
Gerhard Jerry Valfer
*10.9.1924 in Mannheim
deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Siegfried Valfer *18.2.1885 in Diersburg
Mutter Anna Kaufmann *8.8.1900 in Mannheim
Geschwister

Karl Heinz Valfer *6.1.1923 in Mannheim; 3.9.1979 in USA
Beruf –
Adressen Mannheim, Rupprechtstraße 11; Schniebinchen, Sorau
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1.3.1938 Bruder Karl emigriert nach Palästina
7.3.1938 Einreise von Bruder Karl Heinz in Haifa mit Studentenzertifikat der Jugendalija der Kategorie B(III)
Novemberpogrom
10.11.1938 Gerhard und sein Vater inhaftiert im Polizeigefängnis Mannheim; Gerhard wird wieder entlassen, da er erst 15 Jahre alt ist
11.11.1938 Einweisung des Vater in das KL Dachau; Häftlingsnummer 21492

29.11.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Dachau
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1939 Gerhard Valfer zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Gerhard Valfer registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
17.5.1939 Siegfried und Anna Valfer in Mannheim, Rupprechtstraße 11
1939 Vor der Besetzung Dänemarks im Jahre 1940 gingen 500 Jugendliche mangels ausreichender Zertifikate für Palästina mit von Dänemark garantierten Visa zur Einzelhachschara auf Bauernhöfe in Dänemark.
Dänemark
1939 Emigration nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen
Ausnahmezustand in Dänemark 1943
Bis zu einem Arbeitsunfall arbeitet er in einer Windmühle, dann bei Bauer Petersen
9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943

5.11.1940 Gerhard Valfer bei Familie Petersen in Toksværd, Hammer, Præstø, Seeland beim dänischen Census
29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen
17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark
September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark
„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.
28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.
Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.
Drei Transporte
Die auf dem dänischen Festland verhafteten Juden werden in das „Polizeigefangenenlager Fröslee“ in Frøslev an der deutschdänischen Grenze verbracht; hier waren ab 13.8.1944 bis Mai 1945 etwa 12.000 Dänen im inhaftiert.
Vom Frøslev-Lager gehen zwei Juden-Transporte mit der Bahn nach Theresienstadt.
2.-5.10.1943 Transport XXV/1 von 21 Chaluzim der Jugendalija in Dänemark, insgesamt 83 in Dänemark Inhaftierten nach Theresienstadt
6.10.1943 aus dem Lager Frøslev 198 Juden auf Transport XXV/2 nach Theresienstadt
9.10.1943 Ankunft des zweiten Transportes XXV/2 in Theresienstadt
Der dritte Transport XXV/3

Inhaftierung von Gerhard Valfer mit den auf Seeland Verhafteten in Horserødlejren, einem Internierungscamp bei Helsingør
13.-14.10.1943 die dritte dänische Gruppe mit 175 Gefangenen auf dem Transport XXV/3 nach Theresienstadt
13.10.1943 morgens 4 Uhr mit dem Zug von Helsingør nach Gedser
13.10.1943 um 9:20 Uhr auf der Fähre „Schwerin“ von Gedser nach Warnemünde bei Rostock
13.-14.10.1943 Transport in Güterwaggons von Warnemünde nach Theresienstadt.
Inhaftierung der auf Seeland Verhafteten in Horserødlejren, einem Internierungscamp bei Helsingør
13.-14.10.1943 die dritte dänische Gruppe mit 175 Gefangenen auf dem Transport XXV/3 nach Theresienstadt
13.10.1943 morgens 4 Uhr mit dem Zug von Helsingør nach Gedser
13.10.1943 um 9:20 Uhr auf der Fähre „Schwerin“ von Gedser nach Warnemünde bei Rostock
13.-14.10.1943 Transport in Güterwaggons von Warnemünde nach Theresienstadt.

In Theresienstadt trifft er auf seine beiden Eltern, und Anna Valfer, die am 22.8.1942 aus Stuttgart nach Theresienstadt deportiert wurden.
Diese standen in Theresienstadt und im DP-Camp Deggendorf in freundschaftlicher Verbindung mit Karola und Simon Freimark aus Bochum
Die weißen Busse
13.4.45 Vorbereitung auf den Abtransport in einer Kaserne in Theresienstadt
14.4.1945 Elf weiße Busse zur Befreiung der 450 dänischen Inhaftierten
Routen der schwedischen „Weißen Busse“
14.4.1945 Irrfahrt durch das zerbombte Berlin
Über Flensburg nach Odense auf Fünen
Weiße Busse aus Theresienstadt bei Ankunft in Haderslev, Dänemark
15.4.1945 von Odense nach Kopenhagen
5.5.1945 Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Dänemark
5.5.1945 SS verlässt Theresienstadt
8.5.1945 die Rote Armee erreicht Theresienstadt
Nachkriegszeit

1945 Eltern im DP-Camp Deggendorf

3.-13.1.1948 Gerhard Valfer auf der SS DROTTNINGHOLM von Göteborg nach New York, um zu seinen Eltern zu kommen
Gedenken
–
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5124100
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://www.leo-bw.de/detail/-/Detail/details/PERSON/wlbblb_personen/1369407459/Valfer%20Jochanan
Heinz Sigmund, Von Karl-Heinz zu Jochanan, 2024
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7531); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage