Esther Toba Niedrig – Nogatsch
24.4.1917 in Zürich; ✡ ?
Staatsangehörigkeit
Vater Henoch Nogacz/Nogatsch *1875 in Lodz; ✡12.4.1947 in Baden, Schweiz
Mutter Golda Feldmann * in Lodz; ✡1917 in Zürich
Geschwister
Rebecca Rebi Nogatsch; oo Moritz Friedmann *1906
Abri Wolf Nogatsch *1911 in Lodz; ✡8.12.1986 in Zürich; oo Klara Rosner
Moritz Nogatsch
Mathis Max Nogatsch *11.11.1913; ✡8.12.1986 Zürich
Sara Susi Nogatsch; ✡1967 oo David Kin (*28.5.1915 in Zürich, 5.6.1991 in Chur)
Halbgeschwister zweite Ehe des Vaters mit Chana Eckmann (1889-April 1960)
Pinhas (Pini) Nogatsch (*1923), Jakob (Joggi) Nogatsch, Mari Nogatsch
Beruf –
Adressen Zürich; Paris;
Heirat 20.4.1939 Moses Max Aron Niedrig *14.7.1912 in Lemberg/Lwow;
Schwager Fritz Schulim Niedrig *12.9.1910 in Auschwitz; ✡1987 in Toronto
Schwägerin Ruth Fanny Seckelsohn *15.11.1920 in Berlin; ✡ August 1943 in Auschwitz
Schwägerin Scheindel Niedrig
Kinder ja
Weiterer Lebensweg
1916 Auswanderung der Familie Nogatsch von Lodz in die Schweiz
1923-1927 Besuch der Volksschule in Wettingen
1927 im Alter zu den älteren Schwestern nach Chur, auf das dortige Gymnasium
Die Töchter der Familie führten im Zentrum den Kleiderladen «S’chlina Lädeli»
Später nimmt der Vater sie aus der Schule, um im Geschäft zu helfen.
1939 besucht Ester Nogatsch einen Bruder des Vaters in Mailand; dort lernt sie ihren späteren Mann Max Moses Niedrig kennen.
Nach der Rückkehr aus Mailand wohnt Ester beim Bruder Abri und dessen Frau Klara nach Zürich, Hohlstraße
20.4.1939 Heirat nach jüdischen Ritus in Zürich.
Eine bereits gebuchte Schiffspassage von Marseille nach Palästina, konnte nicht angetreten werden, da von der britischen Protektoratsbehörde zu wenige Visa ausgestellt wurden.
Esther arbeitet in einer kleinen Hotel an der Rue Doudoville in Paris bei der Familie Garrig.
Eintritt von Max Niedrig in die französische Fremdenlegion. Im Verlauf des Krieges wird seine Einheit gefangen genommen; er kommt in das STALAG IX in der Lüneburger Heide.
27.11.1941 offizielle bürgerliche Ehe als Fernheirat, Ester im Rathaus in Paris, Max vor einem Vertrauensmann im STALAG VI-C
1945 wird das STALAG IX von der US-Armee befreit. Max Niedrig arbeitet als Dolmetscher für die US-Army
Das Sternlager Bergen-Belsen
Aus Westerbork nach Bergen Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt in das Austauschlager Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
Die Deportation der Juden aus Frankreich
11. Juni 1943 Verhaftung von Ester Niedrig in Paris; Internierung in Drancy
Zwischen Juli 1942 und 1944 wurden 75000 Juden aus Frankreich über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert; die Vichy-Regierung konnte für die Frauen und Kinder der etwa 10000 jüdischen französischen Kriegsgefangenen einen Sonderstatus aushandeln: sie wurden zwar auch in Drancy interniert, aber zumeist nicht deportiert. Sie wurden in die französischen Internierungscamps Pithiviers und Beaune-la-Rolande verlegt. Es wurden auch Jüdinnen in den Lagern Austerlitz, Lévitan und Bassano in Paris zur Zwangsarbeit eingesetzt
Paris – Drancy –Bergen Belsen – die 245 Austauschgeiseln
Im Mai und Juli 1944 wurden 168 Frauen und 77 Kinder von Kriegsgefangenen als Geiseln in vier Konvois in das Austauschlager „Sternlager“ des KL Bergen-Belsen überstellt.
