Leyser Lothar

Lothar Lazarus Leyser

*30.11.1920 in Essen; ✡ 9.7.1943 in Sobibor

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Leo Leyser *11.12.1884 in Essen; ✡ 7.2.1930 im Huyssen-Stift Essen

Heirat der Eltern 20.11.1919 in Myslowitz

Mutter Gertrud Schwarz *10.7.1880 in Sulmirze; ✡ 19.11.1943 in Sobibor

Schwester Ruth Karoline Leyser*19.5.1922 in Essen; ✡ 22.10.2015 im Kibbuz Dovrat

Tante Sophie Leyser *11.6.1895 in Essen; ✡ nach 5.8.1976; oo Emil Schwarz

Beruf Gärtnerischer Praktikant

Adressen Essen, Stankeitstraße 22; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Huizen; Amsterdam

Heirat 23.9.1940 in Wieringen Alice Gitta Rechnitz *4.11.1920 in Stolp; ✡9.7.1943 in Sobibor

Kinder

Gabrielle Rebecca Leyser *27.10.1940 in Amsterdam; ✡ 9.7.1943 in Sobibor

Judith Ursela Lea Leyser *23.1.1942 in Naarden; ✡ 9.7.1943 in Sobibor

Weiterer Lebensweg

Ab 1927 jüdische Volksschule

Ostern 1931 Vorn:  n.n., Lothar Leyser, Herbert Salomon,
hinten Wolfgang Pelz, Bernd Löwenstein, Heinz Goldschmitt

Ostern 1931 -1934 Humboldt-Oberrealschule und Realgymnasium Altenessen in Essen

7.2.1930 Vater Leo stirbt im Huyssen-Stift Essen

Mutter Gertrud betreibt nach dem Tod des Vater zwei Süßwarengeschäfte am Gänsemarkt 10 in Essen, die sie im November 1938 verkauft

1934 Lothar zur Hachschara in die israelitische Gartenbauschule Hannover Ahlem

30.4.1938 Flucht von Lothar Leyser in die Niederlande, zur Hachschara Werkdorp Wieringen

1938 Schwester Ruth mit der Jugend-Alija nach Palästina

15.8.1938 Ankunft von Nichte Ruth in Haifa auf der SS Galilea von Triest

25.2.1939 Gitta Rechnitz zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen; sie war zuvor auf Hachschara in Gut Winkel/Spreenhagen und wie Lothar in der Gartenbauschule Ahlem

8.3.1939 Mutter Gertrud mit ihren Eltern nach Rotterdam, später Amsterdam

15.11.1939 Umzug der Mutter in die Dintelstraat, Amsterdam

2.7.1940 Gitta Rechnitz zur Vorbereitung der Niederkunft zur Schwiegermutter Gertrud Schwarz in Amsterdam Dintelstraat 34-hs

23.9.1940 Heirat von Lothar mit der hochschwangeren Gitta Rechnitz in Wieringen; Trauzeugen: Abel Herzberg, Direktor des Werkdorp und Helene Hirsch, Ehefrau des vorherigen Direktors Moshe Katznelson

27.10.1940 Geburt der Tochter Gabriele Rebekka in Amsterdam

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Leo und Gitta bleiben noch mit den 60 anderen  bis zur endgültigen Auflösung im Juli 1941

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; 

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam ist Anlass für Verhaftungswelle

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

21.7.1941 Umzug nach Huizen, Blaricumerstraat 134 bei Familie Rotting, Lothar arbeitet in einem Textilbetrieb und privat als Gärtner

Wechsel in Huizen, Patrijslaan 1; die kleine Familie wohnt im Gartenhaus “De Kwartel”

16.11.1942 Zwangsumzug aus Huizen nach Amsterdam zur Mutter von Lothar

20.6.1943 Leo mit Gitta und den Kindern in Amsterdam verhaftet, Verbringung nach Westerbork Baracke 55

6.7.1943 Deportation von Leo mit Gitta und den Kindern aus Westerbork nach Sobibor

9.7.1943 Tod der Familie Leyser in Sobibor

Der verlorene Zug von Bergen-Belsen nach Farsleben

29.9.1943 Tante Sophie mit Ehemann Emilin das Judendurchgangslager Westerbork, Baracke 62

1.2.1944 als Austauschjuden mit Palästina Verklaring (Nichte Ruth bereits in Palästina) von Westerbork in das Sternlager im KL Bergen-Belsen

22.9.1944 Onkel Emil Schwarz verstirbt in Bergen-Belsen

6.-11.4.1945 Evakuierung von 6800 Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt

6.4.1945 Der erste von drei Transporten mit 2500 Menschen verlässt Bergen-Belsen

Fahrtroute südwestlich der Elbe über Uelzen, Salzwedel, Stendal

12.4.1945 Zug stoppt auf freier Strecke am Moortalsee, Farsleben, nahe Magdeburg; Flucht der Wachmannschaften

13.4.1945 Befreiung durch das 743. Panzerbataillon der US Army

Der Moment der Befreiung; Foto George Gross, US Army

Sophie Schwarz Überlebende des Verlorenen Zuges, in Farsleben

Gedenken

29.4.2008 Zeitungsartikel von Ruud Hehenkamp in „De Huizer Courant“

Ruud H. hatte Lothars Gärtnermesser in einem zurückgelassenen Koffer in Huizen gefunden

Stolperstein für Lothar Leyser in Altenessen, Stankeitstraße 22

Pages of Testimony für Lothar, Gita und die Töchter von Tante Edith Salomon, einer Schwester von Gitas Mutter Betty

Quellen

https://westerborkportretten.nl/westerborkportretten/lothar-leyser

Ruud Hehenkamp: „Een graf in de lucht“, De Huizer Courant, 29.4.2008

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/sto_biographien/Leyser_Lothar_Lazarus.pdf

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1559600

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Rechnitz%201920%22%7D

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

http://objekte.jmberlin.de/object/jmb-obj-

161495;jsessionid=2693746E94DCA0B67942EAB4C810FAFB

http://objekte.jmberlin.de/view/objectimage.seam?uuid=jmb-obj-161507&cid=499453

http://objekte.jmberlin.de/view/objectimage.seam?uuid=jmb-obj-161451&cid=15397

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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