Lindenstraus Ruth

Erika Ruth Lindenstraus geb. Conitzer

*21.8.1919 in Gosslershausen; ✡März 1943 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Arthur Aron Conitzer *1.3.1874 in Jeschowo; ✡ Januar 1943 in Auschwitz

Mutter Gertrud Jakob *19.5.1892 in Schwetz; ✡Januar 1943 in Auschwitz

Geschwister

Lieselotte Conitzer *Mai 1915 in Gosslershausen; ✡2.4.1916

Ursula Jona Conitzer *1.12.1917 in Thorn; ✡ 17.2.2001 in RishonLe Zion; oo Manfred Frankenstein (*5.4.1911 Flatow)

Nichte Esther Frankenstein *17.11.1938 in Petach Tikwa

Beruf Landarbeiter

Adressen Berlin, Wedding, Grüntaler Straße 37; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat Max Lindenstraus *7.13.1910 in Dubeningken, Goldap; ✡ 6.3.1945 in Vaihingen/Enz (zu Natzweiler)

Kinder keine

Weiterer Lebensweg

1919 Goßlershausen fällt nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages an Polen;

1920 Umzug der Familie nach Tangermünde;

der Vater eröffnet hier ein Warenhaus, mit später 30 Angestellten.

Schwester Ursula berichtet

„Infolge des Judenboykotts wurde das Geschäft nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten immer schlechter. Es standen häufig Boykottposten vor der Tür und die Zahl der Angestellte wurde immer kleiner […]. Ich erhielt von meinen Eltern noch 1938 die Nachricht, dass sie das Geschäft in Tangermünde verkauft hätten und dass sie da sie es in dem kleinen Ort als Juden nicht aushalten könnten nach Berlin gezogen seien.“

1936 Schwester Ursula zur Hachschara in verschiedenen Lagern

21.3.1938 Einreise von Schwester Ursel aus Triest in Haifa als Ehefrau auf dem Arbeiterzertifikat des Ehemannes Manfred Frankenstein mit den Kategorien C/LS und D

21.3.1938 Einreise von Schwester Ursel in Haifa als Ehefrau auf dem Arbeiterzertifikat des Ehemannes Manfred Frankenstein mit den Kategorien C/LS und D

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Ruth Conitzer bei den Eltern Aron und Gertrud in Berlin, Wedding, Grüntaler Straße 37

17.5.1939 Max Lindenstraus bei den Eltern und Schwester Liesbeth in Dubeningken

September 1939 Max und Ruth nicht auf den Namenlisten verschiedener Gemeinden im Landkreis Beeskow-Storkow

Gut Winkel

Betty Conitzer und Max Lindenstraus nach dem September 1939 zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

Ab Juni 1941 war Gut Winkel Arbeitseinsatzlager.

Deportation

17.2.1942 ein letztes Rotkreuz Telegramm der Eltern an Tochter Ursula:

„Überglücklich, dankbar für Nachricht. Gratulieren innigst. […] Unser Gesundheitszustand leidlich. Ruth, Max gesund. Erbitten baldigst Nachricht. Wünschen alles Gute. Esterchen Kräftiges Gedeihen. Eltern, Geschwister.“

Beide Eltern aufgenommen in das Jüdische Krankenhaus, Iranische Straße 2

12.1.1943 beide Eltern aus der Iranische Straße 2 auf dem 26. Osttransport mit 1190 Juden von Berlin nach Auschwitz

Fabrikaktion – 31. Osttransport nach Auschwitz

1943 noch etwa 20 Chawerim im Arbeitseinsatzlager Gut Winkel, Spreenhagen

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

27.2.1943 Räumung des Arbeitseinsatzlagers Gut Winkel; Verbringung der Inhaftierten ins Sammellager nach Berlin, Große Hamburger Straße

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert.

2.3.43 Fernschreiben des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts (SS-WVHA) an den Lagerkommandanten von Auschwitz:

„Wie dort bekannt, beginnen am 1.3.43 die Judentransporte aus Berlin. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß sich bei diesen Transporten etwa 15000 vollkommen arbeitsfähige, gesunde Juden befinden, die bisher in der Berliner Rüstungsindustrie gearbeitet haben. Auf ihre weitere Arbeitsverwendungsfähigkeit ist mit allen Mitteln Wert zu legen.“


1.3.1943 Ruth und Max Lindenstraus aus Gut Winkel auf dem 31. Osttransport mit 1838 Juden von Berlin nach Auschwitz; unter den 19 Chawerim sind 8 Ehepare

Bei der Ankunft an der Rampe von Auschwitz werden 677 Frauen und Männer zur Zwangsarbeit ins Lager selektiert; vergeben werden die Häftlingsnummern: 36546 – 36930 (385 Frauen) und 104598 – 104889 (292 Männer). Von den 19 Chawerim erhalten nur 3 eine Häftlingsnummern

Heinz Kosiner 104787, Max Lindenstraus (Nr. 104…?) Arno Michlowitz 104837, Rudi Moses 104831

Natzweiler

16.11.1944 Max Lindenstraus auf dem Transport von Auschwitz in das Außenlager Hailfingen des KL Natzweiler

6.3.1945 Tod von Max Lindenstraus in Vaihingen/Enz, Außenlager des KL Natzweiler-Struthof

Gedenken

3.10.1985 Pages of Testimony für Ruth von Schwester Ursula Frankenstein

30.11.2013 Stolpersteine für Gertrud und Arthur Conitzer in Berlin, Krefelder Straße 7

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212452

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/77643497

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108538

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108539

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108619

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108445

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108414

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1109508

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot26.html

https://www.stolpersteine-berlin.de/de/krefelder-strasse/7/arthur-aron-conitzer

https://victims.auschwitz.org/victims

Danuta Czech, Auschwitz Chronicle 1949-1945, Henry Holt and Company, Inc., New York 1990

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My