Reiner Edith

Edith Reiner

*28.9.1917 in Essen; ✡ Mai 1942 in Lublin

Staatsangehörigkeit Tschechin

Religion jüdisch

Vater Otto Reiner *5.4.1888 in Divisov Böhmen Tschechien; ✡8.3.1944 in Auschwitz

Mutter Irma Theinerova *19.11.1889 in Kamenice nad Lipou; ✡8.3.1944 in Auschwitz

Geschwister

Karel Reiner *14.6.1921; ✡8.3.1944 in Auschwitz

Ilse Reiner *9.2.1925; ✡8.3.1944 in Auschwitz

Beruf Hauswirtschaftliche Praktikantin

Adressen Essen; Altkarbe; Halbe; Jindrichuv Hradec

Heirat Oskar König *14.3.1911 in Kresice, Leitmeritz; ✡16.9.1942 in Majdanek

Kinder

Weiterer Lebensweg

Landwerk Altkarbe

Edith Reiner zur Hachschara ins Landwerk Altkarbe in der Neumark, heute Polen. Es bestand zwischen 1933 und 1936 auf dem Gut Obermühle des jüdischen Landwirts Siegmund Levy. Die Chaluzim kamen zumeist aus dem Makkabi Hazair. Das Lager wird auf Veranlassung des Reichskriegsministers zum 1.8.1936 durch die Staatspolizeistelle Frankfurt/Oder geschlossen, „da es sich in unmittelbarer Nähe zu militärischen Anlagen befindet. … Die Lagerinsassen wurden in das Umschulungslager in Havelberg untergebracht.“

Nach ihrer Alija gründeten die Chaluzim aus Altkarbe den Kibbuz Maʿayan Zvi bei Haifa.

1935 Edith Reiner vermutlich abgebildet in der Fotoserie von Abraham Pisarek; Bildarchiv Pisarek / akg-images 

1936 Wechsel von Edith Reiner zur Hachschara in Halbe

Landwerk Halbe

Landwerk Halbe Jüdische Mustersiedlung und Landerziehungsheim Halbe (1919-1926) und Hachscharah-Lager Landwerk Halbe (1934-1938)

Träger Makkabi; wie auch Ahrensdorf und Freienstein

Leiter Friedrich Perlstein

1938 wirkte Alex Moch an der ersten Abschlussprüfung im jüdischen Landwerk Halbe (Brandenburg) mit, gemeinsam mit dessen Leiter Friedrich Perlstein sowie Martin Gerson, dem Leiter der Hachschara Ausbildungsstätte Gut Winkel in Brandenburg, die beide Diplom-Landwirte waren. Die neun Lehrlinge aus dem Jugendbund Makkabi Hazair hatten nach ihrer zweijährigen Ausbildung in Halbe eine schriftliche Klausurarbeit zu verfassen, ein Fachtagebuch vorzulegen, ihre praktischen Fertigkeiten in Acker- und Pflanzenbau, Viehhaltung, Obst- und Gemüsebau nachzuweisen, und wurden mündlich in Bodenkunde, Düngung, Botanik, Pflanzenschutz sowie betriebswirtschaftlichen Kenntnissen geprüft.

Novemberpogrom in Halbe

Zu den überfallenen Ausbildungsorten gehörten Ellguth/Schlesien, Freienstein/Pommern, der Gehringshof bei Fulda, Groß-Breesen/Schlesien, Grüsen bei Frankenberg, Neuendorf bei Fürstenwalde, das Landwerk Halbe/ Brandenburg, Silingthal/Schlesien, Halberstadt, Jägerslust bei Flensburg, Bomsdorf/Krs.Bitterfeld und Sennfeld/Baden. Hachschara-Stätten wie Urfeld bei Köln, Polenzwerder, der Brüderhof bei Hamburg, der Kibbuz Westerbeck in Westfalen und Einrichtungen wie das Jüdische Jugendheim Essen, das auch für Ausbildungszwecke genutzt werden musste, waren ebenfalls betroffen.

10.11.1938 Novemberpogrom in Halbe; Diplomlandwirt Friedrich Perlstein ist Leiter des Landwerks

Perlstein dazu in einem Brief an das Ausgleichsamt des Kreis Bergstraße

„Am 9. November 1938 erschienen Lastautos, gefüllt mit schwarz uniformierten Sturmtruppen. Sie stürmten in die Gebäude und befahlen uns hinter dem Gebäude anzutreten. Es war stock dunkel und wir wurden mit starken Scheinwerfern geblendet. Untermischt mit Schimpfwörtern wurde uns erklärt, dass wir erschossen würden, aber vor der Hinrichtung sollten wir zusehen, wie sie das ‚Judennest‘ vollständig zerstören würden. Sie stohlen, was sie für sich haben wollten und zertrümmerten alles was in bestialischer Weise zerstört werden konnte.
Zum Schluss gaben sie den Befehl das Landwerk Halbe zu verlassen und erklärten mit grausamen Drohungen, dass sie morgen zurückkommen würden, um sich zu versichern, dass ihr Befehl ausgeführt wurde. Dann bestiegen sie ihre Lastwagen und verschwanden in der Nacht. Das war das Ende des Landwerk Halbe.“

1938 Flucht der Familie Reiner nach Jindrichuv Hradec, Tschechien

15.3.1939 Einmarsch der Wehrmacht in Tschechien und Besetzung Prags

22.5.1942 Edith und Oskar König auf dem Transport Aw von Jindrichuv Hradec nach Theresienstadt

Im Mai 1942 war sie bereits schwanger

25.5.1942 Edith und Oskar König auf dem Transport Az mit 1000 Juden aus Theresienstadt nach Lublin

16.9.1942 Tod des Ehemannes Oskar in Majdanek

Gedenken

18.11.2017 Pages of Testimony für Edith Reiner und ihre Familie von Großnichte Amalie Joranova

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4999650

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4999766

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Sieghard Bußenius, Die Ausbildungsstätte des Hechaluz auf dem Brüderhof bei Harksheide, HaGalil 2007

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Hubertus Fischer, Hachschara in der Neumark: Altkarbe, Dragebruch und Heinersdorf. Drei kaum bekannte jüdische landwirtschaftliche Ausbildungsstätten, 2018

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert