Erlanger Werner

Werner Erlanger

*24.7.1924 in Worms; ✡10.6.1948 in Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Jacob Erlanger *3.8.1874 in Altenstadt; ✡ 19.5.1944 in Auschwitz

Mutter Tilla Emmel *9.2.1883 in Bad Ems; ✡ 19.5.1944 in Auschwitz

Geschwister

Elisabeth Erlanger *17.11.1912 in Worms; ✡?; oo Viktor Liebschütz

Ernst Erlanger *23.11.1915 in Worms;

Beruf

Adressen Worms, Hafergasse 7; Schniebinchen, Sorau

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

1915-18 Vater Jakob Landsturmmann im Ersten WK

Vater Jacob war Händler, Vertrieb für Öle und Wurstwaren in Worms

1936 Bruder Ernst nach Palästina

1940 Schwester Elisabeth nach Palästina

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Werner Erlanger zur Hachschara auf Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Werner Erlanger registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen

17.5.1939 beide Eltern in Worms, Hafergasse 7

Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.

19.8.1939 Passausstellung für Werner Erlanger in Sorau

20.9.1939 Walter Erlanger nach Dänemark

5.11.1940 Werner Erlanger bei Familie Nielsen in Gunderslev, Flakkebjerg, Sorø bei dänischem Census

21.3.1941 Ankunft in Ranaana, Palästina mit Studentenzertifikat der Jugenalija

28.12.1942 Eintritt in die Palestinian Company der Royal Army

21.3.1943 Einbürgerung in Palästina

14.5.1948 Unabhängigkeitserklärung durch Ben Gurion

10.6.1948 in Israel Werner Erlanger kriegsgefallen im Unabhängigkeitskrieg

Worms – Theresienstadt – Auschwitz

23.9.1942 beide Eltern ab Worms auf dem Transport XVII/1 von Darmstadt nach Theresienstadt

16.5.1944 beide Eltern auf dem Transport E a von Theresienstadt nach Auschwitz

Gedenken

1955 und 12.1.2003 Pages of Testimony für die Eltern von Arie Erlanger

Stolpersteine für die Eltern in Worms

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de860036

https://www.statistik-des-holocaust.de/TT420927-24.jpg

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4975202

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Volkszählung in Dänemark von 1940

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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