Konvoi A 2.5.1944 70 Personen
Konvoi B 3.5.1944 74 Personen
Konvoi C 21.7.1944 49 Personen
Konvoi D 23.7.1944 65 Personen

21.7.1944 Deportation von Ester Niedrig auf dem Konvoi C mit 49 Personen von Drancy nach Bergen Belsen; in Bergen Belsen in einer Baracke mit den Französinnen.
Mit ihr zusammen waren u.a. Fernande Sapolsky und Marcelle Christophe, Helene Woland, Beatrice Engelstein-Domb
Die drei Austausch-Transporte Ziel Theresienstadt
6.-11.4.1945 Die Lager- SS schickt 6800 Austauschgeiseln aus dem Sternlager
Bergen-Belsen auf drei Transportzügen mit dem Ziel Theresienstadt.
6.4.1945 Abfahrt des ersten Transport von 2500 Geiseln, davon aber nur 12 Französinnen
13.4.1945 der Zug kommt in Farsleben in der Nähe von Magdeburg zum Stehen und wird von der US Army befreit.
9.4 – 21.4.1945 der zweite Zug mit 1712 Juden erreicht als einziger das Ziel Theresienstadt
Der Verlorene Zug
10.4.-23.4.1945 Irrfahrt des dritten, des „verlorenen Zuges“ mit 2400 Menschen endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz, es wütet ein Fleckfieber-Ausbruch, während der Fahrt sterben 198 Menschen.
Befreiung durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow
In den nächsten acht Wochen nach der Befreiung starben in Tröbitz weitere 300 Deportierte am grassierenden Fleckfieber.
Nachkriegszeit
1945 wird das STALAG IX von der US-Armee befreit. Max Niedrig arbeitet als Dolmetscher für die US-Army; er sucht seine Frau Ester in Bergen-Belsen
18.6.1945 Rücktransport von Ester Niedrig nach Paris
Wiedersehen von Ester und Max
16.10.1946 Einbürgerung von Mojzesz und Esther Niedrig in Paris; veröffentlicht im Journal Officiel de la République Française


4.9.-5.9.1947 Flug von Schwager Moritz Friedmann mit PanAm von Brüssel nach New York
Gedenken
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Quellen
Albert Bigielmann, J’ai eu 12 ans a Bergen-Belsen; Hrsg. Serge Klarsfeld 2011/ 2019
Marcelle und Robert Christophe, „le miracle de nos prisons“, 1974
https://spurenimvest.de/2021/04/26/woland-helene/
https://spurenimvest.de/2021/04/29/engelstein-domb-beatrice/
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de937128
https://geschichte-bewusst-sein.de/kinder-und-frauen-aus-frankreich-im-kz-bergen-belsen
Charles Hess, Personal Memoir of Charles Hess, 1946
Geschwister Birnbaum, Die Erinnerungen, wie Pappi sie geschrieben hat, Bergen-Belsen Archiv
Coos Wever, The lost train; Masterarbeit, Universität Haifa, 2020
Jüdische Holocaust-Gedenkstätten und jüdische Einwohner Deutschlands 1939-1945
http://www.arlt-archiv.info/html/verlorener-transport.php
Hannah van den Ende, Vergeet niet, dat je arts bent, Joodse artsen in Nederland 1940-1945; 2015 https://cris.maastrichtuniversity.nl/ws/portalfiles/portal/1098903/guid-0218a2d1-a36b-4c88-8e3e-e77b4e1b06be-ASSET1.0.pdf