Skurnik Harry

Harry Arje Sigismund Skurnik

*23.11.1920 in Berlin; +1.4.1996

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Alfons Skurnik *6.10.1875;

Heirat der Eltern 1914; +4.1.1937 in Berlin

Mutter Betty Skurnik

Onkel Jakob Skurnik *16.10.1881 in Kurnik; 1919 -1933 Kaufmann in Bottrop; 28.11.1938 – 15.10.1940 in Buchenwald; 25.1.1942 Berlin – Ghetto Riga

Geschwister

Edith Skurnik *25.8.1916 in Berlin; oo Werner Karoly; + in Auschwitz

? Rolf Skurnik*27.8.1919 in Berlin; +1944 Stutthof

Adressen Berlin Wilmersdorf; Recklinghausen Kellerstr. 1 Ghettohaus

Beruf landwirtschaftlicher Praktikant, Landarbeiter

Adressen

Heirat Gila Mirjam Vera Barber *19.6.1922 in Berlin-Steglitz; +2013 in Nahariya

Kinder

Tirza Skurnik

Ilana Skurnik

Weiterer Lebensweg

20.3.1939 Ankunft von Gila Mirjam Vera Barber in Haifa

17.5.1939 Westprignitz, Havelberg bei Minderheiten-Volkszählung

Hachschara als landwirtschaftlicher Praktikant in Havelberg, Erstausbildung
auch Mittlere Hachschara

29.8.1940 mit dem Zug von Berlin nach Wien, Ziel über die Schwarzmeerroute nach Haifa

Zwei Wochen in Wien, in einer jüdischen Schule

Mit dem Zug von Wien an die Donau;

Nach einer Woche auf einem Ausflugsdampfer über Bratislava nach Tulcea am Schwarzen Meer; 1000 Flüchtlinge werden auf die drei Schiffe SS PACIFIC, SS MILOS und SS ATLANTIC verteilt, Deutsche auf die PACIFIC, Tschechen auf die MILOS.

31.10.1940 von britischer Marine aufgebracht und in den Hafen von Haifa geleitet

1.11.1940 Ankunft der SS PACIFIC in Haifa. Die Passagiere der SS PACIFIC werden auf die SS PATRIA umgeschifft, dem von den Briten beschlagnahmten, als Truppentransporter umgebauten, großen französischen Frachtschiff (18 000 t)

5.11.1940 Ankunft der tschechischen Emigranten auf der SS MILOS

8.11.1940 Registrierung im Camp Atlith; gibt als Referenz an Heinz Pinner, Kibbutz Daphneh, bei Rosh Pinah

zunächst auch zur Deportation nach Mauritius vorgesehen

25.11.1940 Ankunft zweier weiterer Schiffe in Haifa

25.11.1940 Sprengstoff-Anschlag der Haganah im Maschinenraum der SS PATRIA

Walter Steinitz, ebenfalls aus dem Umschulungslager Paderborn kommend, berichtet:

“ Am 25.November morgens um neun Uhr mussten alle auf die Reling, denn der Colonel hatte die Instruktion gegeben, aber um 9.12 Uhr hatte ein Kommando von 60-80 jungen Leuten ins Wasser zu springen, um die Engländer abzulenken, die mit kleinen Booten die Menschen auffischten. Zeitentsprechend zündete einer von uns eine Bombe, keine Zeitbombe, und ist mitgetötet worden. Es war der zweite Transportleiter – Hans Wendel. Niemand hatte von dieser Aktion gewußt – außer acht Leuten. Innerhalb von ein paar Minuten neigte sich das Schiff zur Seite. … Von den 4000 auf der SS PATRIA zusammengedrängten Menschen verloren etwa 260 ihr Leben.“

Die ins Wasser gesprungenen werden als Schiffbrüchige der SS Patria von den Briten an Land gebracht. 25.11.1940 Die Schiffbrüchigen der SS PATRIA werden mit Bussen in das Internierungscamp Athlith verbracht, wo sie z.T. über ein Jahr verbleiben, da immer nur kleine Gruppen freigelassen werden.

Die noch auf die Umladung wartenden 1581 Emigranten auf der MILOS und ATLANTIC werden als „Detainees“ mit holländischen Frachtschiffen nach Mauritius deportiert. Dort trafen sie am 26.12.1940 ein und wurden in das das Zentralgefängnis von Mauritius nahe Beau Bassin verbracht. Es sollte noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dauern, bevor die 1.310 überlebenden Flüchtlinge endlich am 12.8.1945 auf der SS FRANCONIA in das ersehnte Eretz Israel gebracht werden konnten.

Gedenken

Grabstein auf dem Regional Misgav Cemetery

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Margit Naarmann, Ein Auge gen Zion, Paderborn, 2000; ISBN3-89498-087-7

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=9969293

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=9970036

https://www.ushmm.org/online/hsv/person_advance_search.php?SourceId=19584

https://www.ushmm.org/online/hsv/source_view.php?SourceId=19561

https://www.recklinghausen.de/Inhalte/Startseite/Ruhrfestspiele_Kultur/Gedenkbuch/_Opferbuch_selfdb.asp?form=detail&db=545&id=622

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Jewish Victims of Nazi Persecution, 1933-1945

Heinz Reuter, Die Juden im Vest Recklinghausen, Vestische Zeitschrift Bd. 77/78, 1978/1979

Werner Schneider, Jüdische Heimat im Vest Gedenkbuch 1983

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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