Orchudesch Heinz

Heinz Josef Willy Orchudesch

*10.10.1923 in Berlin; ✡10.10.1923 in Rehovot

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Alfons Orchudesch *19.5.1880 in Hamburg; März 1943

Mutter Käthe Bielschowski *7.11.1889 in Berlin; 10.9.1942 in Kulmhof

Geschwister

Beruf Landwirtschaftlicher Arbeiter und Dozent

Adressen -; Schniebinchen, Sorau

Heirat Frau Segal

Kinder drei

Tochter Orchudesch; oo Levy

Tochter Orchudesch; oo Heller

Tochter Orchudesch¸oo Sagi

Weiterer Lebensweg

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Heinz Orchudesch zur Hachschara auf Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939 Heinz Orchudesch registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten, in Schniebinchen

17.5.1939 Mutter Käthe registriert in Berlin Charlottenburg, Rocher Straße 3

17.5.1939 Vater Alfons wohnt in Wilmersdorf, Pariser Straße 3; die Eltern sind verm. geschieden

Vermutlich illegale Alija beth nach Palästina; keine weiteren Dokumente

Ghetto Lodz

1.11.1941 Deportation der Mutter von Berlin ins Ghetto Lodz

Im Ghetto Lodz wohnt sie in der Kelmstr,79

10.9.1942 Deportation der Mutter vom Ghetto Lodz in das Vernichtungslager Kulmhof

Fabrikaktion

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

2.3.1943 Vater Alfons auf dem 32. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

Gedenken

25.9.1977 Pages of Testimony für die Eltern von Heinz Orchudesch

Grabstein für Heinz Orchudesch in Rehovot

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en1129997

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en1129910

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11251032

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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