Neumann Horst

Horst Neumann

*24.6.1925 in Berlin; ✡ ?

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Moses Neumann *5.5.1887 in Tarnow; ✡ 11.2.1941 im KL Sachsenhausen

Mutter Luzia Methner *20.8.1890 in Thorn; ✡6.3.1943 in Auschwitz

Geschwister

Hans Neumann *14.10.1926 in Berlin; Überlebender von Auschwitz

Ilse Neumann *16.6.1933 in Berlin; ✡6.3.1943 in Auschwitz

Beruf Landarbeiter; Bäcker

Adressen Berlin, Lange Straße 3; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat ?

Kinder ?

Weiterer Lebensweg

8 Jahre Volksschule

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Horst Neumann mit den Eltern und Geschwistern Hans und Ilse Neumann in Berlin, Horst-Wessel-Stadt, Lange Straße 3

Zweite Polenaktion

Im Laufe des Jahres 1939 war es weiterhin zu zahlreichen Ausweisungen polnischer Juden gekommen: Jedoch nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen wurden Anfang September auf Befehl des Chefs der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich reichsweit systematisch die Rückkehrer und bisher nicht erfassten polnischen Juden sowie auch die Funktionäre polnischer Verbände verhaftet und in den Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen interniert

7.9.1939 Anweisung des RSHA. Alle polnischstämmigen Juden und Funktionäre polnischer Verbände als feindliche Ausländer zu verhaften.

7.9.1939 FS-Erlass des Chefs der Sicherheitspolizei (SD) Himmler

7-9.9.1939 Anordnung per Funkspruch Juden mit polnischen Wurzeln als feindliche Ausländer zu verhaften

September 1939 Verhaftung des Vaters in Berlin

13.9.1939 Einweisung des Vaters in das KL Sachsenhausen

11.2.1941 Tod des Vaters im KL Sachsenhausen

16.5.1940 Ausstellung eines Fremdenpasses für Horst Neumann in Berlin

Gut Winkel

20.5.1940 Horst Neumann zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen mit finanzieller Unterstützung der jüdischen Gemeinde Berlin

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel. 1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben

19. Juni 1941 Auflösung Gut Winkel wird vom Hachschara- zum Arbeitseinsatzlager

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“

Jüdische Arbeitsgruppe Teuplitz

1942-1943 Arbeitseinsatz beim Bahnbau und auf Gutshöfen, gesteuert vom Arbeitsamt Forst in Sommerfeld, Teuplitz, Niederlausitz, Jüdische Arbeitsgruppe Teuplitz, Gartenstraße 4

Fabrikaktion im März 1943

Mutter Lucie, Bruder Hans Neumann und Schwester Ilse auf dem 33. Osttransport von Berlin nach Auschwitz; Hans Neumann ist ebenfalls Auschwitz-Überlebender

37. Osttransport

Bei der Fabrikaktion im März 1943 waren die Arbeitseinsatzlager in Brandenburg zunächst von den Deportationen ausgespart geblieben. In einer Dienstanweisung der Gestapo Frankfurt/Oder vom 24.2.1943 heißt es dazu:

„Die in Betrieben beschäftigten Juden dürfen, sofern sie in geschlossenen Lagern – wie Neuendorf i. S., in Waldlagern usw. – untergebracht sind, bei dieser Aktion nicht erfasst werden.“

27.3.1943 Verhaftung von zehn Chaluzim aus der Jüdischen Arbeitsgruppe Teuplitz

Mit dem 37. Osttransport am 19. April wurden 346 Männer und Frauen aus Neuendorf sowie aus den Waldlagern Hangelsberg, Hasenfelde, Kersdorf (bei Briesen), Kaisermühl, Jakobsdorf, Schönfelde, Teuplitz (10), Behlenfelde und Booßen deportiert.

20.4.1943 Ankunft an der Rampe von Auschwitz; Horst Neumann zur Zwangsarbeit selektiert; er bekommt die Häftlingsnummer 117036 in den linken Unterarm tätowiert.

Das Ende von Auschwitz

15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten

18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 aus Monowitz

18.1.1945 Beginn des Todesmarsches mit 400 Frauen von Auschwitz- Birkenau nach Loslau

Auschwitz-Überlebende berichten von der Brutalität der SS-Leute während des Todesmarsches:

Zofia Posmysz:

„Der letzte Tag in Auschwitz war der 18. Januar. Nach drei Tagen und drei Nächten zu Fuß wurden wir in offenen Güterwagen nach Ravensbrück gebracht.“

Asher Aud:

„Wenn wir sind gegangen Totenmarsch, da sind keine Menschen gegangen, da sind nur Skelette gegangen.“

Sigmund Kalinski:

„Wer nicht konnte oder wer zur Seite war, wurde erschossen, bei ungefähr 15 bis 20 Grad minus in unseren Kleidern.“

Isidor Philipp berichtet:

„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“

19. – 23.1.1945 Ankunft in den Eisenbahnknotenpunkten Gleiwitz und Loslau. Von Gleiwitz oder Loslau in Güterwaggons zu westlich gelegen Konzentrationslager wie Buchenwald, Ravensbrück

Isidor Philipp berichtet:

„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“

Nach Schätzungen starben bei diesen Räumungstransporten von Auschwitz insgesamt zwischen 9.000 und 15.000 Häftlinge.

Die Brüder Horst und Hans Neumann mit 4000 Häftlingen von Gleiwitz in offenen Güterwaggons, Irrfahrt über Tschechien, nach Mauthausen und wieder nach Deutschland

28.1.1945 Ankunft von 3500 Häftlingen, 500 Toten in Nordhausen KL Mittelbau Dora bei Nordhausen, unterirdische Flugzeug- und V2-Raketenfabrikation

Zwei Tage später waren weitere 600 Häftlinge tot;

3.4.1945 fataler Luftangriff der Alliierten auf die Boelcke-Kaserne mit 1000 Toten und 2000 weiteren in den nächsten Wochen;

März/April 1945 Todesmarsch von Mittelbau Dora nach Bergen Belsen

Befreiung in Bergen-Belsen

Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen das Konzentrationslager Bergen-Belsen

Nachkriegszeit

1945 bis 1946 Horst Neumann als „Polizist“ in Berlin

1945-1947 Polizist im UNRRA _DP_Camp Berlin

18.12.1947 Antrag auf IRO_Unterstützung zur Emigration in die USA

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130832958

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212896

Ilana Michaeli und Irmgard Klönne (Hrsg.) Gut Winkel, die schützende Insel: Hachschara 1933-1941 Mitarbeit von Ilka von Cossart, Katharina Hoba und Ulrike Pilarczyk; LIT Verlag; 2007

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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