Fritz Meyer
*28.4.1924 in Essen-Rüttenscheid
S
Taatsangehörigkeit
Religion jüdisch
Die Verwandschaftsbezüge sind ungesichert
Vater Julius Meyer *11.11.1888 in Lübbecke; ✡ nach in Izbica
Mutter Thea Paul *16.11.1897 ; ✡ ?
Geschwister Günter Meyer *12.2.1929 in Essen; ✡?
Cousin Kurt Nathan *27.6.1920 in Essen; ✡7.10.2016 in Somerset New Jersey
Beruf Landarbeiter
Adressen Essen; Schniebinchen, Sorau; Paderborn; Niederlande;
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Hachschara Lehrgut Schniebienchen
Fritz Meyer zur Hachschara ins Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Pharmaka wie das Sexmittel OKASA.
Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn v. Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörende Wassermühle (Jessener Mühle) verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting, auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM monatlich mit dem Jüdische Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute), der offizielle Briefkopf lautete:
Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld NL, Telefon: Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura… Papagei Laura rief im Vorbeigehen jedem zu „Heil Hitler Schalom“
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Fritz Meyer war zwischenzeitlich auch im Umschulungslager Paderborn zur Hachschara, ohne Datumsangaben
5.1.1939 Fritz Meyer zur Einzelhachschara in die Niederlande, vermutlich zuerst zur „Deventer Vereeniging tot vakopleiding“
Minderheitenzählung
17.5.1939 122 Personen, 1939 waren 109 Chaluzim und Angestellte registriert in Schniebinchen,
Fritz Meyer aber nicht mehr erfasst.

22.4.1942 Julius, Thea, Günther Meyer auf dem Transport aus Essen ab Düsseldorf ins Ghetto Izbica
Keine weiteren Daten zu Fritz Meyer; am ehesten illegale Alija Beth (SS DORA?)
Gedenken
18.5.2004 und 10.11.2020 Stolpersteine für Julius, Thea, Günther Meyer in Essen, Schützenbahn 56
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/11199108
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316