Robinsohn Heinz

Karl Heinz Robinsohn

*23.10.1902 in Hamburg; ✡23.8.1942 in Paris

Staatsangehörigkeit

Religion jüdisch

Vater Leo Robinsohn *12.3.1867 in Borek; ✡2.2.1958 in Hamburg

Heirat der Eltern September 1901 in Hamburg

Mutter Toni Guttmann *2.7.1880 in Breslau; ✡ ?

Onkel Max Robinsohn *25.7.1862 in Borek; ✡ 24.10.1957 in Schweden

Geschwister

Walter Robinsohn *1905 in Hamburg; ✡ ?

Alice Robinsohn *22.3.1907 in Hamburg; ✡3.6.2009 in Kfar Saba; oo Jens Borchardt

Helmut Peter Robinsohn *1911in Hamburg; ✡ ?

Cousin Hans Robinsohn *2.3.1897 in Hamburg; ✡28.4.1981 in Hamburg

Beruf

Adressen Hamburg, Harvestehude, Klosterstern, Hochallee 66; Hof Jägerslust bei Flensburg

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

Der Millionärsfamilie Leo und Max Robinsohn gehörte das größte Hamburger Modehaus „Gebrüder Robinsohn“ am Neuen Wall 25-31mit 750 Angestellten; das Unternehmen gibt sogar eine eigene von der bekannten Frauenrechtlerin Frieda Radel geleitete Frauen-Zeitschrift heraus.

4.3.1927 Bruder Walter emigriert in die USA

1927 beide Eltern auf der SS DEUTSCHLAND von Hamburg nach New York, um dort Sohn Walter zu besuchen

Seefahrtshachschara

11.11.1930 Schwester Alice heiratet Jens Theodor Erwin Borchardt, Sohn der Hamburger Reederei-Familie Borchardt; seine Mutter Lucy organisierte als überzeugte Zionistin die „Seefahrtshachschara“ auf ihren Schiffen.

Lucy Borchardt war die einzige jüdische Reederin in der Geschichte der Schifffahrt.

Hachschara-Lehrgut Jägerslust bei Flensburg

Karl Heinz Robinsohn zur Hachschara in das Lehrgut Jägershof bei Flensburg

Der Hof gehörte der Familie von Käthe und ihrem Sohn Alexander Wolff (1891-1984); er war mit 77 Hektar der zweitgrößte in der Region Flensburg

Herbst 1934 Beginn der Hachschara-Ausbildung mit 12 Praktikanten; bis 1938 wurden hier etwa 100 Chawerim ausgebildet.

1935 kommt Jitzchak Skedi (1912-1982) als Sjalach des Kibbutz Givat Hashlosha auf den Hof, um Hachschara und Alija-Aktivitäten zu unterstützen.

1936 Bau eines Wohnhaus für die männlichen Arbeiter, womit die Kapazität auf 25 erhöht wird

Novemberpogrom

10.11.1938 brutaler Überfall und Verwüstung des Gut Jägerhof, angeführt vom Flensburger Polizeipräsidenten SS Standartenführer Hinrich Möller. Alle Bewohner werden verhaftet, die Männer ins Polizeigefängnis Kiel, von wo sie später ins KL Sachsenhausen deportiert werden. Hofbesitzer Alexander Wolff kann im letzten Moment über die nahe gelegenen dänische Grenze flüchten. Seine Mutter Käthe Wolff kommt mit den Frauen ins Polizeigefängnis nach Flensburg; sie werden nach einem Tag entlassen.

Einweisung der männlichen Chaluzim aus Kiel als „Schutzhäftlinge“ in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Heinz Robinsohn bekommt die Häftlingsnummer 11086, Unterbringung im Block 61

Das Kaufhaus der Familie am Neuen Wall wird völlig verwüstet.

Cousin Hans Robinsohn berichtet: „Am Morgen des 10. November 1938 wurde mir telefoniert, dass im Geschäft allerhand zerstört sei. Ich fuhr dann hinein und musste feststellen, dass es bei uns aussah wie nach einer Artilleriebeschießung – man wunderte sich nur, dass noch die Mauern standen. Durch sämtliche Schaufenster und deren Rückwände waren um 4 Uhr ca.50 Leute eingedrungen und hatten innerhalb einer Stunde eine Verwüstung ohnegleichen angerichtet. … Alles Glas, Tische, Schränke, Lampen und Vitrinen zerschlagen; die Splitter lagen etwa 25 Zentimeter hoch vom Boden. Alle Schränke und Tische waren umgestürzt, die Fahrstuhltüren eingeschlagen; die Waren heruntergerissen und ausgeschüttet, dann zertreten, zerschrammt und zerdrückt.“

Rassenschande

Verhaftung von Vater Leo und Onkel Max Robinsohn, Anklage wegen „Rassenschande“

28.2.1939 die in Österreich erscheinende „Deutsche Volkszeitung“ berichtet: „Wieder zwei jüdische Rassenschänder verhaftet“:

29.4.1939 die in Sydney erscheinende Zeitung „The World News“ berichtet in der Rubrik „Crime And Legal Affairs, National International News, Business And Finance“ von der Verhaftung des Vaters Leo und Onkel Max wegen „Rassenschande“

Nach dem Pogrom

28.12.1938 Entlassung von Karl Heinz Robinsohn aus der „Schutzhaft“ im KL Sachsenhausen, zusammen mit 14 jüdischen Gefangenen aus Kiel, davon zehn aus dem Gut Jägerslust

Vater Leo Robinsohn wurde nach acht Monaten ohne Begründung aus der Haft entlassen, Onkel Max „aus Mangel an Beweisen“ freigesprochen.

17.5.1939 Karl Heinz Robinsohn mit den Eltern in Hamburg, Hochallee 66 bei der Minderheiten-Volkszählung

31.8.1939 Max und Ehefrau Therese Robinsohn fliehen nach Schweden

Sommer 1939 Flucht von Karl Heinz Robinsohn mit den Eltern nach England (?) möglich auch Paris

Die Stadtvilla Hochallee 66 mit ihren 22 Zimmern wird nach der Emigration ihres Eigentümers Leo Robinsohn (1867-1958) im Dezember 1940 verkauft.

Britischer Census

29.9.1939 Schwester Alice in Harrogate, Fischgeschäftbesitzerin

23.8.1942 Tod von Karl-Heinz Robinson in Paris

1947 beide Eltern auf der SS AMERICA von Cherbourg nach New York, um dort Sohn Peter zu besuchen;

zuvor lebten sie in Paris bei Mr.(? vielleicht Mrs.) J. Robinson

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4092137

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4092136

Frankreich, kirchliche Bestattungen und zivile Todesfälle – Karl Heinz ROBINSON

http://danielabraham.net/tree/related/hachshara/

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411027-Wuppertal2.jpg

https://collections.yadvashem.org/de/names/9320650

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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