Herschenbaum Josef

Josef Herschenbaum

*15.7.1920 in Jaffa; ✡ ?

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater David Herschenbaum *8.10.1895 in Lodz; ✡ ?

Mutter Esther Herschenbaum *14.8.1892 in Lodz; ✡ ?

Großvater Elieser Herschenbaum

Geschwister

Naftali Herschenbaum *4.9.1921 in Tel Aviv; ✡12.10.1941 in Zasavica

Margot Herschenbaum *4.4.1926 in Berlin

Beruf Landarbeiter

Adressen BerlinLothringer Str. 66/67; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat ?

Schwager Adolf Ascher Endzweig *15.2.1925 in Berlin; oo19.3.1947 in Haifa mit Margot Herschenbaum

Kinder ?

Weiterer Lebensweg

1922 Familie David Herschenbaum aus Palästina nach Berlin

Vater David ist Schauspieler, die Mutter Esther Schneiderin von Beruf

Polenaktion

28.10.1938 als Staatenlose konnten die Brüder nicht abgeschoben werden.

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Josef, Naftali, beide Eltern und Schwester Margot Herschenbaum gemeldet in Berlin, Lothringer Str. 66/67

Gut Winkel

15.5.1939 Josef und Naftalie Herschenbaum mit finanzieller Unterstützung der Jüdischen Gemeinde Berlin zur Hachschara ins Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel. 1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben

28.10.1938 keine Verhaftungen in der Polenaktion auf Gut Winkel

10.11.1938 keine Verhaftungen im Novemberpogrom auf Gut Winkel

September 1939 beide Brüder auf der Ausländerliste des Landrates für den Kreis Beeskow

Alija

5.12.1939 Einreise von Schwester Margot auf der SS GALILEA in Haifa mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)

Alija beth

Der Kladovo-Transport SH 5

Bruder Naftali auf dem vom Hechaluz Österreich organisierte Alija beth, Sonderhachschara SH-5 mit dem Plan über die Donauroute, Schwarzes Meer, Mittelmeer letztlich Palästina illegal zu erreichen.

19.11.1939 mit weiteren Chaluzim aus Gut Winkel (9) und Ahrensdorf  (15) zunächst mit der Bahn nach Berlin: Martin Hirsch, Madrich in Ahrensdorf, begleitet die Chaluzim und war einer der Leiter der Sonderhachschara 5.

12. und 13. Oktober 1941 Tod des Bruders Naftalie bei der Massenerschießung in Zasavica von 2100 Geiseln auf Befehl von General Franz Böhme von Einheiten der Wehrmacht als Racheaktion für 21 tote deutsche Soldaten

Die Patria Katastrophe

Sonderhachschara VII – Paraguay-Transport

März 1940 die führenden jüdischen Funktionäre aus Berlin, Prag und Wien werden von SS-Sturmbannführer Adolf Eichmann ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin vorgeladen, um die illegalen „Sondertransporte“ nach Palästina zu forcieren; Ephraim Frank als Vertreter des erkrankten Lyon vom Palästinaamt und als designierter Transportführer dabei.

Für die SH 7 sollen etwa 30.000 Anmeldungen vorgelegen haben, zum großen Teil aber nur fiktiv, um gegenüber der Gestapo die geplante Auswanderung belegen zu können

August 1940 offiziell abgemeldet nach „Paraguay“

16.8.1940 Josef, David und Esther Herschenbaum mit dem Zug aus Berlin, Bahnhof Friedrichstraße fahren 350 Jugendliche und 150 Eltern, deren Kinder bereits Palästina-Pioniere in Palästina waren, nach Wien mit dem Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa zu kommen; Transportführer war Ephraim Frank

Zweiter Transportführer Hans Wendel

Leiter des Ordnungsdienst war Paul Jentes

Zwei bis drei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule oder Lehrlingsheim

3.9.1940 mit dem Zug von Wien nach Pressburg/ Bratislava an die Donau; in Pressburg für eine Woche in einem Lager im Stadtteil Patronka; Josef Nussbaum berichtet bei der Registrierung in Atlith, „The Camp was taken over as store for Heavy Opel trucks.“

10.9.1940 zum Donauhafen von Bratislava; dort Verteilung der Chalutzim auf die drei Ausflugsdampfer URANUS, MELK und SCHÖNBRUNN

10.-20.9.1940 von Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer;

Anfang Oktober 1940 werden 1000 Flüchtlinge auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

Zwischenstopp im Hafen Agios Nikolaos, Kreta, um Kohle aufzunehmen

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft von Josef, David und Esther Herschenbaum auf der SS PACIFIC in Haifa.

3.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS, die ebenfalls auf die PATRIA verbracht werden

4.11.1940 Alle Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

6.11.1940 Registrierung der Mutter Esther Herschenbaum im Camp Atlith;

8.11.1940 Registrierung von Josef und David Herschenbaum im Camp Atlith;

Er gibt den Großvater Lazar Herschenbaum, Altersheim Hadar als Referenz an; zu diesem Zeitpunkt befindet sich Schwester Margot bereits in Haifa; sie wird von der Mutter Esther als Anlaufadrese benannt: Margot Herschenbaum (daughter) C/o Kapot Schapire Str Haifa; Vater David benennt auch seinen Vater: Elieser Herschenbaum (parents) Haifa, Gush Halav Sts (Moshav Skenim)

Sie sind zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

23. oder 24.11.1940 Ankunft der SS ATLANTIC in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA, zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1771 Ma’apilim (illegale Immigranten) auf das Schiff gebracht.

Walter Steinitz, aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“ (ca 200 von 1771)

Die ins Wasser gesprungenen und die an Bord Überlebenden werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht.

25.11.1940 Internierung in einer Lagerhalle im Hafen von Haifa; die von Bord gesprungenen werden in die Arrestzellen der Polizeiwache von Haifa; Serie von Verhören, insbesondere wenn sie von den Briten der Zugehörigkeit zur Haganah verdächtigt wurden.

26.11. und 8.12.1940 die Überlebenden der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Atlith verbracht;

Dezember 1940 die noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert.

1941 zunächst nur Freilassung kleiner Gruppen aus dem Camp Atlith, die eine Aufnahmeadresse in Palästina vorweisen können

September -Dezember 1941 Entlassung der meisten Internierten aus dem Camp Atlith

Nachkriegszeit

Gedenken

Pa

29.12.2006 Pages of Testimony für Naftali Herschenbaum von Vater David Herschenbaum bei Yad Vashem

Quellen

Namensverzeichnis von im Oktober 1941 im Dorf Zasavica bei Schabac erschossenen Juden

https://collections.arolsen-archives.org/en/search?s=Zasovica

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1070955

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/71076419

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11207191

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11207193

Ilana Michaeli und Irmgard Klönne (Hrsg.) Gut Winkel, die schützende Insel: Hachschara 1933-1941 Mitarbeit von Ilka von Cossart, Katharina Hoba und Ulrike Pilarczyk; LIT Verlag; 2007

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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