Kosiner Heinz

Heinz Kosiner

*26.4.1920 Berlin; ✡ 31.3.2000 in Long Beach

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Wolf Kosiner *16.7.1890 in Galizien; ✡ vor 1945

Heirat der Eltern 10.1.1918 in Berlin

Mutter Hedwig Meyer *26.2.1894 in Strasburg; ✡ vor 1945

Geschwister

Siegfried Kosiner *31.1.1915 in Berlin; ✡ 23.12.1988 in Florida

Max Kosiner * 7.1.1919 in Berlin ; ✡ vor 1945

Beruf Landarbeiter

Adressen Berlin, Gr. Frankfurter Straße 13; Gut Winkel, Spreenhagen; Gehringshof

Heirat

ca 1942 Anna Wetterhahn *31.1.1919 in Rimbach, Odenwald; März 1943 Auschwitz

vor 1948 mit Frieda Scharf *13.10.1925 in Beuthen

Kinder

Weiterer Lebensweg

Ostern 1926 Einschulung Volksschule in Berlin; acht Jahre Volksschule

Anstreicherlehre in Berlin

Gut Winkel

29.7.1939 Heinz Kosiner aus Berlin zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

19. Juni 1941 Auflösung Gut Winkel wird vom Hachschara- zum Arbeitseinsatzlager

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Heinz Kosiner in Gut Winkel, Spreenhagen

September 1939 Namenlisten verschiedener Gemeinden im Landkreis Beeskow-Storkow

Fabrikaktion – 31. Osttransport nach Auschwitz

1943 noch etwa 20 Chawerim im Arbeitseinsatzlager Gut Winkel, Spreenhagen

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

27.2.1943 Räumung des Arbeitseinsatzlagers Gut Winkel; Verbringung der Inhaftierten ins Sammellager nach Berlin, Große Hamburger Straße

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert.

2.3.43 Fernschreiben des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts (SS-WVHA) an den Lagerkommandanten von Auschwitz:

„Wie dort bekannt, beginnen am 1.3.43 die Judentransporte aus Berlin. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß sich bei diesen Transporten etwa 15000 vollkommen arbeitsfähige, gesunde Juden befinden, die bisher in der Berliner Rüstungsindustrie gearbeitet haben. Auf ihre weitere Arbeitsverwendungsfähigkeit ist mit allen Mitteln Wert zu legen.“

1.3.1931 Heinz und Anna Kosiner aus Gut Winkel auf dem 31. Osttransport mit 3222 Juden von Berlin nach Auschwitz; unter den 19 Chawerim sind 8 Ehepaare

Bei der Ankunft an der Rampe von Auschwitz werden 677 Frauen und Männer zur Zwangsarbeit ins Lager selektiert; vergeben werden die Häftlingsnummern: 36546 – 36930 (385 Frauen) und 104598 – 104889 (292 Männer). Von den 19 Chawerim erhalten nur 4 eine Häftlingsnummern

Heinz Kosiner 104787, Arno Michlowitz 104837, Rudi Moses 104831

2.3.1941 Heinz Kosiner an der Rampe zur Zwangsarbeit selektiert, er bekommt die Auschwitznummer 104787 in den linken Unterarm tätowiert

Der Todesmarsch aus Auschwitz

15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten

18.1.1945 Evakuierung des Lagers Jawischowitz und aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 Männer aus Monowitz

Auschwitz-Überlebende berichten von der Brutalität der SS-Leute während des Todesmarsches:

Asher Aud:

„Wenn wir sind gegangen Totenmarsch, da sind keine Menschen gegangen, da sind nur Skelette gegangen.“

Sigmund Kalinski:

„Wer nicht konnte oder wer zur Seite war, wurde erschossen, bei ungefähr 15 bis 20 Grad minus in unseren Kleidern.“

18./19.1.1945 Übernachtung in einer stillgelegten Ziegelei in Nicolai

19.1.1945 Ankunft im Eisenbahnknotenpunkten Gleiwitz Von Gleiwitz in Güterwaggons zu westlich gelegen Konzentrationslager wie Buchenwald, Ravensbrück, Sachsenhausen

Isidor Philipp berichtet:

„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“

Nach Schätzungen starben bei diesen Räumungstransporten von Auschwitz insgesamt zwischen 9.000 und 15.000 Häftlinge.

