Katzenberg Paul

Paul Katzenberg

*18.6.1909 in Hamborn; ✡10.11.1996 in Stockholm

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Salomon Sally Katzenberg *31.10.1869; ✡ 23.1.1931 in Duisburg

Mutter Ottilie Epstein *13.7.1875 Hoppstädten-Weiersbach; ✡ 1942 Minsk

Geschwister

Tony Katzenberg *9.4.1908 in Hamborn; ✡31.12.1999 Jerusalem; Leo Ermann (*5.2.1899-1988)

Liddy Katzenberg *22.7.1911 in Hamborn; ✡4.3.1998 Israel; oo Hans Mannheimer

Beruf Großhandelskaufmann, Landarbeiter

Adressen Hamborn; Duisburg; Hof Jägerslust bei Flensburg; Stockholm

Heirat 9.9.1938 Heirat mit Rosel Adler*2.2.1912 in Berlin; 19.1.1994 Stockholm

Kinder

Ruth Hanna Katzenberg *21.8.1943; ✡?

Katzenberg *17.11.1945; ✡?

Weiterer Lebensweg

Volksschule, Realschule, Lehre als Großhandelskaufmann

Ca 1938 Schwester Liddy Katzenberg nach Palästina

Juni 1939 Schwester Toni Ermann nach Belgien

Dezember 1940 Schwester Toni Ermann nach Lyon Frankreich; sie überlebt mit Ehemann Leo und den Kindern Mirjam und Suzanne im Tessin, Schweiz

Hachschara-Lehrgut Jägerslust bei Flensburg

Paul Katzenberg zur Hachschara in das Lehrgut Jägershof bei Flensburg

Der Hof gehörte der Familie von Käthe und ihrem Sohn Alexander Wolff (1891-1984); er war mit 77 Hektar der zweitgrößte in der Region Flensburg

Herbst 1934 Beginn der Hachschara-Ausbildung mit 12 Praktikanten; bis 1938 wurden hier etwa 100 Chawerim ausgebildet.

1935 kommt Jitzchak Skedi (1912-1982) als Sjalach des Kibbutz Givat Hashlosha auf den Hof, um Hachschara und Alija-Aktivitäten zu unterstützen.

1936 Bau eines Wohnhaus für die männlichen Arbeiter, womit die Kapazität auf 25 erhöht wird

Novemberpogrom

10.11.1938 brutaler Überfall und Verwüstung des Gut Jägerhof, angeführt vom Flensburger Polizeipräsidenten SS Standartenführer Hinrich Möller. Alle Bewohner werden verhaftet, die Männer zusammen mit 58 Juden zwischen 17 bis 72 Jahren eingesperrt im Gestapohauptquartier Düppelstraße 23 in Kiel; die „polnischen“ Juden wurden später freigelassen.

Aus Kiel werden sie später ins KL Sachsenhausen deportiert. Hofbesitzer Alexander Wolff kann im letzten Moment über die nahe gelegenen dänische Grenze flüchten. Seine Mutter Käthe Wolff kommt mit den Frauen ins Polizeigefängnis nach Flensburg; sie werden nach einem Tag entlassen.

Paul Katzenberg wohl in Hamburg verhaftet; dafür spricht seine und die Häftlingsnummer der Mitgefangenen aus dem 8700er Bereich

23.12.1938 Entlassung von Paul Katzenberg (Häftlingsnummer 8743, Block 20) aus der „Schutzhaft“ im KL Sachsenhausen

28.12.1938 Entlassung von 14 jüdischen Gefangenen aus Kiel aus der „Schutzhaft“ im KL Sachsenhausen, davon acht aus dem Gut Jägerslust.

Dezember 1938 Viele aus Buchenwald und Sachsenhausen Entlassenen gehen zum Hachschara-Trainingskurs im Lager Schlosshofstraße in Bielefeld zusammen

Februar 1939 eine größere Gruppe aus Bielefeld geht zur Holland nach Dänemark und nach Einzelhachschara der „Deventer Vereniging“ oder ins Werkdorp Wieringen.

Paul und Rosel Katzenstein gehen nach Dänemark

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939  kein Mitglied der Familie erfasst; Mutter Ottilie nach dem Tod ihres Mannes Sally vermutlich zu ihrer Familie nach Hoppstädten gezogen

Ausnahmezustand in Dänemark 1943

1939 Emigration von Paul und Rosel Katzenstein nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen

9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen

17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark

September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark

„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.

28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.

Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

13.10.1943 Paul und Rosel Katzenberg mit dem sieben Wochen alten Säugling Ruth auf einem Fischkutter von Moen in Dänemark nach Trelleborg Schweden

Auszug aus dem Bericht von Paul Katzenberg bei Jørgen Hæstrup:

„Spät am Abend desselben Tages begannen wir die letzte Etappe unserer Reise nach Schweden. Die Taxis fuhren voraus, und alle, die einen Platz ergattern konnten, stiegen in diese ein. Die übrigen Reisenden sollten in Falcks Krankenwagen mitfahren. Es waren ältere Leute dabei, und wir zwei relativ junge, darunter der Jüngste unserer Gruppe. In der Dunkelheit der Nacht, beschützt von mit Pistolen bewaffneten Männern, rasten die Wagen zu einer der dänischen Südseeinseln (Møn). Dort erwartete uns ein Fischereischiff, an Bord 200 Personen. Um 2 Uhr nachts legte das Schiff aus dem dänischen Fischereihafen ab, und nach neun Stunden, gegen 11 Uhr, erreichten wir Trelleborg in Schweden.“

Theresienstadt – Treblinka

27.7.1942 Mutter Ottilie deportiert aus Hoppstädten auf dem Transport III/2 Trier – Köln nach Theresienstadt

19.9.1942 Mutter Ottilie deportiert auf dem Transport B o von Theresienstadt nach Treblinka

Nachkriegszeit

1956 Schwester Liddy zu Paul Katzenstein nach Stockholm, später in die Schweiz

Gedenken

Grabstein für Paul und Rosel Katzenberg auf dem Södra Judiska Begravningsplatsen, Stockholm

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4994453

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4092126

https://danielabraham.net/tree/related/hachshara

https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Uppgift_Katzenberg__Paul.pdf

Schweden, Haushalte-Untersuchungsbücher, 1840-1947 – Paul Katzenberg

Paul Katzenberg in: Jørgen Hæstrup, Passage to Palestine – Young Jews in Denmark, 1932-1945

http://danielabraham.net/tree/related/hachshara/

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411027-Wuppertal2.jpg

https://collections.yadvashem.org/de/names/9320650

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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