
Ursula Jona Conitzer
*1.12.1917 in Thorn; ✡ 17.2.2001 in RishonLe Zion
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Arthur Aron Conitzer *1.3.1874 in Jeschowo; ✡Januar 1943 in Auschwitz

Mutter Gertrud Jakob *19.5.1892 in Schwetz; ✡Januar 1943 in Auschwitz
Geschwister
Lieselotte Conitzer *Mai 1915 in Gosslershausen; ✡2.4.1916
Erika Ruth Conitzer *21.8.1919 in Gosslershausen; ✡März 1943 in Auschwitz; oo Max Lindenstraus *7.13.1910 in Dubeningken, Goldap; ✡ 6.3.1945 in Vaihingen/Enz (zu Natzweiler)
Beruf Landarbeiterin
Adressen Gosslershausen; Tangermünde;

Heirat Februar 1938 in Italien mit Manfred Frankenstein *5.4.1911 Flatow; ✡5.9.1969
Kinder Esther Frankenstein *17.11.1938 in Petach Tikwa; ✡3.8.2007; oo Hans Schlesinger Sloan
Weiterer Lebensweg
1919 Goßlershausen fällt nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages an Polen;
1920 Umzug der Familie nach Tangermünde;

Arthur Conitzer eröffnet hier ein Warenhaus, mit später 30 Angestellten.
1924 Einschulung von Ursula Conitzer
1932 Aufnahme einer Banklehre; Abbruch der Lehre
1936 Ursula Conitzer zur Hachschara in verschiedenen Zentren.
Oktober 1937 zur Hachschara nach Italien vermutlich nach Ricavo di Castellina
Der Kibbuz in Ricavo di Castellina in Chianti
1933 Eröffnung von Hachschara Höfen durch Professor Racca in der Nähe von Florenz
1933 als Lager des BACHAD bei Siena gegründet.
Emigration einer Gruppe des BACHAD zur Hachschara in den Kibbuz in Ricavo di Castellina in Chianti;
September 1936 Alija u.a. von Abraham Wechsler von Triest auf der SS GALILEA nach Palästina
7.9.1938 Verabschiedung des Italienischen Rassengesetzes liefert die Rechtsgrundlage zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft der ab 1919 in Italien eingebürgerten Juden und zur Ausweisung aller nicht-italienischen Juden.
Daraufhin werden die deutschen Chaluzim aus Ricavo in die Niederlande und die anderen 1939 nach Halmstad in Schweden geholt.
Februar 1938 Heirat in Italien mit Manfred Frankenstein, Dentist
21.3.1938 Einreise von Ursula vermutlich ab Triest in Haifa als Ehefrau auf dem Arbeiterzertifikat des Ehemannes Manfred Frankenstein mit den Kategorien C/LS und D
27.11.1938 Geburt der Tochter Esther
14.11.1940 Einbürgerung in Palästina
Umzug nach Berlin
Ursula Conitzer berichtet
„Infolge des Judenboykotts wurde das Geschäft nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten immer schlechter. Es standen häufig Boykottposten vor der Tür und die Zahl der Angestellte wurde immer kleiner […]. Ich erhielt von meinen Eltern noch 1938 die Nachricht, dass sie das Geschäft in Tangermünde verkauft hätten und dass sie da sie es in dem kleinen Ort als Juden nicht aushalten könnten nach Berlin gezogen seien.“
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Schwester Ruth Conitzer bei den Eltern Aron und Gertrud in Berlin, Wedding, Grüntaler Straße 37
17.5.1939 Max Lindenstraus bei den Eltern und Schwester Liesbeth in Dubeningken
September 1939 Max und Ruth nicht auf den Namenlisten verschiedener Gemeinden im Landkreis Beeskow-Storkow
Gut Winkel
Betty Conitzer und Max Lindenstraus nach dem September 1939 zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen
Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.
Deportation
17.2.1942 ein letztes Rotkreuz Telegramm der Eltern an Tochter Ursula:
„Überglücklich, dankbar für Nachricht. Gratulieren innigst. […] Unser Gesundheitszustand leidlich. Ruth, Max gesund. Erbitten baldigst Nachricht. Wünschen alles Gute. Esterchen Kräftiges Gedeihen. Eltern, Geschwister.“
Beide Eltern aufgenommen in das Jüdische Krankenhaus, Iranische Straße 2

12.1.1943 beide Eltern auf dem 26. Osttransport mit 1190 Juden von Berlin nach Auschwitz
16.5.1944 Schwester Liesbeth auf dem Transport E a von Theresienstadt nach Auschwitz
Fabrikaktion – 31. Osttransport nach Auschwitz
1943 noch etwa 20 Chawerim im Arbeitseinsatzlager Gut Winkel, Spreenhagen
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
Räumung des Arbeitseinsatzlagers Gut Winkel; Verbringung der Inhaftierten ins Sammellager nach Berlin, Große Hamburger Straße
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert.
2.3.43 Fernschreiben des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts (SS-WVHA) an den Lagerkommandanten von Auschwitz:
„Wie dort bekannt, beginnen am 1.3.43 die Judentransporte aus Berlin. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß sich bei diesen Transporten etwa 15000 vollkommen arbeitsfähige, gesunde Juden befinden, die bisher in der Berliner Rüstungsindustrie gearbeitet haben. Auf ihre weitere Arbeitsverwendungsfähigkeit ist mit allen Mitteln Wert zu legen.“
1.3.1931 Ruth und Max Lindenstraus aus Gut Winkel auf dem 31. Osttransport mit 1838 Juden von Berlin nach Auschwitz; unter den 19 Chawerim sind 8 Ehepare
Bei der Ankunft an der Rampe von Auschwitz werden 677 Frauen und Männer zur Zwangsarbeit ins Lager selektiert; vergeben werden die Häftlingsnummern: 36546 – 36930 (385 Frauen) und 104598 – 104889 (292 Männer). Von den 19 Chawerim erhalten nur 3 eine Häftlingsnummern
Heinz Kosiner 104787, Max Lindenstraus (Nr. 104…?) Arno Michlowitz 104837, Rudi Moses 104831
Natzweiler
16.11.1944 Max Lindenstraus auf dem Transport von Auschwitz in das Außenlager Hailfingen des KL Natzweiler

6.3.1945 Tod von Max Lindenstraus in Vaihingen/Enz, Außenlager des KL Natzweiler-Struthof
Gedenken
3.10.1985 Pages of Testimony für Schwester Ruth von Ursula Frankenstein
30.11.2013 Stolpersteine für Gertrud und Arthur Conitzer in Berlin, Krefelder Straße 7
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212452
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/77643497
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108538
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108539
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108619
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108445
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1108414
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1109508
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot26.html
https://www.stolpersteine-berlin.de/de/krefelder-strasse/7/arthur-aron-conitzer
https://victims.auschwitz.org/victims
Danuta Czech, Auschwitz Chronicle 1949-1945, Henry Holt and Company, Inc., New York 1990
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.mappingthelives.org
Genealogie Webseite My Heritage
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316