Senger Ursula

Ursula Senger/Nurit Avnin

*8.4.1924 in Stettin; ✡19.12.2012

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Erich Senger *13.4.1890 in Stettin; ✡1944 Belzec

Verlobung der Eltern Weihnachten 1921

Mutter Ilse Elise Schmider *24.2.1903 in Danzig; ✡1938

Großeltern Adolf Senger (3.12.1853); Wanda Bartenstein (*12.11.1865)

Großeltern Alfred Kiewe; Felicitas Falk

Tante Gertrud Senger *21.5.1894 in Stettin

Geschwister

Beruf Kindergärtnerin

Adressen Stettin; Schniebinchen, Sorau

Heirat 28.3.1945 in Nehalel Benjamin Baruch Avnin/Bunin *15.9.1913; ✡25.11.2004

Kinder zwei

Weiterer Lebensweg

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Ursula Senger zur Hachschara  in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Minderheitenzählung

17.5.1939

Ursula Senger registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen

31.1.1940 Einreise von Ursula Senger mit einer großen Gruppe Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren auf der SS PROVIDENCE in Haifa

Die Deportation der Juden aus Stettin am 13.2.1940

Stettin-Belzec-Piaski-Majdanek

Am 12. Februar 1940 erhielten die Stettiner Juden den Befehl, sich binnen nur sieben Stunden für den Abtransport bereitzuhalten. Anschließend wurden sie in das Ghetto Lublin deportiert. Die Umstände, unter denen diese erste Massenverschleppung von Juden aus dem »Altreich« erfolgte, waren furchtbar. Elsa Meyring selbst berichtete später von der Deportationsaktion, die die Juden Stettins völlig unvorbereitet traf. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt wurden etwa 1100 Juden, darunter viele Kinder und ältere Menschen, in einer mehrere Tage dauernden Fahrt in ungeheizten Waggons in den Bezirk Lublin gebracht, wo sie vom Ankunftsbahnhof aus auf Gewaltmärsche in die ihnen zugewiesenen Aufenthaltsorte getrieben wurden. Bereits auf der Zugfahrt und den Märschen starben die ersten Menschen, während andere Erfrierungen und Verletzungen erlitten, die später zum Tode führen sollten.

Die Deportation der Juden aus Stettin am 13.2.1940 und Schneidemühl am 21.2.1940

13.2.1940 Deportation von 1107 Stettiner Juden nach Lublin. Die dänische Zeitung „Politiken“ berichtet am 17.2.1940:

„In den Nachtstunden des 12. zum 13. Februar wurden in Stettin sämtliche Juden abtransportiert… Zwischen 3 und 4 Uhr am Morgen des 13. Februar wurden die Juden mit Frauen und Kindern ohne Rücksicht auf ihr Alter und ihren Gesundheitszustand durch je zwei Posten der SS und der SA aus ihren Wohnungen geholt und zum Güterbahnhof Stettin gebracht, von wo aus der Abtransport nach Ostpolen in den frühen Morgenstunden des Dienstag erfolgte. Auch die Insassen der beiden jüdischen Altersheime in Stettin, ca. 82 Personen, darunter Frauen und Männer über 90 Jahre, wurden deportiert. Soweit sie nicht mehr zu gehen imstande waren, wurden sie auf Tragbahren zum Güterbahnhof gebracht… Bereits auf der Durchfahrt durch Schneidemühl – etwa 24 Stunden nach dem Abtransport – mussten die ersten Leichen aus dem Deportationszug entfernt werden. Es handelte sich zunächst um eine Frauenleiche, der später die Leichen von zwei Kindern folgten. Einige andere Personen lagen im Sterben, wie Zurufe aus den Wagenfenstern des Zuges an den Stationsvorsteher des Bahnhofs besagten.“

13.2.1940 Vater Erich, Onkel Alfred,Tante Gertrud, Tante Melanie und Tante Wanda Senger auf dem Stettin-Transport in das Ghetto Belzec und Piaski

Alfred Senger verstirbt bereits am 13.3.1940 im Ghetto Piaski

Gedenken

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_brb_400213.html

https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_brb_schneidemuehl.html

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de960532

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de960538

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1185257

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de960548

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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