
Heinz Chaim Wagner
*25.7.1923 in Anklam; ✡27.3.1948 Yehiam, Palästina
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Martin Wagner *1.11.1887 in Anklam; ✡ vor 1944 in Belzec
Mutter Margarete Joseph *20.3.1889 in Cröslin; ✡ vor 1944 in Belzec

Großvater Isidor Wagner
Großmutter Bertha Wagner geb. Grätzer *27.3.1855 in Anklam
Großeltern Gustav Jakob Joseph und Minna Aronsbach
Tante Hedwig Wagner *2.5.1885 in Anklam; ✡3.6.1942 in Sobibor; oo Zeising
Geschwister –
Beruf Praktikant
Adressen Anklam Keilstraße 16/17; Schniebinchen, Sorau
Heirat ja-
Kinder eins
Weiterer Lebensweg
Hachschara Lehrgut Schniebinchen
1939 Heinz Wagner nach der Ausschulung zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen
Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Sorau/ Sommerfeld in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.
1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11
Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)
Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.
10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.
Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:
„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.
März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1
Minderheitenzählung
17.5.1939 Heinz Wagner registriert mit 122 Personen, 109 Chaluzim und Angestellten in Schniebinchen
17.9.1939 Heinz Wagner auch erfasst in Anklam Keilstraße 16/17 bei den Eltern und der Großmutter Bertha
Alija nach Palästina
Zeitpunkt und Weise unbekannt
Unabhängigkeitskrieg
27.3.1948 Tod von Heinz Wagner Yehiam, Palästina im Unabhängigkeitskrieg
Die Deportation der Juden aus Stettin am 13.2.1940
Stettin Belzec Majdanek
Die Deportation der Juden aus Stettin am 13.2.1940 und Schneidemühl am 21.2.1940
13.2.1940 Deportation von 1107 Stettiner Juden nach Lublin. Die dänische Zeitung „Politiken“ berichtet am 17.2.1940:
„In den Nachtstunden des 12. zum 13. Februar wurden in Stettin sämtliche Juden abtransportiert… Zwischen 3 und 4 Uhr am Morgen des 13. Februar wurden die Juden mit Frauen und Kindern ohne Rücksicht auf ihr Alter und ihren Gesundheitszustand durch je zwei Posten der SS und der SA aus ihren Wohnungen geholt und zum Güterbahnhof Stettin gebracht, von wo aus der Abtransport nach Ostpolen in den frühen Morgenstunden des Dienstag erfolgte. Auch die Insassen der beiden jüdischen Altersheime in Stettin, ca. 82 Personen, darunter Frauen und Männer über 90 Jahre, wurden deportiert. Soweit sie nicht mehr zu gehen imstande waren, wurden sie auf Tragbahren zum Güterbahnhof gebracht… Bereits auf der Durchfahrt durch Schneidemühl – etwa 24 Stunden nach dem Abtransport – mussten die ersten Leichen aus dem Deportationszug entfernt werden. Es handelte sich zunächst um eine Frauenleiche, der später die Leichen von zwei Kindern folgten. Einige andere Personen lagen im Sterben, wie Zurufe aus den Wagenfenstern des Zuges an den Stationsvorsteher des Bahnhofs besagten.“

13.2.1940 Martin und Margarete Wagner auf dem Stettin-Transport in das Ghetto Belzec und Piaski
Unabhängigkeitskrieg
27.3.1948 Tod von Heinz Wagner Yehiam, Palästina im Unabhängigkeitskrieg
Gedenken
Grabstein der Großmutter Bertha Wagner auf dem Jüdischen Friedhof an der „Min Hüsung“
2014 drei Stolpersteine für Martin, Margarete und Heinz Wagner in Anklam
Quellen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de984546
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de984549
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996917
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT400213-30.jpg
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_brb_400213.html
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_brb_schneidemuehl.html
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Genealogie Website My Heritage