Rülf Herbert

Herbert Jehuda Rülf

*17.4.1916 in Detmold

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Moritz Rülf *16.11.1888 in Kirchhain/Marburg; ✡24.7.1942 Maly Trostinec

Mutter Erika Lyon *14.12.1898 in Hamburg; ✡24.7. 1942 Maly Trostinec

Geschwister

Karla Rülf /Timna*8.10.1918 in Detmold; ✡  ; oo Günter Gershon Timendorfer (*1.10.1919 in Pless; ✡ 28.1.2019 im Kibbuz Mayan Zwi

Hilde Rülf *31.12.1919 in Detmold; ✡ 15.1.1920 in Detmold

Erich Rülf *12.6.1921 in Detmold; ✡ 1966 in Haifa

Verwandte in Herne

Auguste Metzger geb. Rülf *22.3.1873 in Holzhausen; ✡9.7.1943 Sobibor; oo Sally Metzger (1873-1943)

Beruf

Adressen

Heirat 20.6.1947 in Zichron Ya’akov  mit Susanne Kriel * ca 1923;

Kinder

Weiterer Lebensweg

Ostern 1922 Einschulung in Detmold

Das Hachscharalager Landwerk Halbe

1919-1926 Jüdische Mustersiedlung und Landjugendheim Halbe

1934-November 1938 Hachscharalager des Makkabi als Träger, ca 30 Plätze

1935-38 Leiter des Landwerks Diplomlandwirt Friedrich Perlstein

10.11.1938 Novemberterror in Halbe; Friedrich Perlstein dazu in einem Brief an das Ausgleichsamt des Kreises Bergstraße vom 7. 2. 1973:

„Am 9. November 1938 erschienen Lastautos, gefüllt mit schwarz uniformierten Sturmtruppen. Sie stürmten in die Gebäude und befahlen uns hinter dem Gebäude anzutreten. Es war stock dunkel und wir wurden mit starken Scheinwerfern geblendet. Untermischt mit Schimpfwörtern wurde uns erklärt, dass wir erschossen würden, aber vor der Hinrichtung sollten wir zusehen, wie sie das ‚Judennest‘ vollständig zerstören würden. Sie stohlen, was sie für sich haben wollten und zertrümmerten alles was in bestialischer Weise zerstört werden konnte.
Zum Schluss gaben sie den Befehl das Landwerk Halbe zu verlassen und erklärten mit grausamen Drohungen, dass sie morgen zurückkommen würden, um sich zu versichern, dass ihr Befehl ausgeführt wurde. Dann bestiegen sie ihre Lastwagen und verschwanden in der Nacht. Das war das Ende des Landwerk Halbe.“

Ca 1935 Herbert Rülf zur Hachschara ins Landwerk Halbe Trägerschaft wie Ahrensdorf und Freienstein, ca 30 Plätze

März 1936 als Madrich (Gruppenleiter) im Vorbereitungskurs der Jugendalijah in Schniebinchen

In den Briefen des Chawer Ernst Loewy an seine Eltern in Krefeld wird er mehrfach mit seinem Spitznamen „Rülps“ erwähnt

Herbert Rülf 1. von re. auf der SS TEL AVIV, 4.v.r. auf den Schultern Ernst Loewy; vorn 3.v.l.: Edith Stern
(Quelle: Original im Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek)

Herbert Rülf 1. von re. auf der SS TEL AVIV, 4.v.r. auf den Schultern Ernst Loewy; vorn 3.v.l.: Edith Stern (Quelle: Original im Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek)

27.3.- 2.4.1936 Herbert auf der SS TEL AVIV als Führer einer Jugendalija-Gruppe von Triest nach Haifa

4.4.1936 Ankunft in der Kwuza Kirjat Anavim; Ernst Loewy schreibt an seine Eltern:

„Nun etwas sehr, sehr Wichtiges. Wir haben einen neuen Führer bekommen. Rülps ist vorläufig abgesetzt worden, weil er nicht Iwrith kann und sich nicht mit der Kwuzah verständigen kann, er geht nach Degania auf Hachscharah, vielleicht bekommen wir ihn später wieder. Unser neuer Führer heißt Josef David, ist auch ein netter Kerl, hat Physik studiert, ist schon 2 ½ Jahre hier und hat schon ein Jahr in der Kwuzah gearbeitet.“

29.9.1939 Schwester Karla Rülf in bei britischem Census auf der Refugee Training Farm, Great Engham Manor, Tenterden, Kent unter der Leitung von Herbert Schlesinger mit zahlreichen weiteren Trainees

20.6.1947 Heirat in Zichron Ya’akov mit Susanne Kriel; Schwager Günter Timendorfer ist Trauzeuge

Vater Moritz Rülf

Nach dem Studium an der Präparandenanstalt in Burgpreppach und an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Kassel, Lehrer an der Israelitischen Erziehungsanstalt und Gartenbauschule in Ahlem (Hannover), dort lernt er auch Erika Lyon kennen.

1914-1937 Lehrer, Kantor, Prediger der SG Detmold

Lehrer am Leopoldinum in Detmold, eine anstehende Verbeamtung ist Gegenstand von Gerichtsverfahren und Debatten im lippischen Landtag.

April 1933 Entlassung aus dem Schuldienst („Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“)

10.11.1938 Verhaftung des Vaters im Novemberterror in Frankfurt

11.11.1938 interniert als „Aktionsjude“ in Buchenwald, Häftlingsnummer 21405

4.12.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Buchenwald

Das israelische Kinderheim Köln

1.1.1938 Vater Moritz Rülf wird Direktor des israelischen Kinderheims Köln in der Lützowstraße 35-37

„Wir kehren wieder“ –Massenerschießung in Maly Trostinec

19.7.1942 Verbringung der 118 Heimkinder unter zehn, davon 11 unter einem Jahr alt, sowie von Moritz Rülf und der Mitarbeiter aus dem israelischen Kinderheim in die Westhalle der Messehalle in Köln-Deutz,

 „Wir kehren wieder“, sangen die Kinder aus dem jüdischen Kinderheim bei der Abreise

20. 7.1942 Beide Eltern per Zug Da 219 von Köln nach Minsk deportiert, 1.164 Menschen, darunter 118 Kinder aus dem jüdischen Waisenheim St. Apernstraße 29/3;

24. 7. 1942 Ankunft am Güterbahnhof Minsk, von dort mit Lastwagen in das Waldstück Blagowschtschina in der Nähe des Dorfes Maly Trostenez unweit von Minsk verbracht, vor bereits vorbereiteten Gruben von Kommandos der Sipo und des SD erschossen und in Massengräbern verscharrt

24.7.1942 Tod von Moritz und Erika Rülf in Maly Trostenez

Gedenken

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://www.myheritage.de/research

http://freienstein-pommern.de/

https://www.ushmm.org/online

https://collections.yadvashem.org/en/photos/collection/13069463

Peter Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1197313

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de956434

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/5278195

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/5278102

https://gedenkbuch-detmold.de/index.php?option=com_content&view=article&id=448:ruelf-moritz&catid=130

https://jugend1918-1945.de/loewy/default.aspx?id=39764&brief=39764#prettyPhoto

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert