Kimmelstiel Albert

Albert Kimmelstiel

*8.9.1923 in Forth, Erlangen; ✡ 28.1.2016 USA

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Vater Fritz Kimmelstiel *1.12.1883 in Forth; ✡ 26.3.1942 in Riga Bikernieki

Mutter Lina Reinhold * 19.6.1891 in Kleineibstadt, Bayern; ✡ 26.3.1942 in Riga Bikernieki

Onkel Siegfried Reinhold * 21.3.1885 in Kleineibstadt, Bayern; ✡ vermutlich 26.3.1942 in Riga Bikernieki

Tante Klara Kimmelstiel *7.3.1887 in Forth; ✡ vermutlich 26.3.1942 Bikernieki

Fritz, Max, Lina, Albert Kimmelstiel © Albert Kimmelstiel

Geschwister

Justin Kimmelstiel *29.3.1916 in Forth; ✡ ? Argentinien

Max Kimmelstiel *6.12.1920 in Forth; ✡ 21.3.1944 in Auschwitz

Beruf Gärtner

Adressen Forth; Nürnberg, Frauentormauer 94 c; Bronx, New York

© Albert Kimmelstiel

Heirat 6.8.1950 in Manhattan Margit Miriam Hirsch *21.8.1927 in Frankfurt

(1933 Flucht mit den Eltern ins Elsass; mit gefälschten Papieren in Straßburg)

Kinder zwei Söhne

Fred Kimmelstiel

Weiterer Lebensweg

1936 Besuch der jüdischen Volksschule in Nürnberg

1936 Bruder Justin emigriert nach Argentinien

1938 Verkauf des Hauses in Forth

1938 Umzug nach Nürnberg

Albert aktiver Fußballer im jüdischen Fußballverein

17.5.1939 Max Kimmelstiel mit beiden Eltern und Bruder Max sowie mit Siegfried und Clara Reinhold bei Minderheiten-Volkszählung (Ergänzungsbogen zur Volkszählung)

Riga Jungfernhof und Ghetto

27.11.1941 Verhaftung von Max Kimmelstiel mit beiden Eltern und Bruder Max sowie mit Siegfried und Clara Reinhold in Nürnberg, mit einem Polizeiauto verbracht ins Lager Langwasser

27.11.-29.11.1941 im Lager Langwasser auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

29.11.1942 mittags Fußmarsch von einem Kilometer zum Bahnhof Märzfeld

Transport von Nürnberg nach Skirotawa

2.12.1941 Ankunft des zweiten Deportationszug aus dem Reich in Riga – mit 1.008 Menschen aus Nürnberg/Franken; Fußmarsch ins Lager Jungfernhof

Abmeldung in Nürnbergam 6.12.1941

März 1942 Aushebung von Gruben im Hochwald von Bikernieki durch das jüdische „Hochwald-Kommando“

26.3.1942 Tod der Eltern in der „Dünamünde-Aktion“ im Jungfernhof 1200 erschossen in Bikernieki, 450 bleiben zurück; zunächst waren 600 angekündigt.

Wiederholte Überstellungen ins Ghetto Riga, zuletzt April 1943

Februar 1943 die Brüder Kimmelstiel vom Jungfernhof ins Ghetto; bereits nach 8 Tagen Albert Kimmelstiel zusammen mit Josef Katzenfuss in das neue Lager in Riga Kaiserwald zum Aufbau der dortigen SS-Gärtnerei; untergebracht im ehemaligen Studentenheim in Riga-Kaiserwald

Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung;

Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer

Große Selektion

3.11.1943 Große Selektion bei finaler Auflösung des Ghetto Riga; der gehörlose Bruder Max wird auf den bereitstehenden LKW verladen; Albert schließt sich freiwillig an. 2200 Ghetto-Bewohner ab Riga-Skirotawa in zwei Zügen in Güterwaggons nach Auschwitz

4.11.1943 Ankunft der Brüder Kimmelstiel mit 596 Überlebenden der ersten Zuges an der Rampe in Auschwitz Birkenau; bei der Selektion werden von nur 120 zur Zwangsarbeit bestimmt. Die Brüder bekommen konsekutive Auschwitz-Häftlingsnummer in den linken Unterarm tätowiert Albert 160761, Max 160762

5.11.1943 Ankunft des zweiten Zuges mit 1000 Deportierten an der Rampe in Auschwitz Birkenau; es werden von nur 120 Männer und 30 Frauen zur Zwangsarbeit bestimmt.

Nach 4 Wochen Quarantäne arbeiten die Brüder im Steinbruch, Albert später mit Norbert Wollheim im Schlosserkommando von BUNA Monowitz; die beiden freunden sich an. Bruder Max kommt in die Lagerküche.

21.3.1944 Tod von Max Kimmelstiel in Auschwitz

15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten

Die SS-Wachmannschaften verbrennen die Lagerkartei und Transportlisten, sprengen die Krematorien und zünden die Magazine mit dem geraubten Häftlingseigentum an.

18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 Männer aus Monowitz

Auschwitz-Überlebende berichten von der Brutalität der SS-Leute während des Todesmarsches:

Asher Aud:

„Wenn wir sind gegangen Totenmarsch, da sind keine Menschen gegangen, da sind nur Skelette gegangen.“

Sigmund Kalinski:

„Wer nicht konnte oder wer zur Seite war, wurde erschossen, bei ungefähr 15 bis 20 Grad minus in unseren Kleidern.“

Isidor Philipp berichtet:

„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“

19. – 23.1.1945 Ankunft in den Eisenbahnknotenpunkten Gleiwitz und Loslau. Von Gleiwitz oder Loslau in Güterwaggons zu westlich gelegen Konzentrationslager wie Mauthausen, Buchenwald, Ravensbrück, Sachsenhausen

Ca 5000 werden in offenen Güterwaggons von Gleiwitz nach Mauthausen transportiert, dort aber wegen Überfüllung abgewiesen; Isidor Philipp berichtet:

„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“

Bei Ankunft im KL Sachsenhausen treten nur noch 2500 Juden an.

Nach Schätzungen starben bei diesen Räumungstransporten von Auschwitz insgesamt zwischen 9.000 und 15.000 Häftlinge.

Arbeit in der Flugzeugmontage der Heinkel Werke

22.4.1945 Evakuierungsmarsch Richtung Waren/Müritz in Mecklenburg

3.5.1945 Befreiung in Schwerin durch die US Army

Nachkriegszeit

5.10.1945 im DP Camp Nr. 503 Zeilsheim

Bericht unter dem Namen der Mutter Reinhold

November 1945 in Lübeck Aufzeichnung seiner Erinnerungen über Riga

28.1.-11.2.1947 Albert Kimmelstiel auf dem Marinetransporter USS MARINE PERCH von Bremen nach New York

Registration Card für die US Army; er wohnt in New York beim Bruder der Mutter Julius Reinhold

6.8.1950 Heirat in Manhattan mit Margit Miriam Hirsch aus Frankfurt

Albert Kimmelstiel registriert als Voter für die Democrats in Manhattan

Quellen

http://www.wollheim-memorial.de/de/albert_kimmelstiel_1923

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Manhattan, New York City, New York, USA, Wahlregister, 1915–1956

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Nuernberg10.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Nuernberg25.jpg

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de897992

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de897991

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de897990

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de948543

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de948555

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de948536

https://objekte.jmberlin.de/object/jmb-obj-116601

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70166965

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/67662952

Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick Hrsg., Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020

Wolfgang Scheffler, Diana Schulle, Buch der Erinnerung, Die ins Baltikum deportierten Juden 2011

Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008; Seite 171

Gertrude Schneider, Exile and Destruction, The Fate of the Austrian Jews 1938-1945; Praeger 1995

Hilde Sherman: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto, Frankfurt/M.-Berlin-Wien, 1984

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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