Gerd Gerhard Löb
*5.1.1925 in Leipzig; ✡26.5.2013 in Kopenhagen
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Sally Löb *3.3.1882 in Weissenturm; ✡12.12.1927
Heirat der Eltern 31.3.1911 in Witzenhausen

Mutter Frieda Wallach *2.10.1885 Witzenhausen; ✡26.3.1942 Ghetto Riga
Stiefvater Markus Ruhr *10.1.1883 in Sötenich, Aachen
Geschwister
Willy Löb *27.1.1912 in Leipzig; ✡26.8.1972 in New York
Ruth Löb 5/1915 in Leipzig; ✡ 1/2007 USA; oo Hermann Isidor Hepner(*1912 Leipzig)
Beruf Landarbeiter; Jurastudent
Adressen Leipzig, König-Johann-Straße 10, Sedanstraße 6; Schniebinchen, Sorau; Kopenhagen
Heirat Maria Annalise Axelsen *11.7.1920 Fredriksberg
Kinder
Tochter Löb; oo Sörensen
Weiterer Lebensweg

Jüdische Mittelschule in Leipzig
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
Gerhard Löb zur Hachschara auf Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Gerhard Löb registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, registriert in Schniebinchen
Vor der Besetzung Dänemarks 1940 gingen viele mangels ausreichender Zertifikate für Palästina zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
6.10.1939 Gerhard Löb nach Dänemark
5.11.1940 Dänischer Census
Annelise Axelsen in Østerbrogade (Lægeforeningens boliger A), Kopenhagen
Ausnahmezustand in Dänemark 1943
1939 Emigration nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen
9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943
29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen
17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark
September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark
„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.
28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.
Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.
17.10.1943 Festnahme von Gerd Löb durch deutsche Polizei auf Falster; inhaftiert bis 23.11.1943, geplante Deportation nach Deutschland

23./24.11.1943 Flucht mit zwei Chaluzim durch Sprung von einem Dach; mit Hilfe kommen sie von Falster nach Roskilde
28.11.1943 mit dem Boot nach Hälsingborg
Leipzig – Ghetto Riga

21.1.1942 Mutter Frieda und Stiefvater Markus Ruhr auf dem Transport mit 785 Juden von Leipzig ins Ghetto Riga; aus dem Gestapobezirk Leipzig kamen 561 und aus Dresden 224 Deportierte
24.1.1942 Ankunft am Güterbahnhof Skirotawa
26.3.1942 Tod der Mutter und des Stiefvaters im Ghetto Riga, vermutlich bei der Dünamünde Aktion durch Massenerschießung im Hochwald von Bikernieki
Gedenken
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Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de956521
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de956528
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420121-Leipzig14.jpg
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/P.M._Loeb__Gerhard.pdf
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage