Dr. Rudolf Grüneberg
*20.3.1911 in Elberfeld; ✡12.10.1977 in Edinburgh
Staatsangehörigkeit deutsch; britisch
Religion jüdisch
Vater Ludwig Grüneberg *9.5.1876 in Hachen; ✡ 11.12.1943 in Theresienstadt
Heirat der Eltern 2.5.1904 in Linnich
Mutter Sofie Mendel *3.4.1876 in Linnich; ✡ 11.2.1943 in Theresienstadt
Geschwister
Hilde Grüneberg *1903 in Elberfeld; ✡1918 in Elberfeld
Kurt Grüneberg *7.5.1910 in Hüsten; ✡1957 in England
Ilse Grüneberg *20.3.1914 in Elberfeld; ✡5.10.1970 in Naharija; oo Rudolf Stern (1909-1993); oo Jakob Lodner (1914 in Fürth-1986 Haifa)

Richard Grüneberg/Giveon *7.2.1916 in Elberfeld; ✡ Aug 1985 in Afula
Beruf –
Adressen Elberfeld; Wuppertal; Sorau; England
Heirat 1939 in Harwich mit Viktoria Treistmann *19.8.1914 in Meinerzhagen; ✡2011 England
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Bruder Richard zur Hachschara auf den Hof Wecker in Rüdnitz bei Bernau
Hachschara Lehrgut Schniebienchen
Rudolf und Ilse Grüneberg zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.
Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:
Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 122 Personen, 1939 waren 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen
Rudolf Grüneberg, seine Schwester Ilse sowie deren späterer Ehemann Rudolf Stern registriert in Schniebinchen, Sorau
Emigration nach England 1939
29.9.1939 Rudolf Grüneberg bei brit. Census inPinetrees Flat, Hothfield, West Ashford, Kent
Juli-September 1939 Heirat in Harwich
Sonderhachschara (SH2) auf der SS HILDE
13.10. 1939 fuhren etwa 20 Chawerim, u.a. Schwester Ilse und Rudolf Stern ab Schniebinchen über Sommerfeld und Breslau nach Wien, wo sie der Sonderhachschara (SH2) über die Schwarzmeerroute angeschlossen werden und auf der SS HILDA vor der Drei-Meilen-Zone von der Royal Navy vor Haifa geentert werden.
29.1.1940 Erlaubnis der Briten im Hafen von Haifa zu landen, von wo sie mit Bussen in das britische Internierungslager nach Atlith verbracht werden
Theresienstadt
21.-22.7.1942 beide Eltern auf dem Transport von Wuppertal ab Düsseldorf nach Theresienstadt

11.2.1943 Tod der Mutter in Theresienstadt
11.12.1943 Tod des Vaters in Theresienstadt
1947 Einbürgerung von Rudolf Grüneberg als britischer Citizen
Gedenken
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Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de880542
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de880567
https://www.statistik-des-holocaust.de/TT420721-14.jpg
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316