nach Palästina. Das war etwa jeder vierte aus der Generation der 6- bis 25-jährigen.

Gut Westerfeld in Kirchdorf

Zionistische Bestrebungen waren in Aurich zunächst nur schwach entwickelt. Die zumeist nationalliberal ausgerichteten Juden der Auricher Gemeinde wie auch die streng orthodoxen der Ortgruppe „Agudas Isroel“ (26 Mitglieder) lehnten den Zionismus ab. Im Oktober 1933 bildete sich zwar in Aurich ein Ableger der Zionistischen Arbeitsgemeinschaft Emden, der aber nur 13 Mitglieder zählte. Dem Israelitischen Jünglingsverein gehörten 25 Mitglieder an; Vorsitzender war Benjamin Samson, Schriftführer Oskar Hartog

Der erste Hachschara-Hof in Ostfriesland entstand in der Gemeinde Kirchberg südlich von Aurich. Der von der Familie Benjamin Wolff/Nachfahren durch eine zionistische Jugendorganisation gepachtete Hof bestand als Hachschascharalager zumindestens in den Jahren 1935 und 1936. Im „Lehrjahrheim“ wurde eine landwirtschaftliche Ausbildung angeboten; vermutlich sowohl für die mittlere (14-17 Jahre) als auch die reguläre Hachschara(>17 Jahre)

Das Gut lag südlich von Kirchberg und dem Jade-Ems-Kanal an der Westerfelder Straße.

Beginn und Auflösung der Hachschara sind nicht bekannt. In den minutiös geführten Polizeiberichten über jüdische Versammlungen in Aurich an den Bürgermeister findet diese Hachschara wiederholt Erwähnung. So heißt es in der Einleitung zum Bericht des Polizeimeisters Krämer vom 14. April 1935:

„Es waren etwa 80 Personen, junge Juden und Jüdinnen, anwesend, ein großer Teil davon aus dem Lehrjahrheim Westerfeld bei Aurich.“

In einer Mitgliederliste des reaktivierten Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten RjF vom 20.1.1935 vom findet sich Ludwig Wolff als Bewohner des Gutes

1.8.1935 Moses Feingersch angemeldet zur Hachschara auf Gut Westerfeld

In seinem Versammlungsbericht vom 19.1.1936 benennt Polizeimeister Krämer erneut Chaluzim aus dem Umschulungslager als Teilnehmer.

Die Auflösung dürfte im Mai/Juni 1936 erfolgt sein.

Verkauf des Hofes an den Landwirt Johann Siebels (1908-1988) aus Aurich Wallinghausen

Weiterer Lebensweg

Vater Abraham ist Malermeister „Pinseler“ Wolffs

Nach Abschluss der Volksschule Malerlehre

1930-1932 in Eldagsen, Springe

1932 nach Brüggen am Niederrhein

1933 Flucht von Schwester Erna und Isaac Salomons nach Luxemburg

Aufgrund verschiedener Hinweise, nehme ich an, dass Hanna Frank mit ihrer Schwester Irma zur Hachschara nach Kirchfeld bei Aurich kamen.

Novemberpogrom in Aurich

10.11.1938 Novemberpogrom in Aurich; die Verwüstungen und das Abbrennen der Auricher Synagoge wurden vom Führer des Auricher SA-Sturmbannes Eltze angeführt. Dieser war von der SA-Gruppe Nordsee vermutlich kurz vor Mitternacht informiert worden.

Benno und Bruder Wolf Wolffs sowie auch alle männlichen Juden verhaftet und in der Landwirtschaftlichen Halle „Bullenhalle“ in Aurich interniert

10.11.1938 SA-Sportwart Wilhelm Bock ließ die „Aktionsjuden“ in der „Bullenhalle“ und auf dem Ellernfeld in entwürdigender Weise „Sport“ treiben. Die Gestapoleitstelle Wilhelmshaven ordnet an, die Juden in „Schutzhaft“ zu nehmen und in das Gerichtsgefängnis zu bringen. Zuvor werden einige ältere Männer nach Hause entlassen.

10.11.1938 18.00 Uhr Benno und Bruder Wolf Wolffs mit 42 Männern in das Gefängnis von Aurich eingesperrt

11.11.1938 am Morgen werden die 42 Auricher mit Bussen nach Oldenburg gefahren, wo sie mit etwa 250 Juden aus Ostfriesland in einer Kaserne interniert werden

Letztlich werden etwa 1.000 jüdische Ostfriesen, Oldenburger und Bremer mit der Bahn in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.

Wolf und Benno Wolffs eingewiesen als Aktionsjude im KL Sachsenhausen; Häftlingsnummern 10335 und 10336

15.12.1938 Entlassung von Bruder Wolf Wolffs aus dem KL Sachsenhausen

31.12.1938 Entlassung von Benno Wolffs aus dem KL Sachsenhausen

Hachschara in Altona

Februar 1939 mit Bruder Wolf zur „Älteren-Hachschara“ in Rissen/ in Altona Blankenese-Kibbuz Schachal, Steubenweg 36, wo er Irma Frank kennenlernt; hier existierten drei Zentren für die Älteren/Erwachsenen: Ejn Chajim (seit August 1933), Schachal und Cherut-Charut (beide seit Dezember 1933)

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Mutter Grete Frank in Ahlen, Am Stockpieper 166 registriert

17.5.1939 Vater Justus Frank mit der zweiten Frau Paula und den gemeinsamen Kindern in Dortmund, Bodelschwingher Straße 113e

17.5.1939 Irma Frank, Benno Wolffs, Wolf Wolffs in Altona Blankenese-Kibbuz Schachal, Steubenweg 36 registriert

17.5.1939 Benno Wolffs sowohl in Gut Winkel und Blankenese registriert

Juli 1939 Heirat von Irma mit Benno Wolffs in Aurich

Judenvertreibung aus Ostfriesland/Oldenburg

Januar 1940 Anordnung der Gestapo-Leitstelle Wilhelmshaven: Ausweisung der in Ostfriesland lebenden Juden „aus militärischen Gründen“ bis zum 1. April 1940.

27.2.1940 Zwangsumzug der Schwiegermutter Grete Frank von Aurich nach Essen

Mutter Betty bei ihrer Schwester Fanny Hirschberg in Recklinghausen, Bismarkstr.3, bis 1.4.1940, zurück nach Aurich;

Ab April 1940 sind Benno und Irma Wolffs in Berlin, Rosenstr. 2-4., hie befand sich in dem ehemaligen Gebäude der Sozialverwaltung der jüdischen Gemeinde ein Jugendheim.

Kranke und ältere Juden dürfen noch bis Oktober 1941 in den Altenheimen von Varel und Emden, einem früheren Waisenhaus, untergebracht werden, so auch die Eltern Abraham und Betty Wolffs.

Gestapo-Transportliste Emden 22.10.1941

22.10.1941 Räumung der Altenheime, Deportation über Berlin, Rosenstr. 2-4, ins Ghetto Lodz (Litzmannstadt)

September 1942 werden die Eltern aus dem Ghetto Lodz in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert.

Die Patria Katastrophe

Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport

Nachkriegszeit

14./15.10.1952 Flug mit TRANSWORLD AIRLINES von Irma mit Ehemann Benno und Sohn Michael von Zürich nach New York

Ca 1979 Umzug von Milwaukee nach Atlanta

Sohn Michael stirbt am 20.August 1990 mit einer tödlichen Erkrankung

Mai 1992 Besuch von Irma mit Ehemann Benno Wolffs zur Begegnungswoche in Aurich

Gedenken

27.1.1915 Stolpersteine in Aurich, Wallstraße 14 für Benjamin Wolffs und sieben weitere Mitglieder seiner Familie

24.6.2021 Stolperstein für Moses Feingersch in Aurich Wallstraße 24

Februar 2024 Stolpersteine für David, Moses, Rafael, Sally, Elias und Benjamin Feingersch in Celle, Im Kreise 24

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4094068

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11199086

http://stolpersteineaurich.com/2011/08/15/moses-feingersch/

Benno Benjamin Wolffs

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Johannes Diekhoff, Die Auricher Judengemeinde von 1930 -1940; in: Aurich im Nationalsozialismus, Hrsg. Herbert Reyer, 2005

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 8226); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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