Waldmann Josef

Josef Jossel Waldmann

*4.3.1925 Berlin; ✡ 20.1.1943 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Moritz Waldmann ; ✡?

Mutter Rosa Ruchel Eisner-Keller *23.12.1894 in Tarnopol; ✡1943 in Auschwitz

Geschwister Klara Waldmann *1.7.1923 in Berlin; ✡26.2.2015 in Kfar Saba; oo 1946 Moses Baum

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Berlin, Fehrbelliner Straße 81; Loosdrecht

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

Ostern 1931 Einschulung in die 15. Volksschule

Josef Nowitz scheint der Lebensgefährte von Rosa Waldmann zu sein

24.11.1933 Schulwechsel, Adresse Berlin, Fehrbelliner Straße 81; Fehrbelliner Straße 92 war das Jüdische Kinderheim

30.1.1939 Schulaustritt „ausgewandert“

27.3.1939 Schwester Klara auf der SS GALILEA von Triest nach Haifa

17.5.1939 Mutter Rosa alleinstehend in Berlin, Veteranenstraße 18 bei Minderheitenzählung

Niederlande

22.1.1939 Flucht von Josef Waldmann mit der Bahn nach Nijmegen

23.1.1939 Rotterdam

29.4.1939 Burgerweeshuis Gouda, Spieringstraat 1, Gouda

13.12.1939 Quarantine Amsterdam, Zeeburgerdijk 321, Amsterdam, vermutlich wegen der in den Heimen grassierenden Diphtherie

12.1.1940 Josef Waldmann nach Loosdrecht

In den Heimen in Rotterdam, Gouda, Amsterdam und Loosdrecht war er immer zusammen mit seinem Freund Fabian Schön

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam das Hachschara Zentrum „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. 99 Jugendliche fanden hier Zuflucht. Ab 1939 bis zur Schließung am 16.10.1940 bestand parallel der Jugendalija Hof von Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 14-Jährige.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde das Lager kurzfristig nach Alkmaar evakuiert.

12.1.1940 Josef Waldmann in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

v. l. David Rosenbaum, Lilly Kellner, Jossel Waldmann
Jeugdalija in Loosdrecht im Sommer 1942; Fabian Schön vorn 2. von links; Jossel Waldmann 3. Reihe 5. von links

Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem typischen Datumsstempel der onderduiker aus Loosdrecht

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

Verhaftung an der belgischen Grenze

September 1942 eine Gruppe von acht „onderduiker“ aus Loosdrecht soll über Belgien und Frankreich in die Schweiz geschleust werden: Siegbert Leo Adler, Bernhard Aschheim, Robert Jozef Dürheim, Esra Jurovics, Lilly Kellner, Juda Pinkhof, Fabian Schön und Jossel Waldmann.

8.9.1942 Sie werden beim Grenzübertritt verhaftet und zum SD (Gestapo) nach Brüssel gebracht

25.10.1942 Internierung der Gruppe im Sammellager Kazerne Dossin in Mechelen

28.10.1942 Siegbert Adler und Robert Dürheim auf dem XVI. Transport von Mechelen nach Auschwitz

30.10.1942 Deportation der anderen sechs Flüchtlinge auf dem XVII. Transport von Mechelen nach Auschwitz

3.11.1942 Ankunft der beiden Transporte aus Mechelen in Auschwitz

Ein Foto aus Loosdrecht

Die Mutter Rosa verrichtet Zwangsarbeit bei Siemens & Halske. Eines Tages zeigt ihr nicht die bekannte jüdischen Zwangsarbeiterin Mirjam Nussbaum ein Foto ihrer Töchter Sophie und Auguste Gustl Nussbaum  aus Loosdrecht, worauf hin seine Mutter ausruft: „Das ist doch mein Jossel!“

Offensichtlich konnte die Mutter der Fabrikaktion im März 1943 noch entgehen

28.9.1943 Deportation der Mutter auf dem 43. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

Gedenken

Der Gedenkstein

Der am 11. August 1987 enthüllte Gedenkstein mit den Namen der 23 ermordeten Chaluzim und dem Text

TER NAGEDACHTENIS AAN DE JOODSE KINDEREN EN HUN LEIDERS VAN DE JEUGDALIJAH LOOSDRECHT DIE IN HET VERZET OF IN CONCENTRATIEKAMPEN OMKWAMEN

Quellen

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Josef Waldmann (born 4 March 1925)

https://www.joodsmonument.nl/en/page/660802/josef-waldmann

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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