22.1.1945 Registrierung im KL Buchenwald

Überstellung nach Ohrdruf

Crawinkellager

24.1.1945 Heinz Kosiner aus Buchenwald in das Kommando S III, Ohrdruf

Überstellt in das Buchenwald-Außenlager Ohrdruf S 3, in das Crawinkellager

(Luftmunitionsanstalt Crawinkel, „MUNA“) bei Ohrdruf bei Gotha

3.4.1945 zuerst Auflösung des Ohrdrufer Nordlagers, die weiteren Lager folgten Tage später.

Die S III Häftlinge wurden hauptsächlich auf 3 unterschiedlichen Strecken nach Buchenwald getrieben: 

1. Ohrdruf – Crawinkel – Gräfenroda – Plaue – Stadtilm – Kranichfeld – Bad Berka – Buchenwald.

2. Crawinkel – Espenfeld – Siegelbach – Nahwinden – Kranichfeld – Tonndorf – Buchenwald.

3. Espenfeld – Jonastal – Arnstadt – Stadtilm – Nahwinden – Kranichfeld – Tonndorf – Buchenwald.

Im Durchschnitt betrug die Entfernung nach Buchenwald 85 Kilometer und die Marschdauer mindestens 3 bis 4 Tage. In Buchenwald wurde die Ankunft von 8.989 Häftlingen von S III

Das Ende des KL Buchenwald

5.4.1945 Himmlers Befehl zur Evakuierung von Buchenwald (47500 Häftlinge);

5.4. 3000 von 6000 Juden auf dem Nachbargelände in den Fabrikhallen der DAW zusammengetrieben

6.-10.4.1945 Die SS beginnt mit der Evakuierung des Konzentrationslagers; etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager werden auf insgesamt 60 Marschrouten – meist zu Fuß – auf die Todesmärsche getrieben, 12000 (Schätzung) kommen auf diesen Märschen um.

6.4. 1945 von den ca. 6000 Juden im Lager, können etwa 3000 versteckt werden; 3105 Juden werden im Lager zusammengetrieben, in den Werkshallen der DAW (Deutsche Ausrüstungswerke) eingesperrt und Richtung Flossenburg in Marsch gesetzt

7.4.1945 Todeszug nach Dachau verlässt Weimar mit ca. 7000 Häftlingen

10.4.1945 9.280 Insassen haben an diesem Tag Buchenwald in zwei Kolonnen verlassen. Die SS kündigt für den folgenden Tag die vollständige Räumung des Lagers an.

Todesmarsch Buchenwald Theresienstadt

6.-10.4.1945 Evakuierung des KL Buchenwald in geschlossenen Güterwaggons nach Theresienstadt, Flossenbürg und Dachau

10. April 1945 Ankunft in Leitmeritz/Theresienstadt

Nachkriegszeit

Kibbuz Buchenwald

1945-1948 Heinz Kosiner mit Frieda Scharf auf dem Gehringshof

29.5.1946 Registriert in DP Center Berlin

Stempel: Jüdisches Lehrgut Gehringshof bei Hattenhof

15.6.1946 Registriert auf dem Gehringshof

1.2.1948 noch auf dem Gehringshof; IRO-Antrag zur Emigration in die USA

11.-23.3.1948 Heinz und Frieda Kosiner auf dem Marinetransporter USS MARINE JUMPER von Bremerhaven nach New York

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212452

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/67789638

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71068234

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130832015

https://victims.auschwitz.org/victims

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

Danuta Czech, Auschwitz Chronicle 1949-1945, Henry Holt and Company, Inc., New York 1990

